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Hinterland Kirschenkönigin Sophie Krämer: Bilanz nach drei Jahren Amtszeit
Landkreis Hinterland Kirschenkönigin Sophie Krämer: Bilanz nach drei Jahren Amtszeit
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14:00 21.06.2022
Die blühenden japanischen Zierkirschen in der Stresemannstraße im Marburger Südviertel begeisterten auch die Gladenbacher Kirschenkönigin Sophia Krämer.
Die blühenden japanischen Zierkirschen in der Stresemannstraße im Marburger Südviertel begeisterten auch die Gladenbacher Kirschenkönigin Sophia Krämer. Quelle: Foto: Uta Neumann
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Gladenbach

Aus dem royalen Leben verabschiedet sie sich am 1. Juli – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Dann krönt Kirschenkönigin Sophia Krämer ihre Nachfolgerin. Drei Jahre lang hat sie mit ihrem charmanten Auftreten bei diversen Anlässen für Gladenbach geworben.

Mit der Wahl zur Kirschenkönigin ging für Sophia Krämer am 5. Juli 2019 ein Kindheitstraum in Erfüllung. Damals ahnte noch niemand, dass sie dieses Amt deutlich länger als alle ihre 68 Vorgängerinnen ausüben wird.

Wegen der Corona-Pandemie fiel das Volksfest 2020 und 2021 aus. „Dieses Amt und der Kirschenmarkt liegen mir sehr am Herzen, deshalb habe ich gerne weitergemacht“, erinnert sich die 20-Jährige.

Ihre Leidenschaft für die königlichen Aufgaben zeigten sich bereits in den ersten Monaten nach ihrer Krönung. Neben den offiziellen Terminen der Stadt organisierte Sophia Krämer selbst eigene Auftritte, mit dem Ziel, das Amt und damit ihre Heimatstadt bekannter zu machen.

Deshalb schloss sie sich der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Königinnen an, warb auf deren Homepage für den Kirschenmarkt und erhielt prompt eine Einladung zur weltweit größten Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau. Während der Grünen Woche in Berlin nahm sie mit 170 anderen ehrenamtlichen Hoheiten am Neujahrsempfang der damaligen Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner teil. „Das war ein Highlight meiner Amtszeit, daran denke ich gerne zurück“, erzählt Sophia.

Als „eindrucksvoller Abend mit magischen Momenten“ bleibt ihr die Gladenbacher Tanzgala in Erinnerung. Neben der sportlichen Leistung der Paare begeisterte sie auch die Stimmung im Saal.

Wie wirkungsvoll selbst kleine Gesten sein können, erfuhr die Kirschenkönigin bei ihren eigenen Aktionen. Mit ihrem Freund Jakob Velte besuchte sie in der Adventszeit das Christliche Seniorenzentrum und das Pflegezentrum der Arbeiterwohlfahrt in Gladenbach und überraschte die Bewohner mit einigen Weihnachtsliedern. Im Jahr darauf ließ sie dort selbst gestaltete Grußkarten und Schoko-Weihnachtsmänner verteilen. „Ihre Augen haben gefunkelt“, berichtet Sophia über die Freude der Senioren. Auch besuchte die Kirschenkönigin ihren ehemaligen Kindergarten in Mornshausen und organisierte eine Märchenstunde.

Ein Auftritt auf internationalem Parkett rundet ihre Amtszeit nun ab. Auf Einladung des Gladenbacher Partnerschaftsvereins besuchte sie vor wenigen Tagen Monteux in Frankreich. „Auf die Fahrt in unsere Partnerstadt habe ich mich schon lange gefreut“, sagt Sophia.

„Die drei Jahre als Kirschenkönigin waren für mich eine tolle Erfahrung. In dieser Zeit habe ich viele nette Menschen kennengelernt und Kontakte zu heimischen Vereinen geknüpft. Aber vor allem konnte ich auch vielen Menschen eine Freude bereiten. Für mich war und ist dies noch immer etwas ganz Besonderes“, erzählt die 20-Jährige.

Was sie noch aus ihrer Amtszeit mitnimmt: Spontanität. Die musste die Kirschenkönigin des Öfteren beweisen. Wenn sie zum Beispiel erst wenige Minuten vor ihrem Auftritt erfuhr, dass sie eine Veranstaltung offiziell eröffnen und dazu auch noch eine kleine Rede halten sollte. Deshalb gibt Sophia Krämer den Verantwortlichen für das Stadtmarketing mit auf den Weg: „Dieses Amt bietet viele spannende, reizvolle Aufgaben, es könnte aber durchaus noch ein bisschen moderner gestaltet werden – ohne dass gleich sämtliche Traditionen verworfen werden.“ In die Terminplanung könnte die Kirschenkönigin zum Beispiel noch mehr eingebunden werden, auch um selbst Ideen für Auftritte vorbringen zu können.

Und: Die Stadt sollte das Amt stärker in den Blickpunkt rücken und zum Beispiel auch dafür werben, dass Vereine oder Gruppen die Kirschenkönigin für ihre Veranstaltungen oder Aktionen anfragen dürfen. „Ich hätte mich sehr gefreut, wenn ich noch mehr Einladungen bekommen hätte“, sagt Sophia. „Trotzdem hatte ich eine wunderschöne Zeit als Kirschenkönigin“, betont sie. In den zurückliegenden zwölf Monaten schränkte auch ihr Lehramtsstudium in Leipzig ihren Aktionsradius etwas ein. Aber selbst aus der Entfernung versuchte sie, noch einiges auf die Beine zu stellen. So schickte sie zum Start der letztjährigen Ferienpass-Aktion eine Videobotschaft an die Kinder in Gladenbach.

Ein herzliches Dankeschön spricht sie ihrer Familie für die „großartige Unterstützung“ während ihrer dreijährigen Amtszeit aus. „Ich habe eine tolle Managerin“, sagt Sophia Krämer mit einem Schmunzeln in Richtung ihrer Mutter.

Zwei wichtige Aufgaben erwarten die 20-Jährige beim am 30. Juni beginnenden Kirschenmarkt. Anschließend möchte sie den Trubel einfach nur genießen und mit Freunden endlich wieder durch die „Fressgasse“ bummeln. „Das habe ich in den vergangenen beiden Jahren wirklich vermisst. Seit ich klein bin, war ich immer dabei – der Kirschenmarkt war für mich immer ein Highlight.“

Ihre letzte Amtshandlung steht am Abend des 1. Juli an: Dann setzt Sophia Krämer ihrer Nachfolgerin im Festzelt die Krone auf. „Bei der Wahl gibt es keine Verlierer.“ Der Spaß sollte an diesem Abend im Vordergrund stehen, betont sie.

Einen Tipp hat sie für die neue Kirschenkönigin parat: Sie sollte immer sie selbst sein und keine Scheu haben, auch Termine außerhalb des traditionellen Programms wahrzunehmen und eigene Aktionen zu organisieren. „Dieses Amt wird mir fehlen. Aber es wird auch Zeit, dass eine andere junge Gladenbacherin diese Aufgaben übernimmt“, sagt Sophia Krämer.

Von Michael Tietz