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Hinterland Streit über künftige Gewerbegebiete in Biedenkopf
Landkreis Hinterland Streit über künftige Gewerbegebiete in Biedenkopf
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18:00 30.05.2022
Unterhalb des Breidensteiner Gewerbegebiets „Goldberg“ und in Nachbarschaft zur Holzverladestation könnte laut Regionalplan-Entwurf eine 9,8 Hektar große Gewerbefläche entstehen.
Unterhalb des Breidensteiner Gewerbegebiets „Goldberg“ und in Nachbarschaft zur Holzverladestation könnte laut Regionalplan-Entwurf eine 9,8 Hektar große Gewerbefläche entstehen. Quelle: Foto: Susan Abbe
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Biedenkopf

Wo im Stadtgebiet können künftig noch neue Gewerbegebiete entstehen? Den Rahmen dafür gibt der Regionalplan Mittelhessen vor, der gerade neu erarbeitet wird. Für die Stadt Biedenkopf sieht der aktuelle Entwurf drei mögliche größere Gewerbeflächen vor: eine in Kombach und zwei zwischen Breidenstein und Breidenbach. Die Mehrheit des Biedenkopfer Parlaments befürwortet diese Planung. Heftige Kritik kommt von der SPD-Fraktion.

Biedenkopf ist im Regionalplan-Entwurf als „Mittelzentrum Plus im ländlichen Raum“ festgesetzt. Das heißt: Die Stadt ist wichtig für die Mitversorgung der umliegenden Region. Und: Bedeutung hat Biedenkopf auch als Wirtschaftsstandort. Die Regionalplaner bescheinigen der Stadt bis 2035 einen zusätzlichen Gewerbeflächen-Bedarf von bis zu 18 Hektar. Damit liegt Biedenkopf an dritter Stelle im Kreis: hinter Marburg (56 Hektar) und Stadtallendorf (45). Und: Unter den 101 Kommunen in Mittelhessen gibt es 18 Städte, denen ein Gewerbeflächenbedarf von mehr als 10 Hektar zugestanden wird.

Biedenkopf wird als „Arbeitsmarktzentrum“ eingestuft

Eine Studie, die im Zusammenhang mit der Regionalplanung in Auftrag gegeben worden ist, stellt fest, dass nur 16 der 101 mittelhessischen Kommunen einen positiven Pendler-Saldo haben. Das heißt: In diese Städte pendeln mehr Beschäftigte ein als aus. Zu diesen Städten, die als „die Arbeitsmarktzentren der Region“ eingestuft werden, gehört Biedenkopf.

Die Studie zur wirtschaftlichen Entwicklung der mittelhessischen Kommunen sagt: „Beschäftigungsaufbau fand vor allem dort statt, wo Standortvoraussetzungen hinsichtlich Flächenverfügbarkeit, verkehrlicher Erreichbarkeit und Verfügbarkeit von Fachkräften gegeben ist.“

Biedenkopfs Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) schließt aus diesen Daten, dass die Stadt alles tun müsse, um auch künftig Firmen genug Gewerbeflächen anbieten zu können. Ein Problem stellt dabei die Topografie der Stadt dar: Lahn, Wald, Schutzgebiete und Höhenunterschiede sind laut Thiemig Gründe dafür, dass nur wenige Flächen für neue Gewerbegebiete infrage kommen.

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Die Regionalplaner sehen nur zwei Flächen, die sich aus raumordnerischer Sicht eignen: zum einen eine „Gewerbefläche Planung“ mit 19,7 Hektar am südlichen Rand von Kombach – entlang der Bundesstraße 62. Die zweite „Gewerbefläche Planung“ befindet sich zwischen Breidenstein und Breidenbach. Sie schließt sich südwestlich an das Breidensteiner Gewerbegebiet „Goldberg“ an, reicht bis hinunter zum Elsbach und ist 9,8 Hektar groß. Darüber hinaus sieht der Regionalplan-Entwurf – unter Vorbehalt – noch eine mögliche weitere „Gewerbefläche Planung“ zwischen Breidenstein und Breidenbach vor: Sie ist 14,1 Hektar groß und befindet sich an der Grenze zu Breidenbach, neben dem Breidenbacher Unternehmen C+P. Hintergrund ist dabei, dass Biedenkopf und Breidenbach über ein interkommunales Gewerbegebiet nachdenken und es Überlegungen gibt, die nahe gelegene Holzverladestelle zu einem Railport für den Gewerbepark auszubauen. Möglicherweise wird dafür die genannte Fläche benötigt. Genehmigt wird diese dritte „Gewerbefläche Planung“ nur, wenn der Railport sonst nicht umsetzbar ist.

SPD ist mit Gewerbeflächen nicht zufrieden

Die Biedenkopfer SPD ist mit der Idee der zwei großen Gewerbeflächen alles andere als glücklich. Heftige Diskussionen gab es im Parlament vor allem über das Areal neben dem „Goldberg“. Denn in dessen unterem Bereich befindet sich das Elsbachtal, das die SPD als schützenswertes Stück Natur ansieht.

Die SPD warb dafür, das Elsbachtal aus der Gewerbeflächen-Planung herauszunehmen. Der Vorschlag: Im oberen Bereich der Fläche könnte Gewerbe angesiedelt werden. Alles, was unterhalb eines durch das Gebiet führenden Feldweges nahe am Elsbach liegt, solle verschont werden. Die Stadt solle darauf drängen, dass der Bereich vom Feldweg bis zum Elsbach nicht zur Gewerbefläche wird.

Die Mehrheit der Stadtverordneten sah das anders. CDU-Fraktionschef Markus Doruch zeigte Verständnis für die Bedenken der SPD, sagte jedoch: Womöglich stelle die Stadt in einigen Jahren fest, dass sie diese Flächen doch brauche. Das Parlament müsse zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Naturschutz abwägen. Diese Entscheidung könne aber später getroffen werden, sagte Doruch.

Dem stimmten die Fraktionschefs Markus Plitt (ZfB) und Michael Miss (BB) zu. Jörg Sperling, stellvertretender UBL-Fraktionschef, argumentierte ähnlich, betonte aber, dass die Mitglieder seiner Fraktion sich nicht einig seien. In den abschließenden Abstimmungen sprach sich das Parlament mehrheitlich dafür aus, dass die Stadt in ihrer Stellungnahme zum Regionalplan-Entwurf die dort genannten möglichen Gewerbegebiete befürwortet.

Von Susan Abbe