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10:00 28.06.2021
Auch die Kampfsportler des TV Gladenbach haben wieder mit dem Training begonnen. Hier sind die Jiu-Jitsu-Kämpfer auf die Matte zurückgekehrt.
Auch die Kampfsportler des TV Gladenbach haben wieder mit dem Training begonnen. Hier sind die Jiu-Jitsu-Kämpfer auf die Matte zurückgekehrt. Quelle: Sascha Valentin
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Hinterland

Die Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen haben auch bei den Turnvereinen im Hinterland für Erleichterung gesorgt. Bis auf wenige Ausnahmen haben schon wieder alle Gruppen mit dem Training angefangen. Doch wie ist das, nach so langer Zeit wieder auf die Plätze und in die Hallen zurückzukehren?

„Man konnte regelrecht spüren, dass es für die Teilnehmer eine ungewohnte Situation war, mit mehreren Gleichgesinnten gemeinsam Sport zu machen“, berichtet Kerstin Lenz, Sportwartin des TV Wallau. Besonders hart habe es die Leistungsturnerinnen getroffen. Anders als bei anderen Sportarten könnten die ihr anspruchsvolles Training nicht mal eben zu Hause absolvieren. „Ob das frühere Leistungsniveau für alle wieder erreichbar sein wird, wissen wir leider noch nicht“, sagt Lenz.

Auch Karin Prior, Vorsitzende des Turnvereins Buchenau, geht davon aus, dass es durch die fehlenden Bewegungsprogramme, die die Vereine sonst bieten, gerade bei jüngeren Kindern zu Defiziten bei der motorischen Entwicklung kommen könnte. „Gerade im Kinderbereich besteht deswegen eine große Nachfrage“, erklärt sie.

Online-Angebote kompensierten Trainingsausfälle

Viele Vereine haben die ausgefallenen Übungsstunden durch Online-Angebote zu kompensieren versucht. Der TV Gladenbach hat etwa für seine Leistungsturner, Handballer und Basketballer Fitness-Übungen bei Videokonferenzen angeboten und beim TV Biedenkopf konnten die Jugendlichen an Challenges teilnehmen, bei denen ihnen gewisse Aufgaben gestellt wurden, wie Vorsitzender Swen Genz erzählt. „Sie mussten zum Beispiel Liegestütze machen oder 30 Sekunden lang eine Planke halten. Da sind dann die verschiedenen Mannschaften gegeneinander angetreten.“

In Buchenau hat der Turnverein sogar Rundwanderwege mit verschiedenen Aktivitäten angelegt, auf denen sich die Familien während der Kontaktbeschränkungen fit halten konnten. „Aber den richtigen Sport konnte das alles natürlich nicht ersetzen“, gibt Kerstin Lenz zu, und so gebe es nun einen spürbaren Nachholbedarf.

Dem versuchen die Vereine auch mit neuen Angeboten zu begegnen, wie Michaelo Walter, Vorsitzender des TV Gladenbach, sagt. Neben den bewährten Gruppen gibt es dort nun eine Purzel-Ballschule für Kinder zwischen drei und fünf Jahren. „Dort lernt man von Grund auf, die unterschiedlichsten Bälle zu kontrollieren“, erklärt Walter. Das zweite neue Angebot ist ein Tischtennistraining für Kinder, bei dem „der nächste Timo Boll ausgebildet werden soll“. In Wallau hat der Vereinsvorstand beschlossen, neue Kleinturngeräte anzuschaffen, um noch vielfältigere Möglichkeiten zu bieten.

Zudem haben in vielen Vereinen Übungsleiter und Vorstandsmitglieder die trainingsfreie Zeit genutzt, um sich fortzubilden. „Da gab es tolle Angebote des Hessischen Turnverbands“, berichten die Wallauer Vorsitzenden Christoph Lenz und Beate Gerhard. Der Verein hatte sogar selbst mithilfe des Roten Kreuzes einen Erste-Hilfe-Kurs für Übungsleiter und Helfer durchgeführt. Denn ohne sie läuft nichts, wie die Vorsitzenden wissen.

Umso glücklicher sind sie, dass in den vier Vereinen alle Übungsleiter auch nach der Zwangspause weiter machen. „Ich habe aber durchaus Bedenken, dass wir da noch Federn lassen müssen“, sagt Swen Genz. Denn auch für die Gruppenleiter sei es nicht ganz einfach, nach so langer Zeit wieder in die Spur zu finden. Außerdem habe oft schon vor Corona ein Mangel an Trainern und Übungsleitern bestanden, sagen Prior und Lenz. „Genug sind es auf keinen Fall. Um die Belastung für die wenigen so gering wie möglich zu halten, können wir durchaus noch Verstärkung gebrauchen“, betont Prior.

Es gelten weiter Hygieneregeln

Natürlich gelten nach dem Neustart in den Gruppen auch weiterhin die Hygieneregeln, um das Risiko einer Infektion zu minimieren. „Bei uns hat jede Gruppe ein eigenes Hygienekonzept, das an den jeweiligen Verband angelehnt ist“, sagt Michaelo Walter.

Zudem muss jeder Teilnehmer ein Re-Start-Formular auf der Webseite des Turnvereins ausfüllen. In Biedenkopf werde zudem darauf verzichtet, Duschräume und Umkleidekabinen zu öffnen, betont Swen Genz. Generell seien die Teilnehmer aber sehr diszipliniert, wenn es um das Tragen von Masken oder die Einhaltung der Abstandsregeln gehe, sagt auch Kerstin Lenz. Bei ihnen überwiege die Freude darüber, endlich wieder trainieren zu können.

Von Sascha Valentin