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Hinterland Spenden-Kistchen für Alleinerziehende
Landkreis Hinterland Spenden-Kistchen für Alleinerziehende
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15:52 08.03.2021
Das Unternehmen Kükenkistchen will Eltern das Leben etwas einfacher machen.
Das Unternehmen Kükenkistchen will Eltern das Leben etwas einfacher machen. Quelle: Tobias Hirsch
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Gladenbach

Sie wollen Eltern das Leben etwas leichter machen – das gehörte für Dr. Beatrix Freibert und ihren Mann Dr. Sven-Andreas Freibert von Anfang an zur Idee ihres Unternehmens Kükenkistchen. Die Gladenbacher, selbst Eltern von zwei kleinen Töchtern, bieten Babybekleidung im Abo an.

Jeden Monat kommt dann ein Kistchen, in dem zum Beispiel Strümpfe oder Baby-Oberbekleidung ist. Aus dieser Geschäftsidee hat sich nun, angeregt durch einen privaten Spender, auch ein Hilfsprojekt für Alleinerziehende entwickelt. Gemeinsam mit dem Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) Hessen wirbt Kükenkistchen darum, Gutscheine für Familien mit nur einem Elternteil zu spenden.

Idee kam durch OP-Bericht

Auslöser dafür war nach Aussage von Beatrix Freibert der Bericht in der OP, in der das junge Unternehmen vorgestellt wurde. Daraufhin meldete sich ein anonymer Spender über das Kontaktformular der Internetseite Kuekenkistchen.de. „Er hatte den Artikel gelesen und fand die Geschäftsidee gut – hatte aber niemanden, dem er ein Kistchen-Abo schenken könnte“, erzählt Beatrix Freibert.

Er denke, habe der Wohltäter geschrieben, dass Alleinerziehende so etwas brauchen könnten. Freibert wandte sich daraufhin an die Beratungsstelle Pro Familia Marburg, die den Gutschein an eine werdende Mutter vermittelte. Der Spender schloss ein Jahresabo für ein Gesamt-Kistchen in der mittleren Preiskategorie Everyday ab, das die komplette Bekleidung (außer Schuhen und Jacken für draußen) enthält. Als Spenden-Kistchen kostet es monatlich 125 Euro. „Er hat absolut recht, dass Alleinerziehende finanzielle und ideelle Unterstützung gebrauchen können“, findet Beatrix Freibert.

Projekt „Wir für Alleinerziehende“

Das Unternehmer-Ehepaar hat deshalb gemeinsam mit dem VAMV Hessen das Projekt „Wir für Alleinerziehende“ ins Leben gerufen. Der Verband berät in einer Koordinierungsstelle Alleinerziehende zu ganz unterschiedlichen Fragen – von Umgangsrecht über Unterhalt bis zu finanziellen Hilfen. „Alleinerziehende sind eine extrem heterogene Gruppe mit unterschiedlichen Problemen“, sagt die Landesvorsitzende Maja Bott.

Einige hätten auch ein gutes Einkommen – aber insgesamt seien Alleinerziehende besonders von Armut betroffen. „Deshalb finden wir das Angebot von Kükenkistchen gut, dass Alleinerziehende, denen es finanziell besonders schlecht geht, entlastet werden“, sagt Bott. Die Entlastung sei nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich – und Alleinerziehende hätten enorme zeitliche Probleme.

Verband: unbürokratische und anonyme Hilfe

Wenn Schwangere oder Alleinerziehende mit kleinen Kindern in der Beratung nach finanziellen Hilfen fragten, könne der Verband einen Gutschein vermitteln, erläutert Bott. Mit den Gutscheinen können die Alleinerziehenden dann bei Kükenkistchen einkaufen. Für das Unternehmen sind die Spenden-Empfänger laut Freibert nicht von anderen Kunden zu unterscheiden.

„Uns gefällt, dass Alleinerziehenden so unbürokratisch und anonym geholfen werden kann“, hebt Bott hervor. Auf diese Möglichkeit will der Verband auch seine Mitglieder hinweisen, etwa Alleinerziehende mit gutem Einkommen, die andere Betroffene mit einer Spende unterstützen wollen.

Freude über SMS

An den Spenden-Kistchen verdiene Kükenkistchen nichts, betont Beatrix Freibert. Lediglich für eventuell notwendige Rücksendungen plane sie einen kleinen finanziellen Puffer ein. Ab 15 Euro monatlich könnten Spender einen Betrag frei wählen, erklärt Freibert.

Die Alleinerziehende, die für ihr Baby von der ersten anonymen Spende profitiert, habe sich sehr gefreut, berichtet die Unternehmerin. In einer SMS habe sie geschrieben: „Vielen lieben Dank für mein erstes Kükenkistchen. Die Sachen sind wirklich supersüß und haben eine richtig tolle Qualität. Letzte Woche ist mein Sohn geboren und ich freue mich, dass er solche tollen Sachen tragen darf. Danke. Danke. Danke.“

Von Stefan Dietrich