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Hinterland Kremer geht mit seiner Kritik online
Landkreis Hinterland Kremer geht mit seiner Kritik online
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00:17 24.04.2019
Auf seiner persönlichen Homepage kritisiert Bürgermeister Peter Kremer (SPD) Klaus Bartnik. Quelle: Screenshot
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Gladenbach

Es hat alles harmlos angefangen – mit einer Meinungsäußerung von Klaus Bartnik Mitte Dezember 2018 zu Änderungen bei der Zuordnung des Kirschenmarkts innerhalb der Verwaltung, zu Personalkosten und zum Eigenbetrieb SEB, dem Befugnisse entzogen worden sind.

Daraus entwickelte sich ein Diskurs, der noch kein Ende gefunden hat – obwohl Bürgermeister Peter Kremer dies in einem letzten Satz unter der Rubrik „never ending Dienstaufsicht …“ seiner Homepage proklamiert. Kremer kommt nicht umhin, in den Sätzen zuvor zu offenbaren, dass er auf ein Ende der Geschichte gehofft – sich aber offenbar getäuscht habe.

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Grund des neuerlichen Disputes ist das in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung von Stadtverordnetenvorsteher Roland Petri (SPD) verkündete Einverständnis, dass es Bartnik gestattet wird, im Amtsblatt, das Kremers „Richtigstellung“ zu Bartniks Meinungsäußerungen veröffentlicht hat, ebenfalls seine Sicht der Dinge darzulegen (die OP berichtete).

Damit wäre eigentlich dem Ansinnen Bartniks Genüge getan. Dieser Beschluss, so hatte Petri erläutert, sei einvernehmlich gefasst worden. Auf seiner Homepage stellt Kremer klar, nicht der Magistrat habe dazu sein Einverständnis gegeben, sondern er.

Auch dass sich Bartnik an das Regierungspräsidium Gießen gewandt hat, weil Kremer für eine neuerliche und bereits zuvor von der Kommunalaufsicht gerügte Meinung des Bürgermeisters im Amtsblatt von der Aufsichtsbehörde im Landratsamt lediglich eine nicht aktenkundige Rüge erhalten hat, missfällt dem Rathauschef.

Seine Meinung dazu bringt er auf seiner Homepage ebenfalls zum Ausdruck. Diese hat er allerdings mehrfach abgeändert. Anfangs sprach er noch von „Kinderkram. Wahnsinn. Man(n) sollte es nicht glauben.“ Später leitete er ein mit den Worten: „Jetzt reicht es aber …“ In der neuen Version ist er sachlich.

Bartnik wurde selbst gerügt

Den Hinweis auf die Karnevalssitzung in Sinkershausen versteht nur, wer die ursprüngliche Version kennt. Diese hat Bartnik an den Regierungspräsidenten Dr. Christoph Ullrich weitergeleitet, und auf ihr ist ein Foto Bartniks als Papst verkleidet abgebildet. Dieses Kostüm trug Bartnik während der letzten Narrensitzung, und in seiner humoristischen Einlage sprach er in einer erfundenen Sprache, die keiner versteht.

Ganz sicher scheint, dass Kremer und Bartnik zumindest in ihrem Diskurs, dessen Auslöser Bartniks Meinungsäußerung war, nicht dieselbe Sprache sprechen.

Ob der Streit zwischen dem Alt- und dem amtierenden Gladenbacher Bürgermeister nach Bartniks Veröffentlichung im Amtsblatt beigelegt wird, bleibt abzuwarten. Denn nach wie vor ist Bartnik nicht damit einverstanden, dass Kremer nur eine Rüge für seine neuerliche Meinungsäußerung im Amtsblatt erhielt.

Bartnik ist, was diesen Sachverhalt betrifft, selbst kein unbeschriebenes Blatt. Denn auch er ist 2000 durch die Kommunalaufsicht gerügt worden, weil er als Bürgermeister das Amtsblatt für eine Meinungsäußerung genutzt hat. Das Fazit lautete: Das Amtsblatt muss die Neutralität wahren.       

von Silke Pfeifer-Sternke