Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Plattform aus Wallau will Händlern helfen
Landkreis Hinterland Plattform aus Wallau will Händlern helfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:51 28.12.2020
Janine Weber (rechts) und Sarah Krill schauen sich mit David Reitz (links) und Ortsvorsteher Jörg Sperling die neue Internetseite für lokalen Online-Handel an. Quelle: Foto: Hartmut Bünger
Anzeige
Wallau

Viele Einzelhändler mussten ab Mitte Dezember ihre Läden dichtmachen – die Regierung hat‘s verordnet, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. David Reitz und Sebastian Pitz hat dies keine Ruhe gelassen. Innerhalb weniger Tage haben sie eine Internetseite ins Leben gerufen, über die Wallauer Händler ihre Produkte und Gutscheine vertreiben können. Die beiden etwa gleichaltrigen Männer wohnen seit rund 30 Jahren in Wallau. „Wir sind hier verwurzelt, auch wenn wir anderswo arbeiten“, erklärt Reitz seine Motivation. Schon in den vergangenen Jahren habe Wallau sich verändert, seien Geschäfte verschwunden. Sie würden nicht wollen, dass die Pandemie nun noch einen weiteren Schub in diese Richtung gebe. Reitz: „Wir möchten, dass auch unsere Kinder hier später noch einkaufen können.“

Erstmals geisterte die Idee, den heimischen Einzelhändlern über eine gemeinsame Shopping-Plattform unter die Arme zu greifen, im Frühjahr durch die Köpfe der beiden Männer. Damals habe die Zeit jedoch nicht gereicht, sie umzusetzen. Als sich der zweite Lockdown abzeichnete, machten Pitz und er Nägel mit Köpfen, sagt Reitz. Pitz kümmerte sich um die Domain und die Gestaltung der Seite, Reitz machte sich ans Marketing. „Die Resonanz war gut“, berichtet er. Sieben Händler sagten spontan zu, weitere Geschäfte überlegten noch. Neben Sport Balzer, Optik Schwarz und „Hainbachtal im Dorf“ gehören die Kreativwerkstatt, der Laden 53, Kleidsam und das Kosmetikgeschäft Naturtalente dazu.

Anzeige

Sie können auf der Internetseite www.wallau-hilft.de ihre Waren anbieten. Allerdings ist das Angebot begrenzt: Pro Shop können es bis zu zehn Produkte und Geschenksets sowie Gutscheine sein. „Dinge, von denen die Geschäfte sagen: ,Das wird oft und gerne bei uns gekauft‘“, sagt Reitz. Ein größeres Angebot könnten sie nicht stemmen, schließlich müssten jeweils Text und Bild hochgeladen werden.

Er verspricht sich viel von der Möglichkeit, Gutscheine zu ordern. Damit könnten die Kunden dazu beizutragen, dass Geld in den Kassen der heimischen Händler landet.

Die Homepage fungiert bei den Geschäften in erster Linie als Plattform. Bestellungen gehen automatisch per E-Mail an die Adressen der Geschäfte. Sie stellen dann die Waren zur Abholung bereit oder liefern sie gegebenenfalls aus. An Reitz und Pitz gehen zehn Prozent des Umsatzes. Das Geld diene ausschließlich dazu, das Erstellen und Einrichten des Online-Shops sowie den Druck von Handzetteln zu finanzieren, betonen sie: „Wir möchten hier keinen privaten Profit erzielen.“

Beide Wallauer betonen, dass sich weitere Händler aus Wallau unter der E-Mail-Adresse info@wallau-hilft.de bei ihnen melden können. Vorstellen können sie sich auch, die Seite nach dem Lockdown noch weiter zu betreiben, etwa für andere Geschäfte aus Biedenkopf oder der näheren Umgebung. Das hänge aber davon ab, wie groß die Resonanz auf das Angebot ist und wie viel Arbeit die Pflege der Internetseite bereitet.

Ortsvorsteher Jörg Sperling begrüßte ausdrücklich die Initiative der beiden Wallauer, die wie er der UBL angehören, bei einem Pressetermin in Janine Webers Kreativwerkstatt. So sende man ein Signal, die heimischen Händler zu unterstützen. „Wir zeigen, dass die Geschäfte trotz Lockdown noch präsent sind.“

Weber hat nach eigenen Worten nicht lange überlegen müssen, als sie gefragt wurde, ob sie sich mit ihrem Laden beteiligen möchte. „Für mich war das direkt klar, weil ich dabei nichts zu verlieren habe“, erklärt sie. Kosten würden ihr ja nur entstehen, wenn es tatsächlich zu einem Verkauf komme. Im Übrigen könne sie sich noch gut an den ersten Lockdown erinnern: „Damals habe ich über meinen eigenen Shop sehr viel verkauft“, sagt sie, „ich kann mir gut vorstellen, dass es läuft.“

Von Hartmut Bünger