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Hinterland „Pusteblume“ bleibt noch Baustelle
Landkreis Hinterland „Pusteblume“ bleibt noch Baustelle
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11:58 25.12.2020
Die Kindertagesstätte „Pusteblume“ in Runzhausen ist derzeit noch eine große Baustelle. Rund 810 000 Euro fließen in die Sanierung des Hauptgebäudes, das frühestens im Mai 2021 wieder genutzt werden kann.
Die Kindertagesstätte „Pusteblume“ in Runzhausen ist derzeit noch eine große Baustelle. Rund 810 000 Euro fließen in die Sanierung des Hauptgebäudes, das frühestens im Mai 2021 wieder genutzt werden kann. Quelle: Foto: Michael Tietz
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Gladenbach

Langwierige Bauarbeiten, vorübergehende Container-Lösungen, volle Wartelisten und bevorstehende Millionen-Investitionen: Ein vielschichtiges Bild hat Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) von der Kindergarten-Lage in Gladenbach gezeichnet. Anlass für seinen detaillierten Informationsbericht im Parlament waren mehrere Anfragen der CDU-Fraktion.

Wie weit sind die Bauarbeiten in der Kita „Pusteblume“?

Der Wasserschaden sollte ursprünglich im Sommer behoben sein, ebenso die energetische Sanierung des Hauptgebäudes. „Leider kam es zu einigen Verzögerungen“, erklärte Kremer. Handwerker stellten fest, dass die Drainage nicht richtig funktioniert und die Entwässerungsleitungen erneuert werden müssen. Die erforderlichen Arbeiten mussten witterungsbedingt unterbrochen werden.

Intakt ist immerhin der Kanal unterhalb des Kindergartens – er kann für die Ableitung des Regenwassers genutzt werden. Damit entfällt eine aufwendige und kostspielige Verlegung der Leitung um das Gebäude herum. Zur Sicherheit und zu Kontrollzwecken setzen die Bauarbeiter nun Revisionsschächte im Bereich der Anschlüsse.

Wie sieht der weitere Zeitplan für die Kita aus?

Die beauftragte Baufirma kann die Abdichtung in diesem Jahr nicht komplett fertigstellen. Nach den Betriebsferien soll es ab dem 18. Januar mit den Arbeiten weitergehen. Die Heizkörper müssen ebenfalls erneuert werden. Erst wenn diese installiert sind, kann die Bodendämmung eingebaut werden. Anschließend müssen die Heizkörper angeschlossen werden, danach kommt der Estrich rein. Der muss trocknen, dann können der Boden verlegt sowie die Maler- und Tapezierarbeiten in Angriff genommen werden. Abschließend werden die Innentüren montiert. „All diese zusätzlichen Aufträge verzögern die Baumaßnahme, da die entsprechenden Schritte nacheinander abzuarbeiten sind“, erklärte Kremer.

Wie viel Geld fließt in

die Kita in Runzhausen?

Die energetische Sanierung des Gebäudes schlägt mit rund 370 000 Euro zu Buche. Dazu erhält die Stadt Gladenbach Fördermittel aus dem kommunalen Investitionsprogramm (KIP). Um den Wasserschaden zu beheben und die Kita fit für die Zukunft zu machen, werden weitere 440 000 Euro gebraucht. Die Ausgaben hat das Stadtparlament mit mehreren Beschlüssen genehmigt – zur Verfügung stehen insgesamt 822 000 Euro.

Für die laufenden Abdichtungsarbeiten fallen 60 000 Euro an, die Rechnung für die bestellten Heizkörper beläuft sich auf 44 000 Euro. Türen und Zargen samt Montage kosten 30 000 Euro. In die neue Küche – sie soll in der fünften Kalenderwoche (Anfang Februar) eingebaut werden – müssen ebenfalls 30 000 Euro investiert werden.

Wann können die Kinder

wieder in die Kita einziehen?

Die Gladenbacher Bauverwaltung geht davon aus, dass die Modernisierung frühestens im Mai 2021 abgeschlossen ist. Nach dem Umzug können die Container neu belegt werden. Angedacht ist, hier zehn Betreuungsplätze für Krippenkinder zu schaffen. Im Dorfgemeinschaftshaus entstehen 36 Plätze für Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren.

Für dieses Modell muss die Stadt allerdings noch einen Kindergarten-Träger finden. Das Parlament soll in seiner nächsten Sitzung am 21. Januar entsprechende Beschlüsse zur Trägerschaft und Anmietung der Container fassen.

Gibt es Überlegungen für ein DGH an neuem Standort?

Auf diese von einigen Runzhäuser Bürgern geäußerte Idee gab es vom Bürgermeister während der Parlamentssitzung ein klares „Nein“. Deshalb liegt auch keine Kostenschätzung vor, ob der Neubau einer Kindertagesstätte oder eines Dorfgemeinschaftshauses – jeweils auf der grünen Wiese – billiger ist. „Wir hoffen, dass wir mit den eingeschlagenen Maßnahmen und den mittelfristigen Planungen in einem anderen Stadtteil für die gewünschte Entlastung im Bereich der Kindertagesstätten-Plätze erfolgreich sein werden“, sagte Kremer.

Kommt DGH-Dauernutzung als Kita nicht infrage?

Vorstellbar wäre ein solches Szenario durchaus, gab der Bürgermeister zu verstehen. „Wir würden auf die Fragestellung zu gegebener Zeit gerne zurückkommen und die entsprechenden Fachbehörden um eine Stellungnahme für eine Dauernutzung als Kindertagesstätte bitten. Dies aber nur unter der Voraussetzung, dass der Träger das DGH dafür als geeignet empfindet“, erklärte Kremer.

Wie weit sind Pläne für neuen Container-Kindergarten?

Die Bauverwaltung arbeitet aktuell am Bauantrag und holt Angebote für die Erdarbeiten und die Container ein. Der Grundriss und die Ausführung der Container sind ermittelt. Diese sollen Platz für zwei Gruppen mit insgesamt 24 Plätzen für Krippenkinder bieten.

Die notwendigen Beschlüsse (Trägerschaft, Anmietung der Container) sollen in der Stadtverordnetenversammlung im Januar gefasst werden. Kremer rechnet damit, dass die Container ab Mai 2021 genutzt werden können.

Der ehemalige Gladenbacher Bahnhof soll in eine Kindertagesstätte umgebaut werden – wann ertönt das offizielle Startsignal für das Projekt?

Eine Architektin erstellte bereits eine Entwurfsskizze. Diese diente als Grundlage für erste Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde.

Von dort kam die Anregung, dass das ehemalige Stellwerk erhalten bleiben soll. Nun folgen Gespräche mit den zuständigen Fachbehörden, ob aus dem alten Bahnhof tatsächlich eine Kindertagesstätte werden kann.

Am 7. Januar endet die Frist für das Interessenbekundungsverfahren für die Trägerschaft. In ihrer Januar-Sitzung wollen die Parlamentarier den offiziellen Startschuss für das Projekt geben.

Dann sollen laut Kremer die ersten Haushaltsmittel in Höhe von 200 000 Euro sowie eine Verpflichtungsermächtigung über 4,3 Millionen Euro bereitgestellt werden. Außerdem wollen die Stadtverordneten festlegen, wer Träger der Betreuungseinrichtung wird.

Wie groß sind laut aktueller Prognose die Wartelisten?

In die Statistik flossen alle bis zum 31. Oktober erfolgten Anmeldungen für das Kindergartenjahr 2021/22 ein. Demnach stehen derzeit 72 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren sowie 53 Kinder unter drei Jahren auf den Wartelisten der sechs Kitas. Allerdings haben einige Eltern Mehrfachanmeldungen vorgenommen. Die Kita-Leitungen werden sich deshalb nun mit den betroffenen Erziehungsberechtigten abstimmen, welche Einrichtung verbindlich gewählt wird. Bis spätestens Anfang Februar sollen die Zusagen an die Eltern rausgehen.

„Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass aktuell nicht alle Regelkinder und Krippenkinder in einer Einrichtung in der Stadt Gladenbach untergebracht sind. Dies soll durch die Schaffung der Übergangslösungen im Jahr 2021 erreicht werden“, erklärte der Bürgermeister.

Von Michael Tietz