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Hinterland Rettungskräfte behindert und angegriffen
Landkreis Hinterland Rettungskräfte behindert und angegriffen
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18:05 05.01.2022
Nach Angriffen auf Rettungskräfte hat die Polizei Anzeige erstattet.
Nach Angriffen auf Rettungskräfte hat die Polizei Anzeige erstattet. Quelle: Thorsten Richter
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Oberdieten

In einer Zeit, in der Berichte über das Beleidigen und Behindern von Helfern an Unfallorten zunehmen, reiht sich ein Fall ein, der sich am Dienstag im Hinterland ereignete. Auf der Bundesstraße 253 in Oberdieten waren letztlich die Besatzungen von vier Streifenwagen – drei aus Biedenkopf und eine aus dem benachbarten Lahn-Dill-Kreis im Einsatz, um Rettungssanitätern und Feuerwehrleuten das Arbeiten zu ermöglichen.

Auslöser war ein Frontalzusammenstoß, der sich am späten Nachmittag auf der Bundesstraße in dem zur Gemeinde Breidenbach zählenden Ort ereignete. Wie Polizeisprecher Martin Ahlich berichtet, stellte sich nach den Vorkommnissen heraus, dass zwei Angehörige eines in einem der Unfallfahrzeuge sitzenden Ehepaares dem Rettungswagen folgte, der unter Einsatz von Sondersignalen zum Unfallort fuhr.

Dabei missachteten die 30 und 33 Jahre alten Männer nicht nur sämtliche für sie geltenden Verkehrsregeln, sondern griffen auch noch einen der Rettungssanitäter an, als dieser die Söhne des Ehepaares auf ihr Verhalten ansprach. Beide reagierten nicht nur mit aggressiven Äußerungen, einer griff sogar den Rettungssanitäter an, die Schläge verletzten den Angegriffenen allerdings nicht.

Angehörigen droht ­Freiheitsstrafe

Selbst als Polizisten eintrafen, reagierten die Angehörigen nicht auf deren Weisungen und behinderten die Rettungsarbeiten. Weitere Übergriffe verhinderten wohl nur die Intervention der Polizisten, die aber betonten, dass „bei allem Verständnis für die besondere emotionale Situation der Handelnden“, dieses „nicht hinnehmbare Verhalten“ zu einer Anzeige führt. Infolge dessen müssen sich die 30 und 33 Jahre alten Männer demnächst für mehrere Vergehen verantworten.

Für die Ordnungswidrigkeiten der Geschwindigkeits-, Abstands- und Rotlichtmissachtungen dürfte es bei Bußgeldern bleiben. Für das zu schnelle Fahren drohen je nach Geschwindigkeit bis zu 800 Euro, sowie ein Führerscheinentzug von 3 Monaten und ein Punkt im Flensburger Verkehrszentralregister; das Nichteinhalten des Abstandes zu anderen Fahrzeugen kann ein Bußgeld von bis zu 400 Euro sowie ein dreimonatiges Fahrverbot und 2 Punkte in Flensburg nach sich ziehen; das Überfahren einer Kreuzung unter Missachten des Rotlichtes einer Ampel kann mit bis zu 160 Euro und ein Punkt im Verkehrszentralregister zu Buche schlagen.

Der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte kann nach Paragraf 113 des Strafgesetzbuches (StGB) mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren, in besonders schweren Fällen wie einer gemeinschaftlichen Tat mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren geahndet werden. Für einen tätlichen Angriff auf einen Vollstreckungsbeamten sieht der Paragraf 114 StGB eine Freiheitsstrafe von mindestens 3 Monaten bis zu 5 Jahren vor.

Von Gianfranco Fain