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Hinterland Neuer Laden mit alten Büchern
Landkreis Hinterland Neuer Laden mit alten Büchern
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17:48 21.10.2013
Von Anna Ntemiris
Rouven Maid (von links), Otto W. Plocher, Sonja Kretzer und Marc Daniel Kretzer bei der Eröffnung des Ladenantiquariates in der Barfüßerstraße 18.Foto: Schubert Quelle: Manfred Schubert
Marburg

Die Fluktuation in der Marburger Oberstadt ist eigentlich so hoch, dass die Neueröffnung eines Ladengeschäftes nichts Besonderes darstellt. Doch verwundert es, wenn es jemand wagt, dort ein Antiquariat zu eröffnen. Sowohl in Marburg als auch bundesweit mussten in den vergangenen 20 Jahren viele Ladenantiquariate, besonders in Innenstadtlagen, schließen. Der Handel mit gebrauchten Büchern hat sich mittlerweile größtenteils in das Internet verlagert. Doch Marc Daniel Kretzer schreckt das nicht ab - er geht nun den umgekehrten Weg.

Seit 2004 führt der 33-Jährige in Kirchhain-Stausebach ein Versandantiquariat mit inzwischen sieben festen und zwei freien Mitarbeitern. Seine Leidenschaft entdeckte er bereits früh. Schon als Siebtklässler begann er, „zu suchen, was ich damals für alte Bücher hielt“, erzählt er. Ab 2000 studierte er daher Klassische Philologie, Geschichte und Philosophie an der Philipps-Universität und suchte nach einem Nebenjob in einem der hiesigen Antiquariate. Den fand er damals zwar nicht, doch ein Kollege gab ihm einige Bücher, um sie in Kommission zu verkaufen. Darunter eine handschriftliche Vorlesungsmitschrift aus der Zeit des 30-jährigen Krieges. Er betrieb Recherchen darüber und machte die Erfahrung, dass man solche Bücher auch zu hohen Preisen verkaufen kann.

Antiquariat soll zum Stöbern einladen

2004 zog Kretzer mit seiner Familie nach Stausebach in einen restaurierten Bauernhof. Denn dort und in der Umgebung ergaben sich Möglichkeiten, die inzwischen etwa 90000 bis 100000 Bücher umfassenden Bestände seines Versandhandels günstig zu lagern. Doch eine Rückkehr in die Stadt blieb immer sein Ziel.

„Ich habe mich über die Jahre immer wieder nach einem Laden in Marburg umgeschaut, aber bis vor kurzem nicht das Passende gefunden“, berichtet Kretzer.

Der Versandhandel sei etwas Virtuelles und Unpersönliches. In einem klassischen Antiquariat komme man dagegen mit Leuten und Büchern direkt in Kontakt, begründet er seinen Wunsch. Nun wurde er schließlich fündig. Im früheren christlichen Buchladen Quo Vadis in der Barfüßerstraße 18, präsentiert er sich nun dem passenden Milieu in der alten Bildungs- und Universitätsstadt Marburg.

Es gehe nicht nur darum, auf den 75 Quadratmetern Fläche Bücher anzubieten, die sich im Laden besser als im Versand verkaufen lassen, sondern vor allem auch Bücher für den Ankauf angeboten zu bekommen. Zu diesem Zweck sollen möglichst immer zwei Mitarbeiter vor Ort sein, meist Kretzer selbst und sein Kollege Rouven Maid. Dazu wurde die Buchhaltung in den Büroraum des Ladens verlegt. Entgegen der Akzentuierung des Versandantiquariates wird die Theologie als Sachgebiet im Laden aber keine Hauptrolle spielen und nur einen Teil des Schwerpunktes Geisteswissenschaften bilden. Im Sortiment sind neben neueren und preiswerten Büchern auch wertvolle, Jahrhunderte alte Werke. „Wir wollen zur physischen Präsenz schöner Bücher in der Öffentlichkeit beitragen, mit einem niedrigschwelligen Angebot neue Interessenten ansprechen“, erklärte Kretzer. Das Geschäft soll zum Stöbern, Lesen, Entdecken und Verweilen einladen.

Hinzu kommt eine kleine Auswahl gebrauchter Hörbücher und Filme, ein Bestellservice für neue Bücher sowie Postkarten und Geschenke rund um das Thema Buch. Auch Veranstaltungen seien vorgesehen - eine erste Lesung mit dem Marburger Historiker Professor Ulrich Sieg ist bereits für den Februar geplant.

Der Versandhandel wird das Hauptstandbein von Kretzers Geschäft bleiben und soll noch weiter ausgebaut werden. Aber auch der Laden solle kein Dauerzuschussgeschäft werden, betont Kretzer.

Die Eröffnung sei ein bewusstes Experiment gegen den Trend zur Virtualisierung des Handels mit gebrauchten Büchern und enthalte viele Unwägbarkeiten. Zunächst einmal wolle man bis Ende 2014 schauen, ob er sich trage. Zumindest am ersten Öffnungstag war der Andrang jedenfalls unerwartet hoch.

von Manfred Schubert

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