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Hinterland Spaß ja, Schwimmen nein
Landkreis Hinterland Spaß ja, Schwimmen nein
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10:00 05.08.2021
Der Perfstausee mit dem Restaurant „Seeblick“. Die Gegend erfährt gegenwärtig durch mehrere Projekte eine Aufwertung.
Der Perfstausee mit dem Restaurant „Seeblick“. Die Gegend erfährt gegenwärtig durch mehrere Projekte eine Aufwertung. Quelle: Mark Adel
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Breidenstein

Der Perfstausee ist ein Kleinod, das seit seinem Bau 1993 nicht nur vor Überschwemmungen schützt, sondern auch als Naherholungsgebiet über die Grenzen des Hinterlands hinaus beliebt ist. Mit neuen Pächtern in der Gaststätte „Seeblick“ und zusätzlichen Freizeitangeboten soll der See mehr Gäste anziehen, aber kein Schwimmerparadies werden. Eine sechsstellige Summe fließt in die Attraktivierung. Allein 100 000 Euro haben die neuen Pächter in die Innensanierung des Restaurants investiert – für ein schickeres Ambiente innen und mehr Platz außen.

Der Prosecco im Liegestuhl auf der zum Strand umgestalteten Wiese, das Weizen in geselliger Runde im Biergarten: Urlaubsflair im Hinterland, der See als Ziel der Radtour oder der Wanderung. Dank der Landschaft und mit dem neuen Angebot sei der Perfstausee deutlich attraktiver als andere Seen in der Region, ist Landrätin Kirsten Fründt (SPD) überzeugt.

Das Thema Schwimmen spielt allerdings weiterhin keine Rolle – und müsse es auch nicht, betonte die Landrätin erneut. „Wenn Betreibergesellschaft und Wasserverband gewillt wären, hunderttausende Euro reinzustecken, könnte man vielleicht drüber nachdenken. Aber so ist es für viel mehr Menschen das viel attraktivere Angebot. Es ist ein Aushängeschild für die Region.“

Im „Kommunalwahlkompass“ sprachen sich Anfang des Jahres allerdings nicht nur die Biedenkopfer SPD, sondern auch CDU, Grüne, FDP und UBL dafür aus, die Möglichkeit des Badebetriebs zumindest zu prüfen. Beendet dürften die Diskussionen also trotz der klaren Aussage der Landrätin noch nicht sein.

E-Bike-Ladestationen, Relax-Liegen und Beachvolleyball

Sechs E-Bike-Ladepunkte, drei hölzerne Relax-Liegen und ein Beachvolleyball-Feld wurden schon gebaut oder folgen bis nächstes Jahr. Das Feld wird von der Region Lahn-Dill-Bergland gefördert.

Viele Spaziergänger und Jogger umrunden gerne den See, der hessische Fernradweg R8 führt auf der Westseite vorbei. „Um 5 Uhr kommen die ersten Jogger, um 23 Uhr gehen die letzten Pärchen“, sagt Hartmut Klingelhöfer, technischer Betriebsleiter des Staudamms. Der Weg führt teilweise durch ein Naturschutzgebiet, doch die Brücken sind marode. Sie werden erneuert, ebenso wie der Steg. Er war lange gesperrt, ist inzwischen abgerissen und wird wohl noch dieses Jahr durch eine Metallkonstruktion ersetzt. Dann kann der See zum Beispiel zum Tretbootfahren oder Stand-up-Paddeln genutzt werden.

„Nach 28 Jahren wurde einiges nötig“, erklärt Mike-Oliver Klotz, Geschäftsführer des Wasserverbands Oberes Lahngebiet und der Perfstausee-Betreiber GmbH.

Wer wissen möchte, wie das Wetter am Perfstausee ist oder wie viel Betrieb herrscht, soll das künftig aus der Ferne prüfen können: In Planung ist die Einrichtung einer Webcam, die Livebilder vom See in die Welt sendet. Neu ist auch das „Perfstausee-Quiz“, mit dem Besucher per App Fragen rund um den See und das Thema Wasser beantworten, die zugehörigen Schilder werden noch aufgestellt.

Ein Seefest ist für in zwei Jahren geplant

Neben dem Freizeitangebot soll auch das Restaurant „Seeblick“ Besucher anziehen. Seit dem 1. Februar ist eine Brauerei neue Pächterin und hat die Gaststätte an Daniel Benken und Pablo Ruhr von einem Siegener Gastro-Unternehmen weiterverpachtet. Sie führen bereits mehrere ähnliche Betriebe, beispielsweise am Biggesee. Die neuen Betreiber haben den „Seeblick“ umgebaut und unter anderem Theke und Mobiliar erneuert. Im Frühjahr wurde die Fassade schwedisch-rot gestrichen. Im Juli wurde die Terrasse von 40 auf rund 135 Plätze erweitert. Das Restaurant wurde 1996, drei Jahre nach dem See, gebaut. Der Kiosk wurde wieder in Betrieb genommen, damit sich Besucher, die es sich zum Beispiel auf der Wiese gemütlich machen, einfacher mit Getränken oder Snacks versorgen können. Fründt sieht in den Projekten einen echten Gewinn, etwa in der Sanierung der Gaststätte: „Das sieht total einladend aus.“ Die Attraktivierung sei „der richtige Weg. Es ist ein tolles Freizeitangebot mit ganz unterschiedlichen Möglichkeiten.“

Die Landrätin verweist auch auf die Bedeutung des Stausees für den Hochwasserschutz – der eigentliche Grund, weshalb er 1993 eröffnet wurde. Gerade erst sei die Bedeutung wieder deutlich geworden, sagte sie mit Blick auf die Flutkatastrophe im Westen Deutschlands: „Wir sind auf einem guten Weg, Freizeitmöglichkeiten und Katastrophenschutz miteinander zu verbinden.“

Fürs nächste Jahr sei Open-Air-Kino am Strand geplant, berichtet Mike-Oliver Klotz. „Das war eigentlich schon in diesem Sommer vorgesehen, musste aber verschoben werden.“ In zwei Jahren, zum 30-jährigen Bestehen, verspricht er zudem ein großes Seefest.

Von Mark Adel