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Hinterland Ritterschlag für Kirsten Geilhof
Landkreis Hinterland Ritterschlag für Kirsten Geilhof
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21:12 30.07.2019
Robert Kuypers vom Pferdesportverband Hessen übergab auf der Gladenbacher Reitanlage das goldene Reitabzeichen an Kirsten Geilhof im Beisein von Antje Michel, Vorsitzende der Pferdefreunde Gladenbach und Umgebung. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
Gladenbach

Mit sieben Jahren sitzt Kristen Geilhof zum ersten Mal auf einem Pony. Mit 56 Jahren hat sie als Amateurin 10 Siege in der höchsten Klasse in der Tasche. Beim Reitturnier in Gladenbach wird sie für ihre erfolgreiche Reiterei mit der höchsten Auszeichnung geadelt, die es im Reitsport gibt. Seit 2016 ist die Grundschullehrerin die zweite im Landkreis, die von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) mit dem goldenen Reitabzeichen geehrt wird. Sie und Nicola Pohl befinden sich auf Augenhöhe mit der Reit-Elite.

Ihr erstes Turnier absolviert Kirsten Geilhof 1972 mit 9 Jahren. Als Juniorin und Junge Reiterin starte sie im Hessischen E- beziehungsweise D-Kader und nimmt zweimal als Junge Reiterin für Hessen an Deutschen Meisterschaften teil.

Dr. Widdra trainiert seine Tochter seit Kindertagen

„Sie hat mit starken Konkurrenten im Wettkampf gelegen“, sagt ihr Vater Dr. Walter Widdra (85). Er trainiert sie seit den Kindertagen und vermittelt ihr etwas Grundlegendes: Das Pferd ist ein Partner. Widdras Begeisterung für die pferdegerechte Reitweise gibt er an seine Tochter weiter. „Sie ist eine hervorragende Reitpädagogin“, sagt er.

„Sie ist ehrlich, motivierend und fair. Sie scheut sich auch nicht, Kritik zu äußern“, bestätigt Reitschülerin Milena Bückendorf. Die 18-jährige Großseelheimerin reitet seit gut acht Jahren bei Kirsten Geilhof.

„Ich habe bis dahin nicht einmal gewusst, wie man ein Pferd durch‘s Genick reitet. Mittlerweile reite ich L-Dressur“, sagt sie. Ihren Erfolg und auch den fairen Umgang mit dem Pferd schreibt die 18-Jährige ihrer Reitlehrerin zu.  

So wie Milena Bückendorf und andere Reiter auch benötigt die erfolgsverwöhnte Kirsten Geilhof ebenfalls eine Rückmeldung, ob das Pferd optimal läuft oder ob etwas verfeinert werden muss.

Pferde nach exzellentem Stammbaum ausgewählt

„Die Grundlagen beherrscht sie, der Feinschliff muss jeden Tag wieder gemacht werden“, sagt ihr Vater. Das Markenzeichen seiner Tochter: Sie bildet Pferde von Anfang an aus und bringt sie bis zur schwersten Prüfung: Grand Prix. Ihre­ Pferde wählt sie nicht nach ­einem exzellenten Stammbaum aus. Alle neun Siege in der S-Dressur und der 4. Platz im Kurz-Grand-Prix erreicht sie mit Pferden von Züchtern aus dem Ebsdorfer Grund: „Wildfang“, „Axion“, „Rubin‘s Little­ Boy“. „Man muss nicht weit fahren, um ein gutes Pferd zu bekommen“, sagt sie. Ihr Nachwuchspferd „Amicellos Also-Dann“ ist selbst gezogen. Er startet achtjährig bereits in Prüfungen der Klasse S und wird derzeit zum Grand-Prix-Pferd ausgebildet.

Einen Liebling unter ihren Pferden hat Kirsten Geilhof nicht. Jedes sei auf seine Weise klasse. Über „Also-Dann“ sagt sie: „Er hat gute Qualitäten, ist aber ein Früchtchen“. Es kommt vor, dass mit ihm sprichwörtlich die Pferde durchgehen. „Dann buckelt er schon mal in einer Prüfung.“

Verein engagiert sich für schonenden Umgang

„Rubin‘s Little Boy“ ist hin und wieder so aufgeregt, dass bei ihm die Nerven blank liegen und das Paar eine Prüfung verpatzt. Sauer ist Kirsten Geilhof dann schon mal, aber das währt nie lange. Sie sieht den Pferden ihre Eigenheiten nach. Sie gehören für sie zur Familie. Bei der täglichen Arbeit mit ihnen profitiert Kirsten Geilhof von den Erkenntnissen ihres Vaters.

„Ein Reiter darf niemals das Pferd im Zorn bestrafen und er darf ihm nichts abverlangen, was es nicht kann“, sagt Widdra. Für die Reiterei seiner Tochter charakteristisch sei, dass sie von den Prinzipien der Ausbildungsgrundsätze des griechischen Philosophen Xenophon geprägt ist, sagt Widdra. Der reitsportbegeisterte Widdra promoviert 1959 mit „Xenophon – Reitkunst“. Diese Lehren begleiten ihn seitdem. 2006 gründet sich der Verein „Xenophon“, der sich für einen pferdefreundlichen, verständnisvollen und schonenden Umgang mit dem Pferd engagiert. Widdra sitzt unter anderem zusammen mit Olympiasieger Klaus Balkenhol im Aufsichtsrat.

Mit der Auszeichnung erhält Widdras Tochter die Bestätigung, dass dieser Weg im Reitsport zum Ziel führt. Es vergehen zwar gut fünf Jahrzehnte, aber in all den Jahren hat Kirsten Geilhof etwas Wesentliches verinnerlicht: Pferde sind Partner.

Reitabzeichen in Gold

Bei der Verleihung des Reitabzeichens in Gold werden Turniererfolge (Einzelerfolge) im In- und Ausland gewertet. Im Ausland jedoch nur bei ­internationalen Turnieren. Im Dressurreiten muss folgende­ Voraussetzung erfüllt sein: 10 Siege in Dressurprüfungen der Klasse S, darunter mindestens ein Sieg in Prüfungen mit ganzen Pirouetten. Je ein Sieg kann durch eine Platzierung an 2. bis 5. Stelle in einem Grand Prix oder Grand Prix Special ­ersetzt werden. Quelle: Wikipedia

von Silke Pfeifer-Sternke