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Hinterland Der Charme von 1925
Landkreis Hinterland Der Charme von 1925
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16:00 03.12.2021
Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (links) und Kristopher Kuhn vom Fachdienst Gebäudemanagement zeigen eines der sanierten, fast hundert Jahre alten Holzfenster. Die vorderen Fensterflügel sind neu und dienen der besseren Isolierung.
Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (links) und Kristopher Kuhn vom Fachdienst Gebäudemanagement zeigen eines der sanierten, fast hundert Jahre alten Holzfenster. Die vorderen Fensterflügel sind neu und dienen der besseren Isolierung. Quelle: Foto: Mark Adel
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Biedenkopf

Fast glaubt man, Siegfried Sorge komme gleich durch die Tür. 1959 wurde er Landrat, der letzte des Kreises Biedenkopf. Man beneidet ihn, dass er in dem prächtigen Landratsamt residieren durfte, dass innen wie außen durchaus viele Anleihen ans 18. Jahrhundert nimmt.

Ganz so alt ist es nicht. Als das Landratsamt in Biedenkopf gebaut wurde, war der Erste Weltkrieg ein paar Jahre vorbei. Und als es erweitert wurde, gab es den Landkreis Marburg-Biedenkopf noch gar nicht. Nun wird der Komplex runderneuert. Es ist die umfassendste Sanierung seit Bestehen der verschiedenen Gebäude. Und deutlich sichtbar, denn der Altbau ist komplett eingerüstet. Die Arbeiten werden noch bis 2024 andauern. Der Landkreis investiert rund 3,95 Millionen Euro.

„Die Sanierung ist ein klares Bekenntnis zum Standort Biedenkopf“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU). Wie auch die Hauptstelle in Marburg sei die Biedenkopfer Außenstelle in den vergangenen Jahren gewachsen, „in Angebot und Personal“. Vor allem die Bereiche Integration und Arbeit – also das Kreisjobcenter – würden weiter gestärkt. Der Altbau wurde im November 1925 eröffnet, der Ostflügel 1964, der Nordflügel (mit Zulassungsstelle) 1967.

Fenster

Eigentlich sollten die Fenster des Altbaus ausgetauscht werden. Sie sind so alt wie das repräsentative Gebäude. „Aber dann haben wir festgestellt, dass sie eigentlich noch gut sind“, sagt Kristopher Kuhn vom Technischen Gebäudemanagement. Experten schlugen vor, die Fenster zu sanieren. Das sei wirtschaftlicher, und dass die originalen Holzfenster bleiben, freut auch den Denkmalschutz. Denn der älteste Teil des Landratsamts ist ein Kulturdenkmal und steht unter besonderer Beobachtung. „Es ist in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen“, sagt Zachow.

Die Fenster sind allerdings nicht nur alt, sondern lassen mit ihrer Einfachverglasung auch die Wärme aus dem Gebäude. „Wir haben fast unmittelbar aus dem Fenster geheizt“, berichtet Zachow. Deshalb wird jedes alte Fenster um ein neues Fenster auf der Innenseite ergänzt.

Brandschutz

Der Brandschutz ist neben den Fenstern der Hauptgrund der Sanierung. Es fehlt ein zusätzlicher Fluchtweg aus dem Altbau. Erster Plan: Eine Stahltreppe sollte an die der Straße zugewandten Giebelseite angesetzt werden. Doch hätte das die Optik des historischen Hauses erheblich beeinträchtigt. „Das wollten wir nicht“, sagt Gerrit Schönberger, Leiter des Fachdiensts Technisches Gebäudemanagement in der Kreisverwaltung. „In einem Altbau einen praktikablen Brandschutz hinzubekommen, ist schwierig und erhöht den Aufwand“, ergänzt Kuhn.

Bei der Suche nach Alternativen entstand die Idee, einen Zwischenbau mit Aufzug zu errichten. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen Altbau und Ostflügel und eine Verbindung zum Obergeschoss des Altbaus – darüber kann das Treppenhaus als Fluchtweg erreicht werden. Zudem wird eine neue Brandmeldeanlage installiert, die Alarm direkt an die Leitstelle meldet und über mehr Melder verfügt als die bisherige, einfachere Anlage. „Das war ein ausdrücklicher Wunsch von Landrätin Kirsten Fründt, Marian Zachow und dem Leiter des Fachbereichs Gefahrenabwehr, Lars Schäfer“, erklärt Schönberger. Gesetzlich vorgeschrieben ist das nicht. In Biedenkopf kam es im September 2018 zu einem Brandanschlag auf dem Parkplatz des Landratsamts. In der Folge soll der Brandschutz in den Verwaltungsstellen des Kreises verbessert werden.

Eingang

Der Haupteingang war bislang etwas versteckt. Er wird sich in dem neuen Zwischenbau befinden und wesentlich größer sein als bisher. „Wir wollen den Eingang repräsentativer machen“, sagt Kuhn. „Das ist eines der Herzstücke der Sanierung.“ Künftig laufen die Besucher dadurch direkt auf den Eingang zu. Im Bereich des bisherigen Foyers befindet sich künftig der Zugang zum Aufzug. Der Personaleingang wird ebenfalls barrierefrei.

Aufzug

Durch den Bau des Aufzugs sind künftig fast alle Bereiche barrierefrei erreichbar. Dazu entsteht dort, wo sich aktuell der Haupteingang befindet, ein neuer, verglaster Bau.

Umzug

Etwa die Hälfte der rund 100 Mitarbeiter der Biedenkopfer Verwaltungsstelle werden spätestens ab Februar auf zwei andere Gebäude verteilt. „Es war nicht ganz trivial, in Biedenkopf geeigneten Büroraum zu bekommen“, sagt Zachow. Das Kreisjobcenter zieht in die Hospitalstraße 51, die Bereiche Asyl und Haus der Bildung in den Mühlweg 16. Derzeit sind die Ämter aber noch im Landratsamt zu erreichen. Die anderen Mitarbeiter bleiben. Dazu zählt zum Beispiel die Zulassungsstelle. Für sie wäre ein Umzug zu aufwendig gewesen.

Dauer

Im Jahr 2024 sollen die Umbauarbeiten abgeschlossen sein. Gerrit Schönberger und Kristopher Kuhn rechnen damit, dass das klappt. Aber: „Gerade für Rohbau und Fenster ist die Angebotslage sehr dünn“, auf Ausschreibungen kämen oft nur wenige Antworten von Unternehmen. Das könnte den Termin verzögern. „Aber wir sind guter Dinge, weil wir mit vielen Firmen gut zusammengearbeitet haben.“

Von Mark Adel

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