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Hinterland Seelbacher Ziegenkäse top in Deutschland
Landkreis Hinterland Seelbacher Ziegenkäse top in Deutschland
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00:16 13.06.2019
Claudia Smolka führt ihre wichtigsten Mitarbeiter auf die Weide. Quelle: Andreas Schmidt
Seelbach

Es scheint, als hätte die kleine Ziegenkäserei von Claudia Smolka und Manuel Schwenzfeier ein Abonnement auf die Auszeichnungen der deutschen Käseprüfung abgeschlossen. Denn für ihre Produkte wurde der Betrieb nun schon zum dritten Mal in Folge ausgezeichnet.

„In diesem Jahr wurde die Aschepyramide, ein traditionell mit Pflanzenasche gereifter Ziegenkäse, mit dem goldenen Qualitätspreis und dem Publikumspreis ausgezeichnet, sodass dieser Käse es sogar unter die 25 besten Käse Deutschlands schaffte und zusätzlich das Prädikat „cum Laude“ erhielt“, sagt Claudia Smolka.

Um die Auszeichnung zu erhalten, müssen die Käse zunächst das Urteil der Verbraucher bei einer Publikumsprüfung bestehen. Gleichzeitig werden die Käse von einer mit hochkarätigen Experten besetzten Fachjury unter die Lupe genommen – und dann entsprechend ausgezeichnet. „Uns freut es besonders, dass unsere regionalen Spezialitäten aus kleinbäuerlicher Landwirtschaft sich auch mit den Produkten renommierter Käsereien aus ganz Deutschland messen können“, sagt Smolka. 

Möglichst naturnah und im biologischen Kreislauf

Was zeichnet den Käse aus Seelbach aus? „Wir machen ihn aus Rohmilch, die nach dem Melken noch warm und direkt schonend komplett in Handarbeit verarbeitet wird“, erzählt Smolka. Überhaupt sei das ganz wichtig: Alles möglichst naturnah und im biologischen Kreislauf, ohne chemische Zusätze, „wir setzen nur Naturlab, Salz und lebendige Kulturen ein“, erläutert die Diplom-Agraringenieurin.

Der Betrieb ist dem Verband Bioland angeschlossen. Neben der Milchziegenhaltung und Hofkäserei züchten und mästen Smolka und Schwenzfeier Schweine, bauen Kartoffeln und Gemüse an, haben mittlerweile sogar einige Kühe. Und die Ziegen beweiden auch ein etwa zehn Hektar großes Naturschutzgebiet in Kehna, „das passt gut zu uns“, findet Claudia Smolka.

Doch warum Ziegen? „Ich habe immer wieder in Betrieben gearbeitet, in denen es Ziegen gab – es sind ganz spezielle Tiere, mit denen ich gut klarkomme. Ich habe einfach einen Draht zu ihnen – anders, als bei Schafen“, sagt sie lachend. Vor allem während ihrer Tätigkeit bei einem „der bekanntesten Käsemacher Österreichs“ habe sie Ziegen kennen- und schätzen gelernt und schlussendlich von dort auch die ersten Ziegenlämmer mit nach Seelbach gebracht.

"Mit ganz viel Leidenschaft bei der Sache"

Aus dem Nichts habe man den – lediglich gepachteten – Hof aufgebaut. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich immens viel entwickelt: Wir haben jetzt gut 35 Hektar Land, über 100 Ziegen und melken 20.000 Liter Milch im Jahr“, freut sich Smolka. Den Käse verkaufen sie unter anderem auf dem Markt in der Frankfurter Straße in Marburg.

Aber auch in einigen Supermärkten oder kleineren Wiederverkäufern sei er zu haben – „Regionalität und Nachhaltigkeit spielen für uns eine große Rolle“. Entscheidend sei dem Paar mit seinen beiden Kindern, dass „nicht der Profit im Vordergrund steht“, wie Schwenzfeier sagt. „Klar, wir wollen hiervon leben“, sagt er mit einer ausschweifenden Handbewegung über den Hof, „aber wir haben angefangen, weil wir Bock drauf hatten. Und nun sind wir mit ganz viel Leidenschaft bei der Sache.“

Dass der Ziegenkäse aus Seelbach immer wieder Preise gewinnt, „das ist schon ein toller Ansporn“, sagt Claudia Smolka. Zudem sei die Prüfung auch „neben den Produktkontrollen im Labor auch einfach eine Qualitätskontrolle, denn dort sitzen Experten und das Publikum, die den Käse verkosten – beides ist total wichtig“.

von Andreas Schmidt