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Hinterland Wo steht der Landkreis Marburg-Biedenkopf?
Landkreis Hinterland Wo steht der Landkreis Marburg-Biedenkopf?
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12:00 07.07.2021
6,4 Prozent der gesamten Flächen im Landkreis Marburg-Biedenkopf sind dem Verkehr vorbehalten, hier ein Blick auf die Bundesstraße 62 zwischen Wallau und Biedenkopf. Im benachbarten Lahn-Dill-Kreis sind es 7,5 Prozent der Flächen.
6,4 Prozent der gesamten Flächen im Landkreis Marburg-Biedenkopf sind dem Verkehr vorbehalten, hier ein Blick auf die Bundesstraße 62 zwischen Wallau und Biedenkopf. Im benachbarten Lahn-Dill-Kreis sind es 7,5 Prozent der Flächen. Quelle: Hartmut Bünger
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Landkreis

Es ist eine Standortbestimmung: Wie steht der Landkreis Marburg-Biedenkopf im Vergleich mit anderen Landkreisen in Mittelhessen beziehungsweise Deutschland da? Wie hat er sich in den vergangenen Jahren entwickelt? Auskunft geben Daten des Statistischen Bundesamtes über beispielsweise Bevölkerung, Bildung und Wirtschaft, veröffentlicht im aktuellen Regionalatlas Deutschland.

Drei Beispiele: Der Landkreis Marburg-Biedenkopf ist im Vergleich zu anderen mittelhessischen Landkreisen besonders wirtschaftsstark. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Jeder fünfte Bürger ist älter als 65 Jahre. Die Auswertung der bundesweiten Statistik im Einzelnen:

Flächen

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf ist waldreich und arm an Landwirtschaft. Das zeigt sich auch in den Daten des Bundesamtes. 40,7 Prozent des Kreisgebietes sind Wald (0,1 Prozent mehr als im Jahr 2016). Der Bundesschnitt: 29,8 Prozent. Noch mehr Wald gibt es in Mittelhessen nur im Lahn-Dill-Kreis, nämlich 47,7 Prozent.

Andere Nachbarkreise liegen darunter: Rund 34 Prozent sind es in den Landkreisen Gießen und Limburg-Weilburg, 39 Prozent im Vogelsberg. Hessischer Spitzenreiter ist der Odenwaldkreis mit 56 Prozent Wald. Der benachbarte Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen hat rund 60 Prozent Waldfläche.

Die weiteren Flächen im Landkreis Marburg-Biedenkopf: 8,0 Siedlungsfläche (plus 0,2 Prozent), 6,4 Prozent Verkehrsfläche (unverändert), 0,9 Prozent Sport-, Freizeit- und Erholungsfläche (unverändert). Diese Zahlen decken sich etwa mit denen in den Nachbarkreisen und im Durchschnitt des restlichen Deutschlands.

Bei den landwirtschaftlichen Flächen fallen die Unterschiede zwischen den mittelhessischen Landkreisen größer aus. 43,1 Prozent weist der Regionalatlas für den heimischen Landkreis aus. Ähnliche Werte gibt es in Limburg-Weilburg (45,5) und Gießen (44,6).

Im Lahn-Dill-Kreis dagegen sind die landwirtschaftlichen Flächen mit 33,2 Prozent deutlich rarer gesät. Zum Vergleich: Durchschnittlich liegt der Wert in Deutschland bei rund 50 Prozent, in Schleswig-Holstein und Niedersachsen auch gerne mal bei über 60 oder sogar 70 Prozent.

Zum Anteil des ökologischen Anbaus in Marburg-Biedenkopf liefert der Regionalatlas keine Zahlen. Anders sieht es für den Lahn-Dill-Kreis aus: 36,3 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche sind dort auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt worden, so Daten aus dem Jahr 2016. Eine Quote, die in keinem anderen hessischen Kreis erreicht wird. Zum Vergleich: Im Vogelsbergkreis liegt die Quote bei 18,8 Prozent, bundesweit bei 6,8 Prozent.

Landwirtschaft

Dass die Bedeutung der Landwirtschaft in Marburg-Biedenkopf jedoch gering ist, zeigt sich an anderen Daten. Die durchschnittliche Größe der Betriebe beträgt 41,1 Hektar, deutschlandweit 60 Hektar, in den mittelhessischen Landkreisen Gießen, Vogelsberg und Limburg-Weilburg je etwa 56 Hektar.

Und: Im Landkreis Marburg-Biedenkopf kommen auf 100 Hektar landwirtschaftliche Fläche 60,6 Schweine und 56,5 Rinder, bundesweit sind es 168 Schweine bzw. 74 Rinder.

Wirtschaft

Wie wirtschaftsstark ist der Landkreis Marburg-Biedenkopf? Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug hier im Jahr 2018 38 530 Euro pro Einwohner. Rund 14 000 Euro mehr als zur Jahrtausendwende. Das heißt: Der Wohlstand wächst. Das BIP in den weiteren mittelhessischen Landkreisen: Gießen (36 057 Euro), Lahn-Dill-Kreis (34 525 Euro), Limburg-Weilburg (30 732 Euro), Vogelsberg (27 295 Euro); Deutschland (40 339 Euro).

Bevölkerung

Der demografische Wandel zeigt sich bei der Bevölkerungsstatistik. Die Bevölkerungsdichte hat im heimischen Kreis leicht ab-, das Alter der Menschen zugenommen.

Zur Jahrtausendwende lebten hier noch 201 Einwohner auf einem Quadratkilometer, nun sind es noch 196. Im ländlichen Vogelsberg liegt die Bevölkerungsdichte bei 72, im Landkreis Gießen bei 317 und in Frankfurt bei 3074 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Der Anteil der ausländischen Bevölkerung ist mit der Fluchtkrise in den vergangenen Jahren gestiegen. 2013 betrug der Anteil im Landkreis Marburg-Biedenkopf 7,7 Prozent, nun liegt er bei 12,6 Prozent. Vergleichszahlen: Bundesweit liegt die Quote bei 12,5 Prozent, im Landkreis Gießen bei 12,6 Prozent im Vogelsberg bei 7,1 Prozent.

Die Daten verdeutlichen auch das Altern der Gesellschaft. So groß war im Landkreis Marburg-Biedenkopf zuletzt der Anteil der einzelnen Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung (in Klammern: Zahlen aus dem Jahr 2000):

0 bis 17 Jahre: 16,0 Prozent (18,9),

18 bis 24 Jahre: 10,7 Prozent (9,4),

25 bis 44 Jahre: 25,5 Prozent (33,1),

45 bis 64 Jahre: 27,9 Prozent (23,3),

65 Jahre und älter: 19,8 Prozent (15,3).

Fazit: Die Gruppe der über 45-Jährigen wächst. Das passt auch zum Altersdurchschnitt im Landkreis: 43,1 Jahre. Jünger ist der Landkreis Gießen, der wie Marburg-Biedenkopf eine Universität hat, älter der Vogelsberg (47 Jahre) und der Lahn-Dill-Kreis (45,1); der Bundesdurchschnitt beträgt 44,5 Jahre.

Verkehr

Je ländlicher die Gebiete, desto größer offenkundig der Bedarf an Autos. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es pro 1 000 Einwohner 575,7 Autos, 75 mehr als 20 Jahre zuvor. Der Vergleich: In den ländlichen Regionen Mittelhessens ist die Pkw-Dichte sogar noch etwas höher: 648 in Limburg-Weilburg, 678 im Vogelsberg, 643,5 im Lahn-Dill-Kreis. Im Landkreis Gießen (571) – und ähnlich dem Bundesschnitt (574).

Was aus dem Regionalatlas ebenfalls hervorgeht: Die Zahl der Unfälle im Straßenverkehr war 2019 genauso hoch wie 20 Jahre zuvor: 38 je 10 000 Einwohner. Deutschlandweit passierten zuletzt 46 Unfälle je 10 000 Einwohner.

Gesundheit

Setzt man die Krankenhausbetten ins Verhältnis zur Einwohnerzahl, schneidet der Landkreis Marburg-Biedenkopf ebenfalls relativ gut ab: 6,3 Betten je 1 000 Einwohner. In Mittelhessen ist die Quote nur im Lahn-Dill-Kreis (sieben Betten) und im Landkreis Gießen (neun Betten) höher. Der Bundesdurchschnitt: sechs Betten. Die Statistiker haben auch Quoten zur ambulanten sowie stationären Pflege ermittelt. In den Pflegeheimen im Landkreis Marburg-Biedenkopf kommen demnach auf 100 Pflegebedürftige 102 Pfleger (Deutschland: 93), in der ambulanten Pflege 55 Pfleger pro 100 Pflegebedürftige (Deutschland: 47).

Einkommen

Das verfügbare Einkommen betrug umgerechnet auf alle Einwohner 21 581 Euro im Jahr 2018 (Deutschland: 22 899 Euro). Im Jahr 2000 waren es 14 095 Euro (Deutschland: 15 699 Euro).

Die Bruttogehälter der Beschäftigten in der Industrie: 46 400 Euro pro Jahr im Kreis Marburg-Biedenkopf (31 100 Euro im Jahr 2000). In anderen hessischen Städten und Landkreisen können sie mehr verdienen: 68 000 Euro in Frankfurt, 57 600 Euro im Hochtaunuskreis, 54 400 Euro in Kassel. Der Bundesschnitt: 50 000 Euro. 3,1 Prozent der über 65-jährigen Männer im Landkreis Marburg-Biedenkopf leben von Grundsicherung sowie 3,0 Prozent der Frauen, deutschlandweit sind es jeweils 3,2 Prozent in dieser Altersgruppe.

Arbeit

57,3 Prozent der Menschen im Kreis haben eine Arbeit (Deutschland: 61,6 Prozent). Und nach Geschlechtern: 60,6 Prozent der Männer, 53,9 Prozent der Frauen.

Bildung

Die Betreuungsquote (Kita und Tageseltern) liegt im Landkreis Marburg-Biedenkopf bei Kleinkindern im Alter bis zu zwei Jahren über der anderer Landkreise. 34,7 Prozent dieser Kinder werden hier betreut (Gießen: 33,3 Prozent; Limburg-Weilburg: 31,8 Prozent; Vogelsberg: 30,7 Prozent; Lahn-Dill-Kreis: 27,3 Prozent; Deutschland: 35 Prozent). Bei den Drei- bis Fünfjährigen werden im Lahn-Dill-Kreis 92,5 Prozent der Kinder betreut, dies entspricht etwa der bundesweiten Quote.

Der Regionalatlas

Das Statistische Bundesamt hat seinen aktuellen „Regionalatlas Deutschland“ veröffentlicht. Dort sind zu Themen wie Wirtschaft, Arbeit, Bildung, Umwelt, Bevölkerung und Soziales über 160 Indikatoren erfasst – runtergebrochen auf Bundesländer, Regionen und Landkreise.

Die aktuell veröffentlichten Zahlen zeigen die Situation zumeist in den Jahren 2019 und 2020 – und vergleichen sie mit denen aus zurückliegenden Jahren.

Weiterführende Informationen gibt es im Internet unter regionalatlas.statistikportal.de.

Von Jörgen Linker und Hartmut Bünger