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Hinterland Schaustellern kommt Absage zu früh
Landkreis Hinterland Schaustellern kommt Absage zu früh
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09:58 11.02.2021
Betreiber von Fahrgeschäften auf dem Kirschenmarkt kritisieren die Absage der Veranstaltung .
Betreiber von Fahrgeschäften auf dem Kirschenmarkt kritisieren die Absage der Veranstaltung . Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
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Gladenbach

Am Dienstag überraschte Bürgermeister Peter Kremer die Öffentlichkeit mit einem Beschluss des Magistrates, den das Gremium der Stadt Gladenbach am Abend zuvor traf. Es war die Absage des Kirschenmarktes 2021 und die kommt für die Beschicker des größten Volksfestes der Region zwar nicht überraschend, aber dennoch überraschend früh.

„Man hätte noch ein wenig warten können“, findet nicht nur der heimische Schausteller Herbert Kreuser. Der Generalpächter des Kirschenmarktes Konrad Ruppert spricht gar im Zusammenhang mit der Absage von „viel zu früh“. Man solle sich mal vorstellen, dass Anfang Juli aufgrund der Entwicklung an der Virus-Front alles wieder möglich sei, nur der Kirschenmarkt findet nicht statt. Andere Veranstalter seien nicht so vorschnell, meint Ruppert, der auch der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Kassel/Göttingen ist, und nennt ein Beispiel: Die Trinitatiskirmes finde früher als der Kirschenmarkt statt, die Entscheidung über eine Absage sei aber erst an Ostern vorgesehen. Und schließlich entscheide die Bundesregierung doch auch von Woche zu Woche, wie es mit den Corona-Maßnahmen weitergehe.

Laut Ruppert sind die Schausteller „gebeutelt ohne Ende“, haben seit Januar 2020 „praktisch keine Einnahmen mehr“. Er honoriert die Bemühungen der Städte und Kommunen, die, wie jetzt die Stadt Gladenbach, die Schausteller unterstützen. So habe zum Beispiel auch die Stadt Kassel sechs Stellplätze für Verkaufsstände „in hervorragender Lage“ ermöglicht, diese seien für 16 Schaustellerfamilien aber auch einfach zu wenig.

Einen Verkaufsstand durfte auch Herbert Kreuser im Biedenkopfer Gewerbegebiet betreiben. „Das lief ein bisschen“, erklärt der Diedenshäuser nüchtern, aber seit Beginn des zweiten Lockdowns sei der Imbiss geschlossen, diese geringe Einnahmequelle wieder versiegt. Kein Wunder also, dass auch Herbert Kreuser die Lage seines Familienbetriebs als „sehr ernst“ bezeichnet.

Gremium prüft Alternativen

Da dem Gladenbacher Magistrat die ernste Lage vieler Schausteller bewusst ist, beauftragte das Gremium die Verwaltung, Schaustellern auf Anfrage städtische Flächen zur Verfügung zu stellen, auf denen sie unter Berücksichtigung der AHA-Regeln ihre Waren anbieten können, ohne lokalen Betrieben Konkurrenz zu machen. Dies beschloss der Magistrat neben der Absage des Kirschenmarktes 2021 ebenfalls am Montagabend. Das größte Volksfest der Region fällt nun das zweite Jahr in Folge aus. Die Gründe für die Absage sind hauptsächlich die ungewisse Entwicklung der Pandemie angesichts der Mutationen sowie der Gefahr, das Volksfest im Juli mit mehr als hunderttausend Besuchern zum Hotspot zu machen, da ein Großteil der Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt noch nicht geimpft sein wird.

Von Gianfranco Fain