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Hinterland Busbahnhof Biedenkopf wird teurer als gedacht
Landkreis Hinterland Busbahnhof Biedenkopf wird teurer als gedacht
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18:32 16.06.2022
Spatenstich für die neue Park-and-ride-Anlage am Biedenkopfer Bahnhof mit den Biedenkopfer Kommunalpolitikern Ernst Möschet (von links), Heinz Olbert und Siegfried Engelbach, ­Vize-Landrat Marian Zachow, Bürgermeister ­Joachim Thiemig, Bauunternehmer Christoph Scheld und Kommunalpolitiker Uwe Plack.
Spatenstich für die neue Park-and-ride-Anlage am Biedenkopfer Bahnhof mit den Biedenkopfer Kommunalpolitikern Ernst Möschet (von links), Heinz Olbert und Siegfried Engelbach, ­Vize-Landrat Marian Zachow, Bürgermeister ­Joachim Thiemig, Bauunternehmer Christoph Scheld und Kommunalpolitiker Uwe Plack. Quelle: Susan Abbe
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Biedenkopf

Nach Jahren der Planung kann die Stadt endlich mit dem Bau ihrer neuen Park-and-ride-Anlage loslegen. Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) hat zusammen mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow (CDU) und Biedenkopfer Politikern den ersten Spatenstich für das Projekt ausgeführt. In etwa einem Jahr soll die neue Anlage mit Busbahnhof und großem Parkplatz fertig sein. Die Kosten liegen bei 2,25 Millionen Euro.

Direkt neben dem Bahnhofsempfangsgebäude – dort, wo früher der alte Güterschuppen stand – soll ein neuer Busbahnhof entstehen, mit zwei Busbuchten und Wartehallen. Die Buchten sollen schräg angelegt werden, damit die Busse genug Platz haben, um in die Straße „Am Bahnhof“ Richtung Hospitalstraße auszufahren.

In Richtung Frauental ist ein großer neuer Parkplatz mit knapp 70 Pkw-Stellplätzen geplant. Zudem sollen dort zwei Fahrradhallen für 28 Räder, überdachte Motorradstellplätze, Ladestationen für E-Autos und E-Bikes entstehen. Der Parkplatz wird auf dem bisher ungenutzten Streifen zwischen den Gleisen und der Straße „Am Auweg“ gebaut. Ein Fußweg wird den Parkplatz mit Busbahnhof und Bahnhof verbinden.

Verschiedene Verkehrsarten

Ziel sei es, die verschiedenen Verkehrsarten am Bahnhof zusammenzuführen, sagt Bürgermeister Thiemig. Es gehe darum, deutliche Verbesserungen für die Zug- und Busfahrgäste und den Radverkehr zu erreichen und so den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen. Zugleich würden dringend benötigte Parkplätze für die Innenstadt entstehen. Und: „Der Bahnhof ist die erste Visitenkarte, wenn Menschen zu uns kommen“, sagt Thiemig. Die Bauzeit solle bei einem Jahr liegen. Die Baukosten sind zuletzt im Zuge der Preisexplosion in der Baubranche noch einmal deutlich gestiegen. Ursprünglich hatte die Stadt mit 1,7 Millionen Euro gerechnet. Vor einigen Monaten war von 1,9 Millionen Euro die Rede. Jetzt werden 2,25 Millionen Euro erwartet. Inklusive Planung und Grundstück liegen die Gesamtkosten für das Projekt nun bei rund 2,7 Millionen Euro, so der Bürgermeister.

Thiemig berichtet von einer Schrecksekunde. Denn so viel Geld stand im städtischen Haushalt gar nicht für das Projekt zur Verfügung. Alle Fraktionen hätten dann aber kurzfristig in Aussicht gestellt, diese höheren Kosten mitzutragen. Das zeige, dass die Anlage in Biedenkopf von allen Seiten gewollt sei. Das Land bezuschusst den Neubau mit 1,5 Millionen Euro. Angesichts der gestiegenen Kosten habe die Stadt nun weitere Fördermittel beantragt, sagt Thiemig.

Der Bürgermeister erinnert auch daran, dass die Finanzierung nicht die einzige Hürde gewesen sei: Seit mehr als zwölf Jahren arbeite die Stadt auf den Bau des neuen Busbahnhofs hin. Allein der Erwerb der Grundstücke, die sich im Besitz der Bahn befanden, habe die Stadt Jahre gekostet. Auch das Verfahren, um eine Abrissgenehmigung für den denkmalgeschützten Güterschuppen zu erhalten, sei langwierig gewesen. Der Landkreis habe dazu viel beigetragen, so Thiemig.

Mehrere Jahre habe auch die Bauleitplanung – inklusive Umsiedlung der geschützten Zauneidechse – gedauert. Und nicht zuletzt habe es Zeit gekostet, die dringend benötigten Fördermittel einzuwerben, unter anderem durch sich ändernde Förderrichtlinien.

Wichtig für Entwicklung

Vize-Landrat Marian Zachow erklärte: „Die Park-and-ride-Anlage ist wichtig für die Verkehrsentwicklung – nicht nur der Stadt, sondern auch der Region.“ Biedenkopf entwickle sich zunehmend zum Verkehrsknotenpunkt. Wichtig sei dabei aber auch: Der ÖPNV müsse „gut, attraktiv und barrierefrei“ sein, um mehr Fahrgäste zu gewinnen, so Zachow.

Bei aller Freude über den Baustart – einige kritische Worte kann Bürgermeister Thiemig sich beim Spatenstich nicht verkneifen. Mit Blick darauf, wie langwierig die vorgeschriebenen Planungsverfahren für Projekte dieser Art sind, sagt Thiemig: „Dass das so lange dauert, das ist kein gutes Zeichen für Deutschland. Während andere Länder ganze Städte aus dem Boden stampfen, beschäftigen wir uns mit Genehmigungs-, Planungs- und Förderprozessen.“ Deutschland müsse hier schneller werden, sonst laufe es der Entwicklung hinterher.

Von Susan Abbe