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Hinterland Prozess nach Fan-Prügelei wird aufgerollt
Landkreis Hinterland Prozess nach Fan-Prügelei wird aufgerollt
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00:18 29.04.2019
Zwei Schalke-Fans wurden 2018 vor dem Landgericht Marburg wegen versuchten Mordes zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, weil sie einen Dortmund-Fan während des Kirschenmarktes brutal zusammengeschlagen haben. Quelle: Nadine Weigel
Gladenbach

Zwei Schalke-Fans hatten vor zwei Jahren während des Kirschenmarktes einen Anhänger von Borussia Dortmund zusammengeschlagen und lebensbedrohlich verletzt. Die Dritte Strafkammer am Landgericht Marburg unter Vorsitz von Richter Thomas Wolf sah die Schuld der Angeklagten als erwiesen an und verurteilte die damals 20 Jahre alten Männer aus Hohenahr und Kassel zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Gegen dieses Urteil legten die Angeklagten Revision ein und obsiegten in Karlsruhe. Ihr Fall muss vor dem Landgericht in Marburg neu aufgerollt werden, teilte Verteidiger Knuth Meyer-Soltau mit, der einen der Schalke-Fans anwaltlich vertreten hat.

BGH hat Zweifel an der Tötungsabsicht

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte Zweifel an der Tötungsabsicht zum Zeitpunkt der Tat. Der BGH wollte nach Auskunft von Meyer-Soltau nicht Teilfeststellungen stehen lassen und hat deshalb die Urteile komplett aufgehoben. Deshalb wird der Prozess vor einer anderen Kammer geführt und von vorne begonnen. Die beiden Angeklagten befinden sich noch immer in Untersuchungshaft. Meyer-Soltau hofft für seinen Mandanten, dass das Urteil in einem neuerlichen Prozess abgeändert wird in gefährliche Körperverletzung, da er nach wie vor nicht von einer Tötungsabsicht ausgeht. Im laufenden Prozess sprach er davon, dass Parolen wie „Dortmund jagen und vernichten“ in der Ultraszene nicht außergewöhnlich seien.

Die Angeklagten hatten den damals 22-jährigen Dortmund-Fan, der gebürtig aus Bischoffen stammt, 2017 unter Alkoholeinfluss durch Schläge und Tritte lebensbedrohlich verletzt. Als das Opfer bereits am Boden lag, soll einer der Angeklagten weiter auf den Kopf des 22-Jährigen eingetreten haben. Der Mann trug einen Schädelbruch sowie eine Hirnschwellung davon und musste in der Uni-Klinik in Marburg notoperiert werden.

Frontalhirnsyndrom beim Opfer

Richter Wolf sah es als erwiesen an, dass die beiden Angeklagten den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen hatten. Der 22-Jährige hatte durch die Tat  irreparable Schäden davongetragen. Laut einem Gutachten hat er ein Frontalhirnsyndrom erlitten. Eine Psychologin hatte ausgesagt, dass der Dortmund-Fan nur eingeschränkt belastbar sei, unter Konzentrationsschwäche leide und Wortfindungsstörungen habe. Seinen Beruf als Altenpflegehelfer werde er nicht mehr ausüben können.

Beide Angeklagte hatten zum Tatzeitpunkt einen Blutalkoholspiegel von 1,13 bis 1,73 Promille. Sowohl für den Angeklagten aus Kassel als auch für den aus Hohenahr kam das Jugendstrafrecht zur Anwendung.

von Silke Pfeifer-Sternke