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Hinterland Parkhotel schließt zum Jahresende
Landkreis Hinterland Parkhotel schließt zum Jahresende
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17:52 26.10.2020
Die Sanierung von Parkhotel und Bürgerhaus würde 16 Millionen Euro kosten. Quelle: Susan Abbe
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Biedenkopf

Das Parkhotel Biedenkopf schließt. Die Parkhotel Biedenkopf GmbH, die bisher das Hotel und auch das Bürgerhaus bewirtschaftet, stellt zum Jahresende den Betrieb ein. Zugleich teilt die Stadt Biedenkopf mit, dass die Sanierung des maroden Gebäudekomplexes 16 Millionen Euro kosten würde. Und: Die Stadt will endlich die komplizierte Eigentümer-Struktur auflösen. Dazu zahlt sie die Miteigentümerin, nämlich die Parkhotel Biedenkopf GmbH, mit 1,25 Millionen Euro aus.

Dass der sanierungsbedürftige Gebäudekomplex Millionen verschlingen wird, ist lange absehbar. Das große Problem dabei: Die Stadt ist bei ihren Handlungen an die Parkhotel Biedenkopf GmbH gekettet. Denn sie ist nur Eigentümerin von Bürgerhaus und „Haus des Gastes“. Zu Letzterem gehören der Empfangsbereich des Hotels, das Schwimmbad und ein Teil der Gästezimmer. Ein nachträglich angebauter Hotelzimmer-Trakt gehört der Parkhotel Biedenkopf GmbH. Zugleich hat die Parkhotel Biedenkopf GmbH die beiden anderen Gebäudeteile gepachtet. Sie bewirtschaftet Hotel und Bürgerhaus. Laufzeit der Verträge: bis 2043.

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Alle Gebäudeteile sind miteinander verzahnt. Keiner der beiden Eigentümer ist ohne Zustimmung des anderen handlungsfähig. Und die Parkhotel Biedenkopf GmbH hat als Pächterin Anspruch darauf, dass die Stadt die für den Hotelbetrieb nötigen Sanierungen erledigt – etwa im seit Monaten aus Sicherheitsgründen gesperrten Schwimmbad.

Eine mögliche Auflösung der schwierigen Besitzverhältnisse war vor einigen Jahren im Gespräch.

Vorzeitige Übergabe an Geschäftsführer scheiterte

Arne Mundt, Geschäftsführer der Parkhotel Biedenkopf GmbH, bot damals an, der Stadt den ganzen Gebäudekomplex abzunehmen – wenn Biedenkopf dafür 2,15 Millionen Euro zahlt. Er verwies darauf, dass die Stadt sonst laut eines Gutachtens auf rund 7,5 Millionen Euro für Sanierungen und Betriebskostenzuschüsse sitzen bleibe.

Das Biedenkopfer Parlament tat sich schwer mit der Entscheidung. Arne Mundt nahm den Biedenkopfern die Entscheidung dann ab: Er zog sein Kaufangebot zurück. Heute mag er sich dazu gratulieren. Zum einen, weil der Hotelbetrieb unter der Corona-Krise leidet. Zum anderen, weil der Stadt inzwischen ein Gutachten vorliegt, das zeigt, dass die Sanierung mit 16 Millionen Euro noch viel teurer würde als bisher bekannt.

Informiert hat die Stadt Biedenkopf über dieses neue Gutachten indes erst auf Anfrage der Presse. In einer gemeinsamen Pressemitteilung erklären Stadt und Parkhotel Biedenkopf GmbH nun ausführlich die Situation im Parkhotel/Bürgerhaus. Sinngemäß teilen sie mit, dass infolge der Corona-Krise kaum noch Geschäftsreisen stattfinden würden und deshalb „die Beherbergungszahlen in diesem wichtigen Segment drastisch eingebrochen“ seien. Die Hotelbranche gehe davon aus, dass dieser Effekt von Dauer sein wird.

Verluste lassen sich nicht kompensieren

Um die Verluste zu kompensieren, seien deutlich mehr Buchungen von Privatleuten nötig. Für diese Zielgruppe, die auf „Aspekte wie Wellness und Spa“ setze, fehlten im Parkhotel indes die Voraussetzungen. Erforderlich wären Investitionen, „um insbesondere das Schwimmbad mit den angrenzenden Räumlichkeiten den heutigen Erwartungen an einen modernen Wellnessbereich anzupassen“. Für die Parkhotel Biedenkopf GmbH als Pächterin seien diese Investitionen indes „nicht darstellbar“.

Ein vor einiger Zeit von der Stadt mit einer Bestandsaufnahme beauftragter Architekt kam zum Schluss, „dass der in 1969/1970 errichtete Baukörper des Bürgerhauses in weiten Teilen das Ende seiner baulichen Lebensdauer erreicht hat und den gewandelten Anforderungen und Vorschriften in weiten Teilen nicht mehr genügt.“

Basis-Sanierung kostet 16 Millionen Euro

Nötig wären jahrelange Sanierungsarbeiten mit Kosten von um die 16 Millionen Euro brutto – nur, um eine Betriebsfähigkeit herzustellen, die dem heutigen Standard aber nicht genüge. Da diese Arbeiten auch den Hotelbetrieb beeinträchtigen würden, kämen auf die Stadt zusätzliche Schadensersatzansprüche zu.

Unter dem Strich kommen Stadt und Parkhotel Biedenkopf GmbH zu der Einschätzung, dass „ein weiteres Festhalten an den an sich bis Ende des Jahres 2043 laufenden Verträgen für beide Seiten praktisch nicht möglich ist“. Die Partner verhandeln nun über die vorzeitige Aufhebung der Verträge.

Ob die Stadt diesen Weg weiter beschreitet, darüber wird am 29. Oktober das Parlament entscheiden – allerdings wohl in nichtöffentlicher Sitzung.

Stadt zahlt 1,25 Millionen Euro als Entschädigung

Immerhin nennen Stadt und Parkhotel Biedenkopf GmbH „Rahmendaten“, auf die sie sich verständigt hätten: Demnach sollen der Erbbaurechts- und der Pachtvertrag zwischen Stadt und Parkhotel Biedenkopf GmbH zum Ende 2020 vorzeitig aufgehoben werden. Durch das Erlöschen des Erbbaurechts würde das Eigentum am Hotelzimmertrakt an die Stadt gehen.

Im Gegenzug zahlt die Stadt 1,25 Millionen Euro als Wertentschädigung an die Parkhotel Biedenkopf GmbH. „Abgegolten seien damit auch alle Schadenersatzforderungen, die die Parkhotel Biedenkopf GmbH wohl wegen eingeschränkter Nutzungsmöglichkeiten angemeldet hatte.

Wenn alles so kommt, wie im Moment von den Beteiligten vereinbart, würde der Hotelbetrieb Ende 2020 eingestellt, heißt es. „Wie mit dem gesamten Bürgerhaus- und Hotelkomplex in der Folge verfahren wird, ist noch nicht entschieden“, so die Stadt.

von Susan Abbe