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Hinterland Dammer am Straßenrand stehengelassen
Landkreis Hinterland Dammer am Straßenrand stehengelassen
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16:00 23.09.2021
Hessen Mobil will die durch Damm führende Landesstraße von Grund auf erneuern. Für das Umgestalten ist Tempo 30 nur ein Wunsch des Ortsbeirats und der Anlieger (von links): Karl Klefenz, Andreas Wagner-Rücker, Kurt Rink, Johannes Plitt und David Gerhardt  
Hessen Mobil will die durch Damm führende Landesstraße von Grund auf erneuern. Für das Umgestalten ist Tempo 30 nur ein Wunsch des Ortsbeirats und der Anlieger (von links): Karl Klefenz, Andreas Wagner-Rücker, Kurt Rink, Johannes Plitt und David Gerhardt   Quelle: Gianfranco Fain
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Damm

Der Ortsbeirat und die rund 30 Anlieger der Landesstraße 3048 in Damm fühlen sich „nicht mitgenommen“. Ihr Unmut richtet sich gegen die Pläne zur Sanierung der Straße, die durch den Ortsteil der Gemeinde Lohra führt. Sie sehen in den Plänen von ­Hessen Mobil, dass die Erneuerung nicht für die Bürger des Ortes, sondern für ein schnelles Durchfließen des Verkehrs konzipiert sind. Und genau das wollen die Dammer nicht.

Vielmehr wünschen sie sich, dass die erneuerte Straße auch dazu führt, den Verkehr durch den Ort zu verlangsamen. Vorschläge dazu, wie dies geschehen könnte, unterbreitete der Ortsbeirat der Gemeindeverwaltung. Dies sind zum Beispiel bauliche oder auch optische Tempobremsen an den Ortseingängen und an neuralgischen Punkten wie dem Bolzplatz oder am Kriegerdenkmal. Die Anlieger wünschen sich auch das Verlegen der Ortsgrenze an das Ende des Baugebietes „Gute Pfuhl“ und einen Fußweg zum Bolzplatz.

Hohe Lautstärke

Die dort vorgesehene Bankette aus Rasengittersteinen kritisieren sie ebenfalls, weil beim Überfahren vor allem in Kurven Geräusche in erheblicher Lautstärke entstünden. Dort stellt sich der Ortsbeirat einen gesandeten Weg mit Bäumen statt eines festen Bürgersteigs vor.

Der an der gegenüberliegende Straßenseite geplante Grünstreifen solle nicht am Grundstücksrand entstehen, sondern wie zum Beispiel in Rollshausen am Rande der Straße, sodass der Fußweg von der Fahrbahn getrennt ist. Schließlich solle die Einmündung des Weidenwegs in die Landesstraße auch als Straße ausgeführt werden und nicht wie im Plan vorgesehen als durchgehender Bürgersteig.

Erhöhtes Risiko für Kinder und alte Menschen

Ein weiteres Argument gegen den bisherigen Ausbauplan ist die Sorge, dass eine ungebremste Durchfahrt durch den Ort mehr Auto- und Lastwagenfahrer dazu verleiten werde, diese als Abkürzung zu nutzen, statt über die Bundesstraße zu fahren. „Mittlerweile leben im Ort wieder viele Kinder und auch alte Menschen“, lenkt Ortsvorsteher Johannes Plitt den Blick auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer.

Enttäuscht sind die Bürger und der Ortsbeirat nicht nur, weil ihre Vorschläge nicht auf fruchtbaren Boden fallen, sondern auch, weil sie keinen Ansprechpartner finden. Aus der Gemeindeverwaltung heiße es, Hessen Mobil sei zuständige, die Straßenbaubehörde verweise wiederum auf die Gemeinde, berichtet der Ortsvorsteher. Bitter sei dies, da solche Veränderung vor der Planung zu besprechen seien. Schließlich müssten die Dammer mit der erneuerten Straße 30 bis 40 Jahre lang leben.

Immerhin haben die Gemeindevertreter ihren Beschluss zurückgestellt, bis die Anliegerversammlung am 6. Oktober erfolgt ist. Der bisherige Ablauf führt dazu, dass die Verwaltung den Gemeindevertretern einen geänderten Ablaufplan vorlegen wird, in dem den Anliegern die Baupläne vor den Kommunalpolitikern präsentiert werden, erklärt Lars Plitt. Der Hauptamtsleiter verweist aber auch darauf, dass es noch nie eine so häufige Bürgerbeteiligung gegeben habe wie in Damm. Acht Termine mit dem Ortsbeirat, dem Ortsvorsteher oder Bürgern gab es schon, zudem sei der Entwurf seit dem 25. Februar auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht. Auch hätten sich vereinzelt Anwohner die Pläne im Rathaus angeschaut.

Plitt: „Geringen Gestaltungsmöglichkeiten“

Weil im Ministerium nicht genügend Kapazitäten vorhanden seien, habe Hessen Mobil die Gemeinde gebeten, einen Ingenieur mit dem Planen zu beauftragen, erklärt Lars Plitt. Die Kosten trage die Straßenbaubehörde. Da es sich um eine Landesplanung handele, habe die Gemeinde „nur ganz geringe Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt der Hauptamtsleiter. Überhaupt beteilige sich die Gemeinde an dem Ausbau nur, weil das Land die Straße von Grund auf saniere.

„Sonst würden wir die Gehwege nicht erneuern“, sagt Lars Plitt. Dafür wählte man die günstigste Ausführung, schließlich würden auch die Anlieger an den Kosten beteiligt. Dies sei auch bei allen Veränderung an den Plänen der Fall. Da, wo es möglich sei, habe der Bürgermeister auch schon optische und kleine bauliche Änderungen im Nachhinein, zum Beispiel Blumenkübel oder Verengungen wie in Hermershausen zugesagt, ergänzt Lars Plitt, weil Hessen Mobil so etwas definitiv nicht machen werde. Das gelte auch für das gewünschte Tempo 30.

Geklärt werde noch, ob die Breite der Gehwege 1,50 oder 2,50 Meter betragen werde, die Bürger den verstärkten Unterbau der Gehwege an vorhersehbaren Überlastungsstellen bezahlen müssen, es im Beitragsrecht bei der Aufteilung von 75 zu 25 bleibe.

Von Gianfranco Fain

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