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Hinterland „Selbstverständlich wird in Gladenbach kontrolliert“
Landkreis Hinterland „Selbstverständlich wird in Gladenbach kontrolliert“
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14:00 16.12.2021
Bei Bellersheim informiert ein Schild am Eingang bereits über die Zugangsbedingungen – und bei der Einlasskontrolle wechselt man sich ab. Auch Inhaberin Anke Bellersheim überprüft am Eingang die Dokumente der Kundschaft.
Bei Bellersheim informiert ein Schild am Eingang bereits über die Zugangsbedingungen – und bei der Einlasskontrolle wechselt man sich ab. Auch Inhaberin Anke Bellersheim überprüft am Eingang die Dokumente der Kundschaft. Quelle: Foto: Kaufhaus Bellersheim
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Gladenbach

Die Gladenbacher Geschäftsleute verwehren sich gegen den Eindruck, die 2G-Einlasskontrollen würden bei ihnen nicht sorgfältig vorgenommen. Hintergrund ist ein OP-Bericht, in dem ein Leser berichtete, er sei in gleich mehreren Geschäften nicht kontrolliert worden. Der Mann hatte eine Mail zu diesem Thema unter anderem an die OP und auch an Gladenbachs Bürgermeister Peter Kremer gesendet und dann noch ein langes Telefonat mit der OP-Redaktion geführt, in dem er die Vorwürfe bekräftigte.

Wenig später reagierte der Bürgermeister als Chef der Ordnungsbehörde per Mail auf die Vorwürfe: Bei den bisher durchgeführten Kontrollen des Ordnungsamtes habe sich gerade nicht der Eindruck des Beschwerdeführers bestätigt, dass es in Gladenbach unfair zugehe. „Weder in den Geschäften gab es Anlass zu Beanstandungen noch in den gastronomischen Betrieben“, so Kremer, der „im Großen und Ganzen sehr zufrieden“ mit dem Ergebnis sei. „Es wäre ja auch wirklich schade, wenn die Corona-Regeln nicht eingehalten würden und Gladenbach hier ein negatives Beispiel darstellen würde. Aber dem ist ja zum Glück nicht so“, steht für Kremer fest.

Seit dem Erscheinen des Berichts hätten „die Gladenbacher Kommunikationskanäle der Einzelhändler, die sich ungerecht behandelt fühlen“, geglüht, berichtet Stefan Hunkel vom Kaufhaus Bellersheim. „Natürlich werden auch in Gladenbach die Regeln überprüft“, so Hunkel – und die Formulierung des Beschwerdeführers, die Händler würden den Profit in den Vordergrund stellen, sei unerhört. Dort, wo ein Mitarbeiter für 2G-Überprüfungen dauerhaft an der Tür gebunden sei, entstünden diesem Unternehmen allein im Dezember rund 5 000 Euro Personalkosten, rechnet Hunkel vor. „Kaum ein Kunde kann sich zudem vorstellen, wie groß die Einbußen im Handel durch die Lockdowns, ausbleibende Kunden und weitere Abwanderungen in den Online-Handel sind.“ Nur durch zusätzliche Kredite blieben viele Firmen aktuell am Leben. Doch auch die müssten zurückgezahlt werden.

Grundsätzlich habe die hessische Landesregierung beschlossen, dass im Handel Kontrollen stattfinden sollen. „Wie diese Kontrollen zu erfolgen haben, blieb dabei weitgehend offen: Wer mit der Bahn fährt, weiß, dass er einen gültigen Fahrausweis benötigt. Als Fahrgast kann man aber nicht erwarten, immer und sofort kontrolliert zu werden“, so Hunkel. Der Handel sei zu Kontrollen bereit, denn: „Alles ist besser als ein erneuter Lockdown.“

Kunden bleiben in der Regel stehen

Anke Bellersheim, Inhaberin des Kaufhauses, verdeutlicht, dass im Eingangsbereich ein großes Schild darauf hinweise, dass nur geimpfte und genesene Kunden Zutritt haben – und in der Regel fände auch genau dort die persönliche Überprüfung der Dokumente statt.

„Unser Kerngeschäft sind und bleiben die Beratung und die Bedienung unserer Kunden, gerade jetzt vor Weihnachten. Wenn die Kontrollstelle kurzfristig nicht besetzt ist, übernehmen alle Mitarbeiterinnen diese Aufgabe, sobald ihnen ein neuer Kunde auffällt“, so die Kaufhaus-Chefin. „Die Kunden bleiben in der Regel direkt im Eingangsbereich stehen und warten auf die Überprüfung.“

Politik schiebt Verantwortung ab

Am Mittwoch habe ein Kunde nicht warten wollen, sei mitten ins Geschäft gelaufen und habe lautstark protestiert, er sei nicht sofort kontrolliert worden. Auch die Mitarbeiterin, die ihn habe überprüfen wollen, hätte ihn nicht beruhigen können – der Mann habe „tobend das Geschäft verlassen, rief aber später nochmal an. Gleichzeitig sendete er Mails an Behörden und die Presse“, so Anke Bellersheim. Grundsätzlich seien alle Kunden sehr verständnisvoll, begrüßten die Überprüfung meist. Nur selten müsse man potenzielle Kunden abweisen, weil der Impfstatus nicht passe. Selbst die würden die Situation verstehen. Nur eine Kundin sei mit den Worten „Hoffentlich geht ihr bald pleite“ aus dem Laden gestürmt.

Für die Händler steht fest: Die Politik habe ihre Verantwortung und Aufgabe an den Handel „abgeschoben“. Kunden seien teils verwirrt, weil sie in einem Geschäft überprüft würden, in anderen Geschäften nicht, weil dort die Kontrollen nicht notwendig seien – also in Geschäften des täglichen Bedarfs. „Wer bei diesem Wetter auf die Straße geht, wird sicherlich Schuhe und Kleidung als täglichen Bedarf definieren, genauso ist es mit Kochgeschirr oder Schreibwaren“, verdeutlicht Stefan Hunkel. Die Politik habe davon jedoch andere Vorstellungen. „Wir wollen nicht mehr Ausnahmen, wir möchten lieber klare Regeln für alle“, so Anke Bellersheim. Und an den anonymen Beobachter richtet sie noch eine Einladung: „Der Gladenbacher Gewerbeverein und seine Mitglieder sind gerne zum Dialog bereit. Gerne auch zusammen mit der Presse.“

Von Andreas Schmidt