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Hinterland Schilder mit Hausnamen sind gefragt
Landkreis Hinterland Schilder mit Hausnamen sind gefragt
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11:00 05.06.2019
Gabi Kuhne vom Günteroder Dorfverein wirbt im Vorfeld der 725-Jahr-Feier für die Anbringung von Hausnamens-Schildern. Quelle: Helga Peter
Günterod

Die Vorbereitungen für das Jubiläumsfest gehen in die Endphase. Nun gerät auch die vom Dorfverein bereits im vergangenen Jahr angestoßene Aktion der Hausnamens-Schilder wieder in den Blickpunkt. Von dieser Idee des Heimatvereins Gönnern zeigte sich der Dorfverein seinerzeit begeistert. Er möchte auch für Günterod ­eine Belebung der historischen Hausnamen erreichen.

Etwa 25 Bürger haben mittlerweile eine solche Tafel in Auftrag gegeben. Der Aufdruck des Hausnamens erfolgt in weißer, altdeutscher Schrift auf blauem Grund. Zu den ersten Bestellern zählte Klaus Müller, der sein Elternhaus mit der Aufschrift „Henne Headdegajesch“ ebenso schmücken will wie Dirk Bickel das von seinem Großvater „Premersch Ewald“ erbaute Haus.

In Günterod tragen die älteren Wohnhäuser die umgangssprachlichen Vornamen der damaligen Erbauer und Eigentümer. Dies trifft auch für den Fall der drei Brüder Bastian zu, die – wie Hobbyhistoriker Ernst Müller wusste – aus dem Vogelsberg stammen und sich um das Jahr 1800 herum in der Dorfstraße in unmittelbarer Nachbarschaft ihre Häuser bauten. Dabei handelt es sich um „Liwwigs“ (Ludwig Bastian), „Hannesses (Johannes Bastian) und „Hainkobs“ (Johann Jakob Bastian). Über Generationen hinweg wechselte der Familienname bis auf „Liwwigs“ in den Häusern vielfach. Zu den älte­ren Bauwerken zählen auch „Oarms“ und „Fritze“.
Flurbezeichnungen bilden ebenfalls die Grundlage für Hausnamen. Dies ist bei „Langwessches“ (Langwiese) und zur Unterscheidung abgewandelt bei „Henne Langwessches“ der Fall. Zu dieser Art der Hausnamen zählen auch „Sindwesse“ (Sündwiese), „Legge“ (Lücke) und „Huierbenches“.

Boanhoobs und Dreihause fallen aus dem Rahmen

Häuser, die im vergangenen Jahrhundert errichtet wurden, tragen den Nachnamen des Erbauers – wie „Heusersch“, ­„Peifersch“, „Burks“, „Brücks“, „Thomasse“, „Arnolds“ und „Heinze“. Dazu zählen auch die Häuser der Heimatvertriebenen in der Siedlung „Am Heiligenberg“. Ausgenommen davon sind wieder in diesem Distrikt „Boanhoobs“ und die drei Häuser an der Landesstraße nach Bad Endbach, die mit „Dreihause“ ihren eigenen Namen aufweisen.

„Mellschefesch“ und „Mett-schefesch“ deuten auf den Beruf des Schäfers hin. Die ­Hausnamen „Schmitts“, „Schustersch“, „Weißbennesch“, „Schernschdefaiersch“ beziehen sich ebenfalls wie „Schomeschdesch“ auf Berufe. Mit „Kennfräs“ und „Ammes“ schlug sich sogar die Hebammentätigkeit im Hausnamen nieder, wobei Frauen-Hausnamen in Günterod eher rar und noch bei ­„Elses“ zu vermuten sind.

Bei mehrfachem Auftreten­ eines bestimmten Familiennamens wurde diesem zur ­Unterscheidung die ganz bestimmte Lage des Hauses angehängt – so bei „Benders beim Bagges“ (Backhaus) und „Benders ohm Masseller (Maßholder). Bei „Gemoisbendersch“ weist der Hausname wiederum auf den Beruf des Gemüsehändlers Bender hin. In die Reihe der Familie Bender sind auch „Kormanns“ (Kornmann) einzuordnen, deren Nachkomme Dennis Brückner sich schon ein Hausnamensschild gesichert hat.

Erste Schilder mit Wunsch-Hausnamen

Eine Zusammensetzung zweier Hausnamen sind bei „Bächtehandingels“ und „Bächteburks“ zur Unterscheidung der verzweigten Familie Müller („Bächte“) zu finden. Bei „Handingels“ kommt wiederum die Abkürzung der beiden Vornamen ­Johann Daniel zum Tragen.

Gabi Kuhne vom Dorfverein – sie wohnt im Haus „Heeze en de hinnerschde Hewe“ (Lagebezeichnung „in den hintersten Höfen“) – verwies zudem darauf, dass es erste Schilder mit Wunsch-Hausnamen gebe: ­eines bei „Karls“ und auch bei Anette Markus als „Däi foom Berg“.

von Helga Peter