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Hinterland Im Frühjahr rollt der Bagger an
Landkreis Hinterland Im Frühjahr rollt der Bagger an
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15:00 03.11.2021
Sie freuen sich auf den Baubeginn des noch namenlosen Dirtparks in Gladenbach im nächsten Frühjahr: Bürgermeister Peter Kremer (rechts) und Stadtjugendpfleger Karlheinz Nickel absolvieren schon einmal den ersten Spatenstich für das Projekt.
Sie freuen sich auf den Baubeginn des noch namenlosen Dirtparks in Gladenbach im nächsten Frühjahr: Bürgermeister Peter Kremer (rechts) und Stadtjugendpfleger Karlheinz Nickel absolvieren schon einmal den ersten Spatenstich für das Projekt. Quelle: Foto: Michael Tietz
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Gladenbach

Ein Bauzaun umgibt bereits das neue Sportgelände. Der beauftragte Experte für Sprünge, Landungen, Abstände und Radien steht in den Startlöchern. Im Frühjahr startet der Bau des Dirtparks in Gladenbach. Die Anlage für Mountainbiker kostet knapp 55 000 Euro.

„Die Realisierung kommt nun richtig in die Gänge: Ab 2022 soll es dort hoch hinaus gehen. Einige Hürden waren zu überwinden, nun folgt der Schlusssprint“, fasst Stadtjugendpfleger Karlheinz Nickel das Projekt zusammen. Den Anstoß lieferte im Februar 2018 ein Antrag der SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung. Dieser zielte auf eine „sinnvolle und konfliktfreie Möglichkeit der Freizeitgestaltung“ für junge Radsportbegeisterte ab.

Zu dieser Zeit waren oft Kinder und Jugendliche mit ihren Mountainbikes in der Innenstadt und im Wald unterwegs. Sie hüpften über Treppen und Bänke oder bauten sich selbst kleine Sprungschanzen – und verärgerten damit Fußgänger und Grundstücksbesitzer.

Faszination fürs Mountainbike

Ähnliche Konflikte gibt es laut Nickel momentan nicht. Die Faszination für das Mountainbike und speziell für das Dirtbike – diese stabilen Räder mit kleinerem Rahmen eignen sich besonders gut für das Springen und Kurvenfahren – ist bei Gladenbacher Jugendlichen aber nach wie vor groß. Sämtliche Freizeitangebote der Stadtjugendpflege dazu sind ausgebucht. Sogar aus anderen Kommunen kommen regelmäßig Anfragen von jungen Bikern, die an den Ausflügen und Aktionen teilnehmen wollen. Deshalb freut sich auch der Stadtjugendpfleger: „Das wird der neue Treffpunkt in Gladenbach.“

Drei bis fünf Jahre Planungszeit sind aus seiner Sicht für eine solche Anlage normal. In Gladenbach zog sich die Grundstückssuche in die Länge. Die Wahl fiel auf das Areal zwischen dem Sportplatz und der Firma Stolz Mould System. Ein ehemaliger Parkplatz. „Unser Dank gilt Geschäftsführer Stefan Stolz, denn er wird 15 Jahre lang nicht sein Ankaufsrecht für das Grundstück ziehen“, sagt Bürgermeister Peter Kremer.

Mit den Stimmen von SPD, Freien Wählern und Grünen legte das Stadtparlament im August 2020 den Kostenrahmen fest. Wegen eines zu hohen Haftungsrisikos für die Kommune lehnte die CDU den Dirtpark damals ab. Die Stadt muss von den rund 55 000 Euro Kosten nur 20 000 Euro beisteuern. Der Rest wird über einen Zuschuss aus dem Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum abgedeckt.

Jugendliche sollen Anlage selbst betreuen und warten

Der Bewilligungsbescheid liegt vor, ebenso die Baugenehmigung. Der Auftrag an den Dirtpark-Bauer ist erteilt. Die Firma aus Warstein ist allerdings noch ausgebucht. Deshalb rücken die Baumaschinen erst im Frühjahr 2022 an. Ein genauer Termin „hängt von der Wetterlage ab: Es darf nicht zu trocken sein, aber auch nicht zu nass“, erklärt Nickel.

Die Bauarbeiten dauern eine Woche. Aus reichlich Erde wird ein etwa fünf Meter hoher Starthügel mit drei Ebenen und einer Rampe für die Auf- und Abfahrt geformt. Drei sogenannte Dirtlines mit mehreren Sprüngen und verschiedenen Schwierigkeitsstufen stehen den Radsportlern künftig zur Verfügung.

„Die erste Strecke kannst du noch überfahren, auf der zweiten hebt man schon ab und auf der dritten bekommst du richtig Airtime – also genügend Zeit, um Figuren in der Luft zu machen“, erklärt Nickel.

Auch ein Pumptrack gehört zur Anlage. Diesen mit Wellen und Kurven ausgestatteten Abschnitt sollen die Biker möglichst ohne Pedaleinsatz überwinden. Derzeit wird noch geprüft, ob sich auch ein zusätzlicher Tricksprung realisieren lässt. „Dieser würde die Anlage wesentlich aufwerten“, betont der Stadtjugendpfleger. Das Geld dafür wäre vorhanden, da sich bei der Beschaffung der Erde wohl Einsparungen ergeben.

Bevor die Kostenansätze auf dem Papier verschoben werden, muss aber noch der Landkreis sein Okay geben. „An der Gesamtsumme ändert sich nichts“, erklärt Kremer.

Ist der Dirtpark-Bauer mit seiner Arbeit fertig, muss der Parcours zwei Wochen lang ruhen. Dann sind die ersten Fahrten und Sprünge möglich. Dies wird irgendwann zwischen April und Juni sein. Über den Winter wird die Anlage geschlossen – weil dann der Boden zu weich und instabil ist. Angedacht ist, die Bahnen mit Planen abzudecken.

Die Anlage soll künftig wie ein selbstverwalteter Jugendclub betrieben werden. Das heißt: „Die Jugendlichen, die dort regelmäßig biken, sollen sie auch in Ordnung halten“, sagt Nickel. Der Stadtjugendpfleger sucht deshalb Jugendliche und Erwachsene, die Lust haben, den Dirtpark zu betreuen und auch weiterzuentwickeln. Einige Freiwillige stehen laut Nickel dafür bereits in den Startlöchern.

Nach starken Regenfällen ist besonders im ersten Jahr Initiative gefragt, um entstandene Rinnen zu beseitigen und die Fahrbahnen gut nutzbar zu halten. Das dafür erforderliche Arbeitswerkzeug wird in einem Container im Dirtpark gelagert. Das Betreuerteam soll zwei Sprecher wählen, die dann auch die Schlüssel erhalten. „Ideal wäre es, wenn sich mittelfristig ein Verein bilden würde“, sagt Nickel.

Gesucht wird außerdem ein Name für den Dirtpark. In Günterod heißt eine ähnliche Anlage „Pump ’n’ Jump Track“, in Marburg gibt es die „Fliegerwiese“. „Wir starten einen kleinen Wettbewerb, um die Jugendlichen so langsam heiß zu machen, damit sie dann auch bereitstehen und Verantwortung übernehmen“, sagt der Stadtjugendpfleger. „Der Dirtpark wird bestimmt gut angenommen“, ist Bürgermeister Kremer überzeugt.

Bis zum 15. November können Namensvorschläge per E-Mail an k.nickel@gladenbach .de oder per Whatsapp an 01 51 56 96 44 30 geschickt werden. Der ausgewählte Gewinner bekommt einen Preis.

Von Michael Tietz