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Hinterland Sorry, kein Empfang!
Landkreis Hinterland Sorry, kein Empfang!
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18:58 13.02.2021
Ein Mann auf der Suche nach Handy-Empfang. In Schlierbach und Hartenrod ist das mobile Internet ganz schwach.
Ein Mann auf der Suche nach Handy-Empfang. In Schlierbach und Hartenrod ist das mobile Internet ganz schwach. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Bad Endbach

Schlierbach und Teile Hartenrods, inklusive der Ortsmitte, waren schon bislang nicht mit einer guten Mobilfunkversorgung verwöhnt. Nachdem nun auch noch der einzige Sender in Hartenrod für den Mobilfunkstandards 3G zum Jahreswechsel abgeschaltet wurde, ist eine mobile Internetnutzung in den betroffenen Bad Endbacher Teilorten praktisch nicht mehr möglich, berichtet Michael Debus aus Schlierbach.

Der 3G-Sender wurde von O2 betrieben. Die Konkurrenz, von Telekom und Vodafone, bietet in diesem Gebiet nur den Standard 2G an. „Damit können Sie mit dem Smartphone hier im Grunde nur telefonieren, vielleicht noch eine WhatsApp verschicken“, kritisiert Debus. Jetzt sende auch O2 nur noch 2G.

Auf Anfrage bestätigte die Pressestelle von Telefónica Germany, zu der O2 gehört, dass der 3G-Sender in der Gemeinde Bad Endbach aufgrund seines Alters deaktiviert worden sei. Bei der Anlage handelt es sich um einen alten E-Plus-Sender. „Vor Ort sollen jedoch alsbald Modernisierungsarbeiten im Zuge des weiteren 4G/LTE-Ausbaus vorgenommen werden“, kündigt Telefónica an. Zu einem Zeitplan „liegen uns aktuell jedoch keine konkreten Termine vor“, macht der Mobilfunkanbieter wenig Hoffnung auf schnelle Besserung der Lage. „Wir bitten daher um Verständnis, dass wir Ihnen zurzeit leider keine verbindlichen Angaben für einen Aufbau vor Ort machen können“, heißt es seitens des Anbieters.

3G gilt als Auslaufmodell. Alle Mobilfunkanbieter bauten ihre 3G-Sender ab, führt Debus aus. Vodafone und Telekom planten dies bis zum 30. Juni abzuschließen, bei O2 ziehe sich der Prozess wohl bis Jahresende hin.

Debus hält Aufwand für ­Aufrüstung für relativ gering

Was den O2-Kunden in Schlierbach und Hartenrod aber nicht weiterhilft. Viele Schlierbacher und Hartenroder Bürger hätten sich für O2 als Anbieter entschieden, weil er sie mit 3G versorgt habe, sagt Debus.

Damit hatte sich O2 einen Marktvorteil gegenüber den Mitbewerbern Telekom und Vodafone verschafft. Diese Kunden seien jetzt enttäuscht, dass ihnen plötzlich weniger geboten und sogar etwas genommen werde. Der Schlierbacher, der beruflich in der Kommunikationssparte tätig ist, schätzt den Aufwand für Telefónica Germany, den O2-Sender auf 4G- und damit LTE-Niveau aufzurüsten, als relativ gering ein. Das könnte aus seiner Sicht in einem Tag passieren.

„Leider“ befänden sich Hartenrod und Schlierbach nicht in unmittelbarer Nähe zu einer Zugstrecke oder Bundesstraße, bedauert Debus. In diesen Bereichen habe O2 nachgerüstet, nachdem die Bundesnetzagentur Druck gemacht habe.

Die Mitbewerber sind in den Startlöchern, ihren Kunden 4G/LTE anzubieten. Die Deutsche Funkturm GmbH, eine Telekom-Tochter, plant, am Hochbehälter Schlierbach einen 30 Meter hohen Mobilfunkmasten zu installieren.

Darüber wurde im Herbst 2020 für eine Dauer von 15 Jahren ein Pachtvertrag mit der Gemeinde Bad Endbach geschlossen. Die Kommune ist Eigentümerin des Grundstücks. Von dort aus will die Telekom 4G/LTE anbieten, sodass Hartenrod und Bad Endbach in der Mobilfunkversorgung im Landkreis Marburg-Biedenkopf, wo sie zu den Schlusslichtern zählen, aufholen könnten. Vodafone will diesen neuen Mast dann ebenfalls nutzen, um auf 4G hochzurüsten.

In Schlierbach war in diesem Zusammenhang im Herbst allerdings von einigen Bürgern die Sorge geäußert worden, dass am Hochbehälter danach auch bald der Standard 5G installiert werden könnte. Denn über die Auswirkungen der Strahlenbelastung gibt es unterschiedliche Auffassungen. Seitens der Deutschen Funkturm wurde bestätigt: „Der Mast ist auch geeignet, um zukünftig 5G-Dienste zu senden.“ Für die Genehmigung sei die Bundesnetzagentur die maßgebliche Instanz.

Wann der neue Funkmast für Telekom und Vodafone errichtet wird, steht noch nicht fest. Debus vermutet, dass dies erst 2022 der Fall sein könnte. Bei der Gemeinde Bad Endbach ist bislang noch kein Bauantrag der Deutschen Funkturm GmbH eingegangen, so Bürgermeister Julian Schweitzer (SPD) auf Nachfrage.

Telefónica Germany könnte also in Schlierbach und Hartenrod auch weiterhin als der Anbieter die Nase vorn haben, der das Bedürfnis seiner Kunden nach mobilem Internet als Erster erfüllt. Vorausgesetzt, Hartenrod und Schlierbach werden bei der Hochrüstung auf 4G/LTE von dem Telefónica-Konzern schnell bedient.

Von Regina Tauer