Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Lohras Kirche öffnet ihre Pforten
Landkreis Hinterland Lohras Kirche öffnet ihre Pforten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:59 28.10.2021
So sieht die fertig renovierte Kirche nun von innen aus.
So sieht die fertig renovierte Kirche nun von innen aus. Quelle: Privatfotos
Anzeige
Lohra

Am Sonntag, 31. Oktober, wird es endlich soweit sein: Die Wiedereinweihung der evangelischen Kirche in Lohra steht nach deren Innenrenovierung auf dem Programm – ein Projekt, dessen Planung aufgrund seines enormen Ausmaßes einige Jahre in Anspruch genommen hat und dementsprechend auch finanziell einen großen Aufwand abverlangte. Zumal in den kommenden Monaten auch weiterhin noch geringe Justierungen anstehen.

Bereits im Jahr 2013 startete die Kirchengemeinde die Aktion „Freiwilliges Kirchgeld“, in der sie ihre Gläubigen um finanzielle Unterstützung durch Spenden bat. „Wir haben einmal jährlich Briefe an die Mitglieder geschickt und sie zur Spende aufgerufen“, erklärt Pfarrer Jonathan Schwarz. Das Geld wurde allerdings nicht nur allein in die Renovierung der Kirche investiert, sondern fand seine Verwendung auch in der Förderung der Jugendreferentenstelle.

Das Freiwillige Kirchgeld galt zwar als Haupteinnahmequelle, doch auch durch ­eigens geplante Veranstaltungen wie der Aktion „Kohle gegen Kohle“, die im Zuge des Gemeindefestes vor zwei Jahren (die OP berichtete) stattfand, wurden weiterhin fleißig Spenden gesammelt.

Das Gerüst zur Wand- und Deckensanierung. Quelle: Privatfoto

Doch wie viel Geld stand für die evangelische Kirche zur Verfügung? „Unser Spendenziel lag bei 50 000 Euro aus der Kirchengemeinde“, schildert Schwarz. Im Endeffekt betrug die Summe satte 62 000 Euro, die allein durch Spenden eingenommen wurden. Doch damit nicht genug: Neben der Unterstützung, die das Projekt durch die Landeskirche und den Kirchenkreis erhielt, wurde die Sanierung der Kirche zudem in die Projektliste der Stiftung Kirchenerhaltungsfonds der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck aufgenommen. Damit einher ging die Verdopplung der eingegangenen Spenden auf 124 000 Euro, die bei einem Gesamtvolumen von nahezu 600 000 Euro nicht unbedeutend sind.

Planmäßig sollte die Kircheninnenrenovierung eine Bauzeit von einem Jahr in Anspruch nehmen. „Am 8. März 2020 fand der letzte Gottesdienst in der Kirche statt, im April haben wir dann angefangen“, erinnert sich der Pfarrer zurück. Man hatte vor, so Schwarz, zu Ostern 2021 wieder in die Kirche zurückzukehren, doch die Evangelische Kirche sah sich plötzlich mit unerwarteten Begegnungen konfrontiert.

Die freigelegten Grabstätten vor den Altarstufen; dort befindet sich jetzt die Wärmestation der neuen Heizung. Quelle: Privatfoto

„Archäologische Funde haben die planmäßige Fertigstellung verhindert. Vor dem Altarraum wurden Gräber mit vier vollständig erhaltenen Skeletten entdeckt“, berichtet Schwarz. Ein naheliegender Gedanke sei, dass sich vor langer Zeit an gleicher Stelle eine Begräbnisstätte befand. Zeitlich stellten diese Entdeckungen hinsichtlich der Fertigstellung zwar ein Hindernis dar, für die Innenrenovierung aber nicht. So habe die Kirche beispielsweise ein komplett neues Heizsystem erhalten. Dafür mussten neue Schächte für die Zuleitungen und die Wärmestationen ausgehoben werden. Im Zuge dieses Prozesses sei man auf die Gräber gestoßen.

Ebenfalls von Grund auf neu ist die elektrische Ausstattung in der Kirche. Das betreffe laut Schwarz einerseits die Beleuchtung und andererseits die Akustikanlage, mit der nun mehr musikalischer Gestaltungsspielraum für die Gottesdienste möglich sei. Des Weiteren wurde auch der gesamte Umriss saniert. Statt der alten Holzpodeste unter den Bänken besitzt die Kirche nun einen Sandsteinfußboden, die Wände wurden restauriert und zusätzlich habe die Kirche „im Grunde eine neue Gewölbedecke“ erhalten, wie Schwarz berichtet. Abschließend stand auch die Überarbeitung der Kirchenbänke auf der Agenda, die nun sogar über eine Bankheizung verfügen.

Abgeschlossen ist das umfangreiche Projekt der evangelischen Kirchengemeinde damit noch nicht, soll doch Anfang des kommenden Jahres auch die technische Innensanierung der Orgel erfolgen.

Nun steht am kommenden Sonntag vorerst die offizielle Wiedereinweihung der Kirche an. Ab 10 Uhr wird unter der 3G-Regelung zunächst ein Festgottesdienst mit Posaunenchor stattfinden, anschließend folgt ein Empfang außerhalb der Kirche, der unter anderem mit Grußworten des Bürgermeisters Georg Gaul des Dekans des Kirchenkreises Marburg Burkhard zur Nieden und der Ortsvorsteherin Claudia Hoffrath gestaltet wird.

Danach werden die Restauratoren zu Wort kommen und den Interessenten die Möglichkeit bieten, Einblicke in den Baufortschritt zu erlangen. Dafür gebe es „Stationen rund in der Kirche für alle, die sich fragen, was denn mit ihrem Geld passiert ist“, erklärt Schwarz.

Von Yann Ruppersberg

27.10.2021
25.10.2021