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Hinterland Schatz gesucht, Füchse gefunden
Landkreis Hinterland Schatz gesucht, Füchse gefunden
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00:16 17.04.2019
Michael Koch und Reinhard Resinek haben auf einer Geocache-Tour drei in einer Grube ­gefangene Füchse gefunden und ihnen eine Kletterhilfe aus totem Holz gebaut.  Quelle: Privatfoto
Biedenkopf

Etwas unheimlich ist die Stimmung auf dem verlassenen Grundstück nahe Wallau. Die Wohngebäude stehen leer, Vorratskeller und Silos verfallen. Die Natur holt sie sich Stück für Stück zurück. Die Suche nach einem sogenannten „Mystery-Cache“ hat die beiden Marburger Reinhard Resinek und Michael Koch an einem nebligen Samstagnachmittag an diesen „Lost Place“, einen verlassenen, vergessenen Ort im Hinterland geführt.

Die beiden teilen ein gemeinsames Hobby, das Geocachen, eine Art moderne Schnitzeljagd (siehe Hintergrundkasten). Mit einem Navigationsgerät suchen sie kleine Dosen, die andere Geocacher versteckt haben. Bei einfachen Geocaches sind die Koordinaten offen auf geocaching.com einzusehen. Für die Koordinaten, die die beiden auf das geheimnisvolle Grundstück geführt haben, mussten sie zunächst ein Rätsel lösen.

Geocaching

Geocaching – Schnitzeljagd per GPS-Signal – gibt es offiziell seit dem 3. Mai 2000. Damals vergrub ein US-Amerikaner aus Spaß einen schwarzen Plastikeimer in einem Wald bei Portland im Bundesstaat Oregon. Darin versteckte er ein Büchlein, einen Stift, Bücher und Videos. Im Internet veröffentlichte er nach Angaben des Geocache-Verzeichnisses geocaching.com die Koordinaten des Verstecks:
„N 45° 17.460 W 122° 24.800“. Innerhalb von drei Tagen lasen demnach zwei Leute von dem Experiment, machten sich auf die Suche und schrieben online über ihre Erfahrungen. So begann ein weltweites Phänomen. Der erste Cache in Deutschland soll im Oktober 2000 bei Königs Wusterhausen südlich von Berlin versteckt worden sein. (dpa)

„Für den Mystery-Cache mit dem Namen ‚Jägerlatein‘ mussten wir zunächst die lateinischen Bezeichnungen einiger Wildtiere notieren. Dann haben wir bestimmten Buchstaben Werte zugeordnet und diese in eine Formel eingesetzt, die letztlich die Koordinaten ergaben“, erklärt Resinek.

Diese Koordinaten führten die Marburger schließlich zu vier Silos, alle etwa zwei mal zwei Meter groß und drei Meter tief. Der Weg zu dem sogenannten „Final“ – also der Dose mit einem Logbuch, in das sich erfolgreiche Geocacher eintragen – war nicht ungefährlich, berichtet Resinek. „Es ging über instabile Bleche, die schon arg verrostet waren.“ Touren zu sogenannten „Lost Places“ sollte man deshalb aus Sicherheitsgründen nie alleine unternehmen, rät Resinek.

"Guck mal, da unten sind Füchse"

Als er Ausschau hielt, wo der Cache versteckt sein könnte, machte Resinek eine andere Entdeckung. „Guck mal, da unten sind Füchse“, rief der 67-Jährige. Die Tiere kauerten ängstlich auf dem Boden eines Silos. „Sie mussten schon eine Weile da unten gefangen gewesen sein, einer lag schon ganz schwach in der Ecke.“ Das stärkste Tier versuchte, die Wand hochzuspringen, jedoch ohne Erfolg. „Man hat ihnen angesehen, dass sie mehr Angst vor uns hatten, als wir vor ihnen. Wir wollten etwas unternehmen.“

Kurzerhand ließen die beiden eine etwa fünf Meter lange, tote Fichte in die Grube hinab. Und weil der Baum stark verästelt war, auch noch einen zweiten glatten Ast. „Mehr konnten wir in dem Moment nicht tun.“ Als ihre Handys wieder ein wenig Empfang hatten, baten sie die Geocacherin, die den „Mystery Cache“ gelegt hatte, den zuständigen Förster zu verständigen.

Eine Rückmeldung habe man jedoch nicht erhalten – wohl auch, weil es sich bei dem Grundstück um Privatbesitz handelt, auf dem der Förster nicht zuständig ist. Die Gedanken an die Füchse in Not ließen Resinek jedoch so schnell nicht los.

„Deshalb bin ich nochmal schauen gefahren. Die Grube war leer. Nach Rücksprache mit einem befreundeten Experten, bin ich mir sicher, die Füchse konnten sich über den Baum befreien.“ Davon geht auch der Grundstückseigentümer aus, teilt er auf OP-Anfrage mit. Einer seiner Jagdpächter habe vor Ort nachgesehen, nachdem ihm die Geschichte der Füchse zu Ohren gekommen ist. Er habe die Grube leer vorgefunden.

von Philipp Lauer