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Hinterland Der Königin neue Kleider
Landkreis Hinterland Der Königin neue Kleider
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18:57 16.08.2020
Der neue Sommermantel sitzt angenehm: Melanie Krämer-Kowallik und Kirschenkönigin Sophia Krämer haben bei der Anprobe trotz der Hitze ihren Spaß. Quelle: Michael Tietz
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Römershausen

34 Grad, der Mantel sitzt. Freudestrahlend genießt Kirschenkönigin Sophia Krämer die Anprobe – trotz der hochsommerlichen Temperaturen.

Ihre neue Dienstkleidung ist fast fertig. Majestätische Kreativität und handwerkliches Geschick sind in den leichten, grün-gelben Sommerumhang eingeflossen.

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Ein Hauch von Nostalgie schwinge schon mit, gesteht Melanie Krämer-Kowallik an diesem Vormittag im Garten vor ihrem Atelier „Einzigartig“ in Römershausen.

„Über diesen Auftrag habe ich mich sehr gefreut“

Denn sie und ihr junger Gast verbindet die Begeisterung für ein besonderes Amt: das der Gladenbacher Kirschenkönigin. Für Sophia Krämer hat gerade das zweite Jahr ihrer Regentschaft begonnen, Melanie Krämer-Kowallik war 1996 während des Kirschenmarkts gekrönt worden.

Da verwundert es nicht, wenn die Römershäuserin nun beim Blick auf ihre jüngste Näharbeit von einem „Herzensprojekt“ spricht. „Über diesen Auftrag habe ich mich sehr gefreut und er war auch eine willkommene Abwechslung“, erzählt Melanie Krämer-Kowallik.

Ein Anruf einer weiteren Kirschenkönigin brachte das Vorhaben ins Rollen. Elvyra Krüger – sie war 1978 in das majestätische Ehrenamt gewählt worden – meldete sich im Auftrag ihres Arbeitgebers, der Gladenbacher Gesellschaft „Stadtentwicklung – Energie – Bäder“ (SEB), im Atelier und bat um ein Angebot für einen neuen Sommermantel. Den soll die Kirschenkönigin künftig bei Auftritten während der warmen Jahreszeit tragen.

Schnittmuster entstand in Eigenarbeit

Diese Offerte konnte Melanie Krämer-Kowallik natürlich nicht ausschlagen. Sofort machte sie sich an die Arbeit. Als Vorlage diente der in die Jahre gekommene Wintermantel der Kirschenkönigin. Der besteht außen aus Samt, innen aus Satin und wiegt fast zwei Kilo. Viele schöne Erinnerungen verbindet Melanie Krämer-Kowallik mit ihrer einjährigen Amtszeit.

Ihr Krönchen trug sie auch bei ihrer Hochzeit, heute hat das glitzernde Andenken einen Ehrenplatz zu Hause. Als sie nun den Mantel der Kirschenkönigin wieder in den Händen hielt, habe sie ihn umgehend noch einmal anziehen müssen, gesteht die Römershäuserin mit einem Schmunzeln.

Das Schnittmuster für den neuen Sommermantel entstand in Eigenarbeit. Dazu legte sie den alten Wintermantel auf den Boden und zeichnete ihn Stück für Stück ab. Eine Vorgabe machte der Auftraggeber: Der neue Umhang müsse seinem Vorgänger ähneln, auch in den Farben. Ein bisschen moderner sollte er dann aber doch werden.

„Der Mantel ist wirklich schön geworden“

Riesige Stoffbahnen rollte Melanie Krämer-Kowallik einmal quer durch das Wohnzimmer aus, schnitt diese zurecht und nähte dann die zwei Lagen Satin zusammen. „Das war eigentlich gar nicht so schwierig“, erzählt sie. Etwa 16 Stunden Arbeit stecken in dem Kleidungsstück, inklusive der Zeit für das Zeichnen und Ausmessen. Kleine Hingucker sind die dezent eingesetzten, goldfarbenen Applikationen sowie das aufgestickte Logo „Gladenbach hat’s“ in den Stadtfarben Grün und Gelb mit den beiden roten Kirschen.

„Vielen Dank und Respekt, der Mantel ist wirklich schön geworden – ich könnte so etwas nicht nähen“, freut sich Sophia Krämer während der Anprobe. Der neue Mantel sei deutlich dünner als der alte. „Er ist angenehm zu tragen, so schön weich“, schwärmt die aktuelle Kirschenkönigin. Nun hofft die 18-Jährige, dass sie das neue Kleidungsstück bald bei offiziellen Terminen präsentieren kann. Wegen der Corona-Pandemie stehen die nächsten Auftritte allerdings noch in den Sternen.

Auch der Prinz bekommt ein neues Kleidungsstück

Für Melanie Krämer-Kowallik ist die Arbeit an ihrem „Herzensprojekt“ noch nicht ganz abgeschlossen. Die Schnalle fehlt bisher, sie wird in den nächsten Tagen an den Mantel genäht. Und dann bekommt Sophias Prinz Lennard Müller eine neue Weste, ebenfalls aus dünnem Satin.

„Wenn Stoff übrig bleibt, werde ich daraus auch noch Masken nähen – für eure kurzen Auftritte“, verspricht Melanie Krämer-Kowallik. Eine gelbe Mund-Nasen-Bedeckung aus Baumwollstoff mit dem Kirschen-Logo hat sie für Sophia Krämer bereits angefertigt. „Die dürfte aber gerne etwas majestätischer sein, außerdem brauchen wir die Masken wohl noch etwas länger“, sagt Melanie Krämer-Kowallik.

Und vielleicht bekommt sie von der Stadt auch den Auftrag, Ersatz für den alten Wintermantel der Kirschenkönigin zu schaffen. An einigen Stellen hat sie diesen zwar geflickt. „Ein neuer wäre sicherlich mal angebracht, denn der alte schaut nicht mehr so glanzvoll aus“, sagt die Römershäuserin.

Von Michael Tietz