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Hinterland Ring frei für Muay Thai
Landkreis Hinterland Ring frei für Muay Thai
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18:00 04.06.2021
Roman Butz trainiert nicht nur die Kirchverser Kampfsportler im Muay Thai, sondern auch die Aktiven der Auswahl für diese Sportart auf Bundesebene.
Roman Butz trainiert nicht nur die Kirchverser Kampfsportler im Muay Thai, sondern auch die Aktiven der Auswahl für diese Sportart auf Bundesebene. Quelle: Gianfranco Fain
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Kirchvers

Sie bezeichnen es als Win-win-Situation, also eine Konstellation, in der beide Partner gewinnen. Gemeint sind die Gemeinde Lohra stellvertretend für die Kinder und Jugendlichen in Kirchvers sowie der Kampfsportverein Kirchvers. Für den ist Roman Butz das Gesicht, Vorsitzender und Cheftrainer. Der 41-Jährige wandte sich auf der Suche nach einer geeigneten, festen Trainingsstätte an die Gemeinde und hatte nicht nur eine Anfrage, sondern auch ein Angebot parat. Mit diesem traf er bei Bürgermeister Georg Gaul und dem Gemeindevorstand auf offene Ohren.

Relativ schnell waren sich beide Parteien handelseinig und so kamen der 2017 gegründete Verein zu einer Bleibe sowie die Kinder und Jugendlichen zu einem weiteren Freizeitangebot. Denn der Verein will allen jungen Menschen des Ortes an der südlichen Kreisgrenze nicht nur die Möglichkeit bieten, sich sportlich zu betätigen, sondern anderweitige Aktivitäten auch für Nichtmitglieder anbieten.

Festgelegt ist ein Kinoabend im Monat, beabsichtigt sind zum Beispiel ein Dorffest und Ausflüge sowie andere Projekte, die aber derzeit wegen der Corona-Pandemie auf Eis liegen. Stattdessen steckt der Verein nach den Erfolgen im Vorjahr in den Vorbereitungen für „Max Fit“, den virtuellen Meisterschaften. Cheftrainer Butz betreut auch den Landeskader und befindet sich mit den Jugendlichen und Senioren des Bundeskaders in der Vorbereitung für die Weltmeisterschaft im Thaiboxen, die Anfang Dezember in Bangkok stattfinden soll.

Die jeweils sechs Medaillenränge von Jugendlichen und Senioren bei den virtuellen Meisterschaften im Thaiboxen lösten laut Butz eine Beitrittswelle unter den Jüngsten aus. Umso dringlicher wurde der Wunsch nach einer eigenen, festen Übungsstätte, die der Verein mithilfe der Gemeinde im Dorfgemeinschaftshaus fand. Anfang Dezember unterzeichneten die Beteiligten den Mietvertrag für die Räume im Untergeschoss, die zuvor das Ortsvorsteherbüro und den Jugendclub beherbergten. Danach gingen die 64 Vereinsmitglieder, darunter mehr als ein Drittel Jugendliche, die Herkules-Aufgabe an. Im Lockdown-Modus in mehreren Schichten aufgeteilt, entfernten sie Wände und schufen Öffnungen für Türen, beseitigten 16 Tonnen Bauschutt, bauten die Sanitäranlagen um, schufen eine Damen-Umkleide samt Dusche, installierten eine Lüftungsanlage und gestalteten die Wände so, dass Feuchtigkeit keine Chance mehr hat. Zu Trainingszwecken entstanden im Innenausbau ein Spiegelsaal und ein Boxring.

500 Arbeitsstunden leisteten die Mitglieder des Vereins, der rund 10 000 Euro für das Material aufbrachte. Dadurch sind die Reserven des Vereins Kampfsport Kirchvers aufgebraucht. Das belastet den Verein sehr, da zurzeit die Schutzausrüstungen und Trainingsgegenstände wegen des häufigen Desinfizierens leiden und deshalb mehrmals im Jahr ersetzt werden müssen, was erhebliche Kosten verursacht.

Der Verein Kampfsport Kirchvers bietet das Erlernen von Thaiboxen (Muay Thai), dem klassischen Boxen sowie der „Pongkan Tua“ heißenden Selbstverteidigung. Neben Cheftrainer Roman Butz wirken Lea Miltenburg, Christoph Hammer, Holger Schönagel und Asad Asadi als Übungsleiter.

Von Gianfranco Fain