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Hinterland Pfarrer verlässt Gemeinde Bad-Endbach
Landkreis Hinterland Pfarrer verlässt Gemeinde Bad-Endbach
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16:00 02.09.2019
Als Pfarrer Michael Clement vor Jahren Geld für die Kirchen-Renovierung sammelte, war die Welt noch in Ordnung. Quelle: Peter Piplies
Bad Endbach

Die Umzugskartons stehen im Pfarrhaus in der Hainstraße 13 zum Packen bereit. Nach elfeinhalb Jahren verlässt Pfarrer Michael Clement Bad Endbach. Am 1. Oktober tritt er seine Stelle­ in Nidda-Oberwiddersheim in der Wetterau an. Dann werden Wommelshausen und Bad Endbach ohne eigenen Pfarrer sein.

Seinen Abschiedsgottesdienst hält Clement am 29. September – in Wommelshausen. Warum er sich für die kleinere Gemeinde­ entschieden hat, erklärt sich schnell. Dort hatte der gebürtige­ Südhesse viel Freude an seiner Arbeit, fühlte sich den Menschen im Dorf nahe.

"Einige Verletzungen kann ich hinter mir lassen"

Von vielen netten Menschen, die er kennen- und schätzen gelernt habe, falle der Abschied schwer, bedauert Clement. „Ich darf sagen, ich kenne viele Menschen in meinen Gemeinden. Manche lasse ich ungern zurück. Von anderen fällt der Abschied leichter. Einige Verletzungen kann ich hinter mir lassen“, schreibt der Pfarrer in seinem Abschiedsbrief an die Gemeinde, der dieser Zeitung vorliegt.

Und wird noch deutlicher: „Doch ist es auch gut, manche Gesichter nicht mehr sehen zu müssen. Wunden bleiben.“ Die deutlichen Worte in seinem Abschiedsbrief zu den „Tiefen“, die er in seiner Amtszeit erlebte, zielen in Richtung Bad Endbach.

Es habe immer wieder Streit gegeben, eine kleine Gruppe von Gemeindemitgliedern habe ihm regelmäßig vorgeworfen, er wolle alles allein bestimmen. Etwa in der Frage, wer von der Kanzel predigen dürfe. „Der Pfarrer hat nun mal das Kanzelrecht“, sagt Clement. „Wir sind eine evangelische Kirchengemeinde“, stellt er klar.

Clement vermisste Beistand der Kirchenleitung

Clement ärgert vor allem, wie die Auseinandersetzungen geführt worden seien. Anstelle offen miteinander zu reden, seien Beschwerdebriefe an den Dekan geschrieben worden. Eine Personalentscheidung, die 2017 zur Entlassung eines Mitarbeiters führte, sei mit der Mehrheit des Kirchenvorstandes getroffen worden. Der Vorfall landete­ als Dienstaufsichtsbeschwerde­ gegen Clement beim Dekan, schildert der Pfarrer.

Da die Vorwürfe ohne Substanz gewesen seien, zog sie der Urheber zurück. Mehr Unterstützung hätte sich der scheidende Pfarrer bei dieser Auseinandersetzung von der Kirchenleitung gewünscht. „Sie hätte in der Gemeindeversammlung klarstellen können, dass die Personalentscheidung angemessen war.“

Die Angriffe auf seine Arbeit setzten Clement zu. 2010 dachte er schon einmal daran, aufzuhören. Wegen der Kinder, die noch zur Schule gingen, blieb die Familie. 2017 aber reifte der Entschluss endgültig. „Ich habe hier Nerven gelassen.“ Bei der Feier zu seinem 25-jährigen ­Vikariat habe er aber erlebt, dass es vielen seiner Kollegen nicht anders ergangen sei, berichtet der 55-Jährige. „Viele sind Opfer von Mobbing geworden.“

Dekan Andreas Friedrich weiß, dass der Neubeginn in Bad Endbach nicht leicht wird – „Misstrauen bestimmt das Miteinander.“ Ein „Flügel“, so Friedrich, fühle sich mit seinen Vorstellungen von Gottesdienst zurückgesetzt und habe den Pfarrer und den Kirchenvorstand infrage gestellt. Die Folge: Die Mehrheit des Kirchenvorstands trat zurück. Seit 2018 ersetzt ihn ein Verwaltungsausschuss.

Dekan erwägt Einsatz von Supervisor

Anfang September will Friedrich sich mit dem Verwaltungsausschuss und Mitgliedern des ehemaligen Kirchenvorstands treffen. An der „Bilanzierung der Gemeindearbeit“ nimmt auch Pröpstin Annegret Puttkammer teil. Das Ziel ist, die Gräben zuzuschütten.

Dabei wird es auch um die Frage gehen, welchen Status der Kirchenvorstand als Leitungsgremium der Gemeinde habe. Der Dekan erwägt sogar, das Problem mit Supervision und externer Begleitung anzugehen. „Der Neuanfang soll dieses Mal gelingen – nach zwei nicht unproblematischen Abschieden.“ Denn auch einer der Vorgänger kehrte Bad Endbach den Rücken. Er kenne die Gerüchte, dieser sei im Amt von denselben Menschen zermürbt worden, sagt Friedrich.

Michael Clement blickt derweil nach vorn. Noch zwölf Jahre liegen bis zum Ruhestand vor ihm. „Man sollte nicht zulange­ Pfarrer an ein und demselben Ort sein“, sagt er. „Ich freue mich auf neue Begegnungen und ­Herausforderungen.“
Und dann schaut Clement doch noch mal zurück.

Gern hätte er mehr frischen Wind nach Bad Endbach gebracht, sagt er. Von zeitgemäßen Liedern etwa verspricht sich der Pfarrer, der selbst Gitarre spielt, Zulauf: „Es muss sich was tun in unserer Kirche.“ In guter Erinnerung blieben ihm die „vielen schönen Gottesdienste, die Feste und Gemeindeveranstaltungen“. Besonders freut Clement: „Junge Menschen haben zu mir gesagt, ich hätte sie im Konfirmandenunterricht zum Glauben geführt.“ Darauf lässt sich in der neuen Gemeinde auf-bauen.

von Regina Tauer