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Hinterland Im Sommer fährt kein Zug mehr
Landkreis Hinterland Im Sommer fährt kein Zug mehr
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11:58 20.11.2019
Der Bahnsteig in Buchenau soll erhöht werden, zudem wird die Technik von Signalen und Weichen erneuert.  Quelle: Mark Adel
Friedensdorf

Schlechte Nachricht für Schüler und Pendler: Die Bahnstrecke wird von Friedensdorf bis Sarnau von Anfang Juli bis Ende Oktober 2020 gesperrt. Die Züge werden in dieser Zeit durch Busse ersetzt. Hauptgrund der Sperrung ist der Bau der Ortsumgehung im Lahntal. Die Kurhessenbahn nutzt die Gelegenheit, um auf dem gesperrten Abschnitt die Technik zu modernisieren.

Die Investitionen belaufen sich insgesamt auf 16 Millionen Euro. Der Bau der Umgehungsstraße schreitet voran. Bei Sarnau führt eine Brücke die Straße über die Bahntrasse. „Ungefähr dort, wo jetzt das Stellwerk steht, befindet sich dann ein Brückenpfeiler“, erklärt Hans-Martin König, Leiter Infrastruktur der Kurhessenbahn.

Außerdem muss die Strecke leicht verlegt werden, 600 Meter neue Schienen in Richtung Frankenberg sind nötig, auch Weichen werden getauscht. Die Arbeiten sind umfangreich: „Da bleibt kein Stein auf dem anderen.“ Weichen, Bahnübergang und Signale werden noch mechanisch gesteuert: Über große Hebel im Stellwerk werden Stahlseile in Bewegung gesetzt – eine uralte und nicht mehr zeitgemäße, aber durchaus bewährte und haltbare Technik.

Viel Arbeit rund um 
den Bahnhof Buchenau

Künftig wird weitgehend von Friedensdorf per Tastendruck geschaltet. Von dort kontrolliere der Fahrdienstleiter bereits jetzt den Bahnverkehr bis kurz vor Korbach, berichtete König. Auch in Buchenau wird ein elektronisches Stellwerk (ESTW) ­gebaut. Das Stellwerk in Sarnau entfällt. In Buchenau sei zuletzt nur in Kurzschichten gearbeitet worden, erklärte König.

Am Buchenauer Bahnhof sind die Arbeiten besonders umfangreich. Es sind zwei Bahnübergangssicherungen, eine Stützmauer und zwei neue Außenbahnsteige vorgesehen.

Im Zuge der Arbeiten werden auch Bahnsteige erhöht. Das soll in Biedenkopf, Sterzhausen und Goßfelden den Einstieg ohne Barrieren gewährleisten – gut für Menschen mit Behinderungen, aber auch für Radfahrer. Die Kurhessenbahn nutzt für diese Arbeiten die Streckensperrung. Zudem werden Bahnübergänge zwischen Sarnau und Wetter sowie Sarnau und Buchenau erneuert. Auf die Fahrzeiten wirke sich die neue Technik nicht aus, sagte König. Lediglich die Ein- und Ausfahrgeschwindigkeiten seien etwas höher.

In naher Zukunft soll die gesamte Strecke bis Erndtebrück attraktiver werden. Unter anderem verkehren ab Dezember an Samstagen wieder durchgängige Züge von Marburg nach Siegen. Ziel des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) sei ein Stundentakt bis Erndtebrück, sagte Hans-Martin König.

Arbeiten beginnen mit den Sommerferien

Dazu ist ein so genannter Kreuzungsbahnhof nötig: Also eine Haltestelle, an der sich zwei Züge begegnen können. Als möglicher Standort gilt Saßmannshausen. Dazu liefen Gespräche mit dem Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe. Denn: „Die Fahrgastzahlen steigen sukzessive“, erklärte König. Ein Wunsch des RMV sei, noch mehr Züge fahren zu lassen und Fahrplanlücken an ­Wochenenden zu schließen. Das soll noch mehr Passagiere locken.

Die Arbeiten beginnen mit den Sommerferien und dauern bis Ende Oktober. Trotz der Ferien dürfte das viele Schüler und Pendler treffen. Hans-Martin König bat um Verständnis: Aufgrund der umfangreichen Arbeiten gebe es keine Alternative. In dieser Zeit gibt es von Friedensdorf und Wetter nach Marburg einen Ersatzverkehr mit Bussen.

Stellwerke

In einem mechanischen Stellwerk werden Signale und Weichen per Muskelkraft gesteuert, große Hebel setzen Stahlseile in Bewegung. 2016 gab es laut Bahn bundesweit 752 Stellwerke. Die in Sarnau, Buchenau, Friedensdorf und Biedenkopf zählen zu den letzten der Kurhessenbahn.

Mechanische Stellwerke waren Standard auch in kleinen Bahnhöfen. Sie werden fortlaufend von elektronischen Stellwerken (ESTW) ersetzt. ESTW sind leistungsfähiger als mechanische Stellwerke, die nur einen kurzen Gleisabschnitt steuern können.

Das erste digitale Stellwerk wurde 2014 erprobt. Künftig sollen 280 digitale Stellwerke den Zugverkehr in Deutschland steuern. Von Sarnau nach Friedensdorf ersetzen zudem Lichtsignale die klassischen Formsignale.     

von Mark Adel