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Hinterland Ausschuss: Sanierung ist ein Muss
Landkreis Hinterland Ausschuss: Sanierung ist ein Muss
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07:57 29.06.2020
Der Sozialausschuss hat für die grundhafte Sanierung des Freibads in Weidenhausen schon einmal grünes Licht gegeben. Die endgültige Entscheidung fällt jedoch erst am 2. Juli in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung. Quelle: Sascha Valentin
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Gladenbach

Das Freibad in Weidenhausen soll erhalten werden – auch für die kommenden Generationen. In ihrer jüngsten Sitzung haben die Mitglieder des Sozialausschusses den entsprechenden Grundsatzbeschluss von Ende 2019 erneuert.

Uneins sind sich die Fraktionen indes, wie der Erhalt des Bades bewerkstelligt werden soll. Eine Beschlussvorlage des Magistrats für die Stadtverordnetenversammlung am 2. Juli sieht nämlich lediglich jährliche Unterhaltungsinvestitionen in Höhe von rund 20.000 Euro vor.

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Das reiche jedoch nicht aus, um den langfristigen Erhalt des Freibads sicherzustellen, machte Stefan Düppers (SPD) in der Ausschusssitzung deutlich. Mehrere vorliegende Gutachten belegten, dass die jährlichen Ertüchtigungen nicht ausreichten, sondern eine grundhafte Sanierung nötig ist.

Erste Kostenschätzungen dafür belaufen sich auf rund 2,6 Millionen Euro netto, wobei die Stadt bereits Zuschüsse in Höhe von 790.000 Euro vom Land zugesagt bekommen hat und weitere 150.000 Euro vom Kreis erwartet. Der Eigenanteil der Stadt beliefe sich damit auf knapp 1,7 Millionen Euro.

Runzheimer sieht keinen Widerspruch

Stefan Runzheimer (CDU) äußerte Bauchschmerzen bei einer solchen Summe. Er sprach sich stattdessen dafür aus, eine Mängelliste für das Bad zu erstellen und diese sukzessive nach Dringlichkeit abzuarbeiten. Dabei wäre es auch möglich, in manchen Jahren auch einmal eine sechsstellige Summe zu investieren, wenn dies erforderlich sei, in anderen nur den fünfstelligen Betrag, wie er vom Magistrat vorgesehen sei.

Während Runzheimer in diesem Weg keinen Widerspruch zu dem Grundsatzbeschluss sieht, das Bad langfristig zu erhalten, sind Sozialdemokraten und Freie Wähler anderer Meinung. Das Bad sei an so vielen Stellen marode und kaputt, dass Flickarbeiten nichts brächten, sagte Helmut Brück (FW), der das Bad auch untersucht hatte.

Neue Technik spart laut Brück Kosten

Brück versuchte auch, das Argument Runzheimers zu entkräften, dass sich die Stadt durch eine grundhafte Sanierung, die dem CDU-Mann zufolge einem kleinen Neubau gleichkomme, zusätzliche Verpflichtungen ans Bein binde. Denn dann gelten nicht mehr die alten Auflagen von der Inbetriebnahme des Bades, sondern die neuen, wodurch der Stadt weitere Kosten entstünden, sagte Runzheimer.

Dem sei nicht so, sagte Brück. Zwar müssten neue Bestimmungen umgesetzt werden, aber durch die Erneuerung der Technik und Anlagen spare die Stadt letztlich sogar Unterhaltungs- und Betriebskosten. Stefan Düppers griff die Befürchtungen Runzheimers auf, durch eine Sanierung die Kontrolle über die Kosten zu verlieren.

Düppers verweist auf einmalige Gelegenheit

„Ich denke, dass es genau andersrum ist. Wenn wir jetzt sanieren, wissen wir, was auf uns zukommt und wir haben die nächsten Jahrzehnte Ruhe. Wenn wir aber immer nur ein bisschen flicken, können wir nicht sagen, wie sich die Substanz des Bades entwickelt und welche Überraschungen noch auf uns warten.“

Düppers verwies weiter darauf, dass jetzt die einmalige Gelegenheit bestehe, rund 94.000 Euro an Zuschüssen für die Sanierung zu bekommen: „Sollten wir jetzt ablehnen, weiß ich nicht, ob wir irgendwann noch einmal ein solches Angebot bekommen.“

Robby Jahnke und Harry Walther (beide SPD) sehen den Erhalt des Bades und die dafür nötige grundhafte Sanierung noch aus einem anderen Grund als unabdingbar.

Entscheidungskriterium für junge Familien

„Gerade jetzt, während Corona, ist doch deutlich geworden, wie wichtig eine umfassende und intakte Infrastruktur für die Menschen auf dem Land ist“, betonte Jahnke, und Walther ergänzte, dass ein solches Freibad durchaus ein Entscheidungskriterium für junge Familien darstelle, ob sie sich in der Stadt ansiedeln sollten oder nicht. „Wenn wir das Bad nicht erhalten, schaffen wir uns selbst ab“, sagte Jahnke.

Bei der Abstimmung über die Vorlage des Magistrats, wie bisher jährlich nur eine bestimmte Summe zu investieren, stimmte lediglich Runzheimer dafür. Fünf Ausschussmitglieder stimmten dagegen und einer enthielt sich seiner Stimme. Für eine grundhafte Sanierung stimmten hingegen vier der sieben anwesenden Abgeordneten. Einer stimmte dagegen und zwei enthielten sich.

Am Ende zeigte sich Düppers, der die Sitzung in Vertretung für Werner Rotter (Grüne) geleitet hatte, erleichtert darüber, dass letztlich alle Teilnehmer zu der Einsicht gekommen seien, das Bad erhalten zu müssen.

Von Sascha Valentin

26.06.2020
26.06.2020
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