Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Parlament beschließt Konzept für Sackpfeife
Landkreis Hinterland Parlament beschließt Konzept für Sackpfeife
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 24.04.2022
Investitionen in die alten Lift- und Rodel-Anlagen auf der Sackpfeife wird es nicht mehr geben. Und das Geld für neue teure Freizeitanlagen fehlt im Moment. Um das Freizeitzentrum trotzdem für die Zukunft zu sichern, wollen die Biedenkopfer nun erst einmal kleine Schritte gehen. Bezahlbare, naturnahe Projekte für Familien, Wanderer und Radfahrer sind geplant, etwa Erlebnis- und Themenwanderwege, ein Barfußpfad und ein Mountainbike-Pump-Track.
Investitionen in die alten Lift- und Rodel-Anlagen auf der Sackpfeife wird es nicht mehr geben. Und das Geld für neue teure Freizeitanlagen fehlt im Moment. Um das Freizeitzentrum trotzdem für die Zukunft zu sichern, wollen die Biedenkopfer nun erst einmal kleine Schritte gehen. Bezahlbare, naturnahe Projekte für Familien, Wanderer und Radfahrer sind geplant, etwa Erlebnis- und Themenwanderwege, ein Barfußpfad und ein Mountainbike-Pump-Track. Quelle: Mark Adel
Anzeige
Biedenkopf

Das Freizeitzentrum Sackpfeife soll in den kommenden Jahren in kleinen Schritten naturnah weiterentwickelt werden. Das Biedenkopfer Parlament hat ein entsprechendes Stufenkonzept einstimmig beschlossen. Darüber hinaus haben die Stadtverordneten mit einem weiteren Beschluss den Weg für den Bau einer neuen Berggaststätte geebnet. Allerdings waren sich bei diesem Thema nicht alle Fraktionen einig.

Eine Arbeitsgruppe, in der alle sieben Parteien und Gruppen des Parlaments vertreten sind, hat in den vergangenen Monaten das neue Konzept für die Sackpfeife entwickelt. Es sieht vor, in Stufe 1 den Bebauungsplan für das Freizeitgelände zu erarbeiten. Das soll 2023 passieren. Stufe 2 des Konzeptes beinhaltet dann viele kleinere Projekte, die – so die Hoffnung der Parlamentsfraktionen – auch in Zeiten klammer Kassen für die Stadt machbar sein können.

Vorgesehen sind: ein Themenwanderweg, ein Erlebnisweg mit Audio-Guide, ein Barfußpfad, der Aufbau eines außerschulischen Lernortes, die Beschilderung von Wanderwegen, der Aufbau von Fahrradständern, E-Bike-Ladestationen und eines Verkaufsautomaten mit regionalen Produkten, die Einrichtung zweier Wohnmobilstellplätze, der Umbau der alten Scooter-Anlage zum Mountainbike-Pump-Track, eine Vergrößerung des Kinderspielplatzes, Veranstaltungen wie Open-Air-Kino oder Wildnis-Camps und ein Imbisswagen als Übergangslösung bis zum Neubau einer Berggaststätte.

Stufe 3 schließlich beinhaltet dann eben jenen Gaststätten-Neubau und weitere größere Projekte, nämlich die Errichtung eines Naturlehrhauses, einer Holzkugelbahn, einer Rutschenbahn und einer Spielgolfanlage. Erst in Stufe 4 ist dann der Rückbau der alten Rodel- und Lift-Anlage geplant, um eine neue Ganzjahresrodelbahn und auch noch einen Kletterturm zu bauen.

Die Beschilderung von Wanderwegen rund ums Freizeitzentrum Sackpfeife ist eines der Projekte, die die Stadt Biedenkopf zeitnah angehen will. Quelle: Susan Abbe (Archivfoto)

In welchem zeitlichen Rahmen die Stufen 2, 3 und 4 umgesetzt werden sollen, darauf legt sich das Parlament im neuen Konzept nicht fest. Grund dafür dürfte die große Unsicherheit, wie es wirtschaftlich weitergeht, sein. Wann die Stadt sich teure Bauten auf der Sackpfeife leisten kann, bleibt im Moment offen.

Dass Biedenkopf aber zumindest die kleineren Projekte der Stufe 2 zeitnah angehen will, daran ließen die Sprecher der Fraktionen im Parlament und zuvor in den Sitzungen des Bau- und des Hauptausschusses keinen Zweifel. Auf der Sackpfeife müsse sich jetzt schnell und sichtbar etwas tun, so der Tenor.

Und: Bewegung soll jetzt möglichst schnell auch in das seit Jahren stockende Thema des Berggaststätten-Neubaus kommen. 2018 hatte sich das Parlament auf einen Architekten-Entwurf festgelegt, der ein Gaststätten-Gebäude mit Pultdach für 1,38 Millionen Euro vorsah. Dabei sollte die Stadt maximal 750 000 Euro aus eigenen Mitteln plus 270 000 Euro aus Versicherungsleistungen zur Verfügung stellen. Die darüber hinaus fehlenden 360 000 Euro sollten aus Zuschüssen kommen. Und: Das Parlament beschloss damals auch, dass die Stadt erst mit dem Neubau loslegen darf, wenn sie einen Pächter für die Gaststätte gefunden hat.

Bis heute ist die Pächter-Suche indes erfolglos geblieben. Die Fraktionen von ZfB, CDU, SPD, UBL, Grünen und die FDP machten jetzt im Parlament deutlich, dass sie nicht mehr damit rechnen, dass die Stadt einen Pächter für eine ungebaute Gaststätte finden kann. Sie beantragten gemeinsam, den Parlamentsbeschluss von 2018 aufzuheben.

Den beteiligten Fraktionen ging es mit ihrem Antrag nicht nur darum, den Pächter-Vorbehalt zu streichen. Sie wollten auch vom bisherigen Gaststätten-Entwurf abrücken, um das Gebäude neu planen zu können. Ihrem Antrag zufolge ist „ein einfacheres, günstigeres gastronomisches Angebot auf der Sackpfeife“ das Ziel.

Beibehalten wollten die antragstellenden Fraktionen aber die Festlegung, dass der städtische Eigenanteil an den Kosten 750 000 Euro plus Versicherung nicht übersteigen darf. Alle Kosten, die darüber hinausgehen, müsste die Stadt auch dem neuen Antrag zufolge mit Zuschüssen decken.

Wunsch nach gastronomischem Angebot

Die Bürger wünschten sich, dass es wieder ein gastronomisches Angebot auf der Sackpfeife gibt, erläuterte der stellvertretende ZfB-Fraktionschef Christoph Cerny den gemeinsamen Berggaststätten-Antrag von ZfB, CDU, SPD, UBL, FDP und Grünen. Solange die Stadt aber gezwungen sei, zuerst einen Pächter zu finden, werde es mit der Berggaststätte nicht vorangehen. „Nach knapp fünf Jahren ist es Zeit, neue Wege zu beschreiten“, warb Cerny dafür, den 2018er-Beschluss aufzuheben. SPD-Fraktionschef Christoph Schwarz ergänzte, dass das Parlament auch in Zukunft die Kontrolle über die Kosten behalte, da der städtische Eigenanteil ja weiterhin auf 750 000 Euro begrenzt bleibe.

Dem stimmten fast alle anderen Fraktionen zu. Nur der BB scherte aus. Fraktionschef Michael Miss erklärte, der BB wäre bereit, vom 1,38 Millionen Euro teuren bisherigen Gaststätten-Entwurf abzurücken und den Neubau kleiner zu planen. Den Pächter-Vorbehalt werde der BB aber nicht aufgeben. Denn es müsse vermieden werden, dass die Stadt eine Gaststätte baue, für die sich am Ende womöglich kein Pächter finde.

Unverständnis äußerte Miss auch darüber, dass die städtischen Kosten weiterhin bei 750 000 Euro plus Versicherung gedeckelt werden sollen. Wenn angestrebt sei, eine einfachere Gaststätte als die bisher geplante zu bauen, seien die Kosten niedriger anzusetzen. 750 000 Euro plus Versicherung und Zuschüsse – „das ergibt keine kleine Gastronomie“, sagte Miss. Positiv bewertete der BB-Fraktionschef hingegen das neue Sackpfeifen-Stufenkonzept.

Konzept sei naturnah und nachhaltig, so Achenbach

Auch die Sprecher der anderen Fraktionen lobten, dass die Stadt mit dem Konzept auf einem guten Weg sei. Das Konzept sei naturnah und nachhaltig, sagte der stellvertretende CDU-Fraktionschef Jochen Achenbach. „In Stufe 2 haben wir Maßnahmen gefunden, die wir mit wenig Geld schnell umsetzen können“, so Achenbach. Wichtig sei nun, dass das Parlament im Haushalt 2023 auch tatsächlich das nötige Geld bereitstelle. Positiv hob Achenbach hervor, dass die Stadt bereits für 2022 plane, den Spielplatz auf der Sackpfeife ganz neu zu gestalten. Später könne der Spielplatz dann noch erweitert werden.

Dominik Weimann (ZfB) erklärte, Ziel des neuen Konzeptes sei es, die Sackpfeife in kleinen Schritten als naturnahes Erlebniszentrum zu entwickeln und „gut durchdacht und sinnvoll zu reaktivieren“. SPD-Fraktionschef Christoph Schwarz sprach davon, „eine naturnahe Erlebniswelt, für die man nicht viel Geld braucht“, zu entwickeln. Familien sollten sich den Besuch leisten können. Aber auch für Wanderer solle die Sackpfeife attraktiv sein. Projekte wie das Naturlehrhaus oder der Barfußpfad seien wichtig. Kitas und Schulen sollten in die Entwicklung der Sackpfeife eingebunden werden.

Auch Grünen-Fraktionschef Matthias Peuckert lobte das Konzept. Er betonte aber auch, dass ohne Naturschutz ein naturnahes Freizeitzentrum keine Zukunft habe. „Für Wildnis-Pädagogik braucht man Wildnis“, sagte Peuckert.

Am Ende sprachen sich die Stadtverordneten einstimmig für das Stufenkonzept aus. Den Berggaststätten-Beschluss fasste das Parlament mit klarer Mehrheit: Es gab 24 Ja-Stimmen, 7 Nein-Stimmen vom BB sowie eine Enthaltung.

Von Susan Abbe