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Hinterland Protestzug für mehr Personal
Landkreis Hinterland Protestzug für mehr Personal
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18:53 11.10.2017
Am Mittwoch demonstrierten die Beschäftigten des UKGM in Gießen für mehr Personal. Foto: Christoph Hoffmann
Am Mittwoch demonstrierten die Beschäftigten des UKGM in Gießen für mehr Personal. Quelle: Christoph Hoffmann
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Gießen

Ein gellendes Pfeifkonzert schallt über den Seltersweg. Die Passanten bleiben stehen und recken die Hälse. Vom „Elefantenklo“ her nähert sich eine grün schimmernde Masse. Es sind rund 700 in OP-Kittel gehüllte Mitarbeiter des Uniklinikums Gießen-Marburg. Die vorwiegend jungen Menschen sorgen mit Trillerpfeifen im Mund und Plakaten in der Hand für Aufsehen.

Auf einem der Banner ist „The Working Dead“ zu lesen, eine Anspielung auf die US-Erfolgsserie „The Walking Dead“. Passend dazu haben einige Demonstranten ihre Gesichter mit Schminke in Zombiefratzen verwandelt.

Nein, zu Tode gearbeitet haben sich die UKGM-Beschäftigten noch nicht. Aber die ständige Belastung ist für viele sowohl physisch als auch psychisch nicht mehr zu ertragen. Sie fordern daher mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen.

Aufgerufen zum zweitägigen Warnstreik hatte die Gewerkschaft Verdi. Sie fordert den Abschluss eines „Entlastungstarifvertrags“. Nach Angaben der Interessenvertretung fehlen allein am Uniklinikum in Gießen und Marburg 800 Stellen. Deutschlandweit seien es sogar 162.000 Stellen. „Wir wissen, dass die Klinik morgen nicht 800 neue Stellen schaffen wird“, sagte­ Gewerkschaftssekretär Fabian Rehm am Rande des Protestzugs. „Aber wir hoffen, durch die Demo genügend Druck ausüben zu können, um die Klinikleitung zu einer Tarifeinigung zu drängen.“

Zumindest einen Teilerfolg haben die Beschäftigten schon erreicht. Während die Protestler sich zur Kundgebung auf dem Kirchenplatz trafen und Vertreter von den Linken, der Kommunistischen Partei DKP sowie DGB-Geschäftsführer Matthias Körner ihre Solidarität mit den Streikenden bekundeten, verschickte das Klinikum eine ­Pressemitteilung.

Rehm: „Der Warnstreik 
hat Wirkung gezeigt“

Demnach lädt die UKGM-Geschäftsführung für kommenden Montag zu Tarifgesprächen ein, „um nach einer Lösung im aktuellen Konflikt zu suchen“. Thema der Gespräche soll die Entlastung der nicht-ärztlichen Mitarbeiter sein. So gehe es beispielsweise um die Schaffung eines Personalpools und Absprachen zum Ausfallmanagement. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in konstruktiven Gesprächen am Verhandlungstisch zeitnah zu einer Lösung kommen und unsere beiden Universitätsklinika von weiteren Arbeitsniederlegungen verschont bleiben“, so Gunther K. Weiß, Vorsitzender der Geschäftsführung.

Rehm kommentierte das Angebot im Gespräch mit der OP: „Es ist ein Erfolg, aber noch kein Sieg. Der Warnstreik hat Wirkung gezeigt.“ Er kündigte an, das Angebot „mit anhaltend hoher Streikbereitschaft“ zunächst „kritisch beäugen“ zu wollen. „Wir sind gespannt, was der ­Arbeitgeber vorlegt“, so Rehm. Denn: Noch gebe es kein konkretes Angebot. „Aber die Tarifverhandlungen sind schon einmal ein großer Schritt, denn die haben wir immer gefordert.“

Doch von den Gesprächen ­alleine „kommt erst mal noch nichts. Wir erwarten konkrete Vorschläge, wie die Mitarbeiter effektiv entlastet werden können. Es muss eine spürbare Steigerung von Stellen geben“, formuliert er die Verdi-Forderungen. Sollten die Verhandlungen nicht zielführend sein, könnten nach den Herbstferien weitere Aktionen – auch Streiks – folgen.

von Christoph Hoffmann 
und Andreas Schmidt

Einen Bericht über die Reaktion der Klinikleitung lesen Sie hier.

Einen Bericht über den ersten Streiktag lesen Sie hier.