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Hinterland Stabübergabe im „Treff“
Landkreis Hinterland Stabübergabe im „Treff“
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18:59 23.01.2021
Christian Böhler (links) wird Nachfolger von Ortwin Schäfer als Leiter des Beratungszentrums „Der Treff“ in Biedenkopf.
Christian Böhler (links) wird Nachfolger von Ortwin Schäfer als Leiter des Beratungszentrums „Der Treff“ in Biedenkopf. Quelle: Gianfranco Fain
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Biedenkopf

„Ich übernehme die Leitung für ein gut aufgebautes Betreuungsangebot und ein absolut erstklassiges Team“, sagt Christian Böhler über das Beratungszentrum „Der Treff“.

Wesentlich an der Entwicklung der Hilfsstelle der Bürgerinitiative Sozialpsychiatrie im Haus am Markt 2 war Ortwin Schäfer, der nach 33 Jahren in Biedenkopf zum Monatsende als Leiter des Beratungszentrums den Stab an Böhler übergibt.

Im Jahr 1988 begann Schäfers Laufbahn in Biedenkopf im damaligen „Café Horch“, bis er nach mehreren Trägerwechseln im Jahr 2000 Mitarbeiter der BI Sozialpsychiatrie wurde. Zuvor begann der im Raum Gießen geborene Schäfer in Marburg das Studium der Theologie, bevor er nach zwei Semestern zur Psychologie wechselte. „Ich wollte Menschen helfen, frei von jeglichem Glauben.“

Schäfers Entscheidung erwies sich als richtig. Er fand eine „befriedigende Arbeit“ in einer ländlichen Gemeinde und sieht seinen Berufswunsch als erfüllt an, vor allem, weil er Dinge verwirklichte, die ihm am Herzen lagen. Dazu gehört, Hilfen im Lebensumfeld der Menschen, also vor Ort anzubieten. „Als ich anfing, gab es hier so gut wie nichts, nicht einmal einen Facharzt“, erinnert sich der 65-Jährige.

Von den Klienten viel gelernt

Stolz macht den langjährigen Leiter des Beratungszentrums, ein „sehr gutes Team“ aufgebaut und viele Unterstützer gefunden zu haben. Auch mit deren Hilfe gelang es ihm, das Angebot einer niederschwelligen Hilfe, die möglichst ohne bürokratische Hilfe zustande kommt, aufzubauen. Das Vernetzen des Angebotes mit anderen Hilfsorganisationen und Institutionen komplettierte seine Vorstellungen.

Zur Zufriedenheit mit seinem Berufsleben trägt dazu bei, gerade zu Beginn seiner Laufbahn auch von seinen Klienten viel gelernt zu haben, zum Beispiel, wie Kindern die Probleme der Eltern begreifbar dargestellt werden können. Auch bei diesen muss den Beratern das Kunststück gelingen, sich mit Offenheit auf die Begegnung einzulassen und trotzdem die notwendige Distanz zu wahren.

In geschätzten 2.000 bis 3.000 Beratungsfällen hatte es Schäfer vorwiegend mit jungen Erwachsenen zu tun, darunter auch Menschen, deren lang währende psychische Krankheit schon chronische Folgen zeigt. „Da muss man lernen, kleine Fortschritte zu schätzen“, sagt der künftige Ruheständler. Seinen neuen Lebensabschnitt will „Leseratte“ Schäfer in der Region verbringen. „Das Hinterland ist mir ans Herz gewachsen“, bekennt er, der die schöne Landschaft zum Wandern nutzt.

Schäfer will Angebot ausbauen

Das Krafttraining ist eine weitere Betätigungsmöglichkeit zum Ausgleich der Beschäftigung mit Philosophie, Politik und Geschichte oder dem Hören von Blues-, Jazz- oder Rockmusik. Vor allem freut sich Ortwin Schäfer darauf, Zeit für seine vier Kinder, vor allem aber für seine Enkeltochter zu haben. Während Schäfer seinen Ruhestand plant, beschäftigt Christian Böhler die Zukunft des Beratungszentrums.

Dessen Angebot möchte er dem Bedarf entsprechend ausbauen, sieht eine seiner Hauptaufgaben darin, im „beständigen Ringen mit den Kostenträgern den finanziellen Rahmen für das Beratungszentrum zu erhalten“. Insgesamt geht es neben den betreuten Personen auch um die Arbeitsplätze von rund 70 Kollegen, da zum „Treff“ auch die in der Nähe betriebene Tagesstätte gehört.

Der mit seiner Familie in Dagobertshausen lebende 56-jährige Böhler sieht einen erhöhten Beratungsbedarf auf sein Team zukommen, wenn es darum gehen wird, die psychischen und auch finanziellen Folgen der Corona-Pandemie mit den Hilfesuchenden zu bewältigen.

BI Sozialpsychiatrie

Den Verein „Bürgerinitiative für soziale Rehabilitation und zur Vorbeugung psychischer Erkrankungen“ gründeten Studenten, Fachleute, Bürger und Psychiatrieerfahrene im Jahr 1973.

Der Namensbestandteil „Bürgerinitiative“ galt dabei als politischer Ausdruck des Selbstverständnisses für das ehrenamtliche Engagement in der Psychiatrie.

Die BI Sozialpsychiatrie unterhält in Biedenkopf am Marktplatz 2 mit „Der Treff“ ein regionales psychosoziales Zentrum, Tagesstätte, Betreutes Wohnen sowie Kontakt- und Beratungsstelle, speziell für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Im Beratungsverbund gibt es zudem eine Jugend- und Drogenberatung, eine Schuldnerberatung/Insolvenzstelle und die Selbsthilfekontaktstelle. Über Biedenkopf hinaus ist die BI mit verschiedenen Angeboten im Landkreis tätig.

Von Gianfranco Fain

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