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Hinterland Mountainbiker sind in Moskau gestartet
Landkreis Hinterland Mountainbiker sind in Moskau gestartet
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14:00 04.07.2019
In Moskau angekommen, stand auch ein wenig Zeit zur Verfügung, um Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Quelle: Privatfotos
Moskau

"Stellt euch bei euren Planungen darauf ein, dass etwas nicht funktioniert“, warnt Berater Gerhard Pfeiffer die fünf Hinterländer Mountainbiker vor der Abfahrt aus Moskau, denn in Russland sei es nicht wie in der Hauptstadt.

Dass bei so einer gewaltigen Tour einiges schiefgehen kann, erfahren Harald Becker, Jörg Krug, Siegfried Pitzer, Matthias­ Schmidt und Ulrich Weigel gleich zu Beginn ihrer Reise. Wie Weigel berichtet glückt zwar der Gepäck- und Menschen-Transfer am Sonntagmorgen bis zum Schalter der Aeroflot am Frankfurter Flughafen perfekt, aber anderthalb Stunden vor Abflug folgt dort der große Schreck.

Der Reisepass samt Visum eines der fünf Fahrrad-Touristen liegt noch zu Hause. Während dessen Ehefrau ins Auto springt und sich auf den Weg ins Hinterland macht, um das notwendige Reisedokument zu holen, lässt die freundliche Aeroflot-Managerin den Unglücksraben trotzdem Koffer und Bike aufgeben und händigt ihm die Bordkarte­ aus. Doch eines ist klar: Ohne Pass und Visum bleibt er am Boden. Alles wartet, scheinbar vergeblich, doch 5 Minuten nach Ende der Einsteigezeit erreichten Ehefrau, Pass und Visum doch noch den Schalter, wo das Bodenpersonal wartet.

Nach einem reibungslosen Flug erreicht die Gruppe pünktlich Moskau. Mit dabei ist Berater Gerhard Pfeifer, der zum Start vom Roten Platz mitfliegt. Auf den Geschäftsführer von Buderus Guss in Breidenbach wartet am Flughafen das Begleitfahrzeug der Niederlassung der Konzernmutter Bosch. Damit fahren die Hinterländer in die Innenstadt, die mit Denkmälern und historischer Architektur gepflastert ist. Im Hotel angekommen, laden die fünf Mountainbiker als Erstes die bereitliegenden zehn Akkus auf, entpacken ihre Bikes aus den Spezialkoffern und montieren sie. Doch es gilt, eine weitere Hiobsbotschaft zu verdauen. Auch der letzte Versuch fünf Akkus nach Kasachstan zu senden, scheitert. Somit wird die Befürchtung zur Gewissheit: Nächste Woche werden die fünf Hinterländer ihre schweren E-Bikes ohne Bosch-Antrieb durch Kasachstan bewegen. Dort sind zum Beispiel an einem Tag 150 Kilometer zurückzulegen.

Botschaft und Geheimdienst briefen die Mountainbiker

Der restliche erste Tag läuft aber nach Plan. Damit das auch so weitergeht, erwarten sie drei Mitarbeiter der deutschen Botschaft und vier eines Geheimdienstes. Diese erklären den Hinterländern, was sie dürfen und was nicht. Zudem erhalten die Mountainbiker ein Begleitschreiben, für den Fall von Nachfragen durch andere­ Behördenvertreter. Das Team packt sein hochwertiges Film­equipment aus, mit dem eine­ Reisedokumentation erstellt wird. Dann geht es in die Stadt hinaus. Zwischen weltbekannten Gebäuden „riecht es nach Geschichte“. Derer werden auch die fünf Freunde ein Teil, als sie ihren Start vom Wassiljewski spusk – dem Roten Platz direkt neben der Basilius Kathe­drale vollziehen und filmen. ­Allein die Genehmigung hierfür zu erhalten, dauerte mehr als ein halbes Jahr.

Vom Start weg geht es zur Erlöserkirche und zum mächtigen Monument Aleksander II, dann durch wunderbare Parks. Dabei stellen die Hinterländer fest, dass Biken in Russland deutlich ungefährlicher als befürchtet ist. Auch Kontakte lassen sich leicht knüpfen.

Hilfreich ist dabei das zweisprachige Logo auf den Trikotrücken. Darauf spricht im Gorki-Park sie sogar ein Mann aus Saratow an, der als Nachfahre von Auswanderern deutsche Wurzeln hat. Es werden die Kontaktdaten ausgetauscht, denn die Familie wohnt noch an der Wolga und Saratow ist eines der Ziele der Reisegruppe.

Mit dem Nachtzug nach Kasan

Nach 25 Tageskilometern ist das Tagesziel, der Kasaner Bahnhof in Moskau erreicht. Sie bugsieren die E-Bikes senkrecht durch die schmalen Gänge der Schlafwagen bis direkt neben die Kojen. Nach mehr als 800 Kilometern erreicht der Nachtzug Kasan, die Hauptstadt Tartastans. Der zweite Tag beginnt um 8 Uhr wie der erste endete: mit dem Manövrieren der Räder, diesmal aus dem Zug heraus.

Am Bahnsteig warten die Bosch-Mitarbeiter Julia und Jury mit dem Begleitfahrzeug. Die Biker suchen nach einer Möglichkeit, per Fähre über die Wolga, die Etappe auf 105 Kilometer abzukürzen. Das gelingt und so geht es auf der Bergseite der Wolga über anspruchsvolles Terrain und bis zu 1.250 Höhenmeter voran. Der Blick auf die Wolga bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen über 30 Grad beeindruckt wieder.

Die unbefestigten Wege lassen die Herzen der Mountainbiker höherschlagen und die steilen Anstiege verlangen Mensch und Material viel ab. So sind die ersten Akkus nach rund 50 Kilometern leer und ein Treffen mit dem Begleitfahrzeug ist zum Austausch nötig. Gegen 19 Uhr ist das Hotel an der Wolga erreicht. Gab es tagsüber nur Käse und Wurst aus kleinen Lebensmittelmärkten, wartet hier mit gutem ­Essen eine Belohnung für den anstrengenden Tag.

von Gianfranco Fain

Einen Vorbericht zur Tour der Hinterländer Mountainbiker lesen Sie hier. (Artikel ist nach Anmeldung für OP-Leser zugänglich.)