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Hinterland Neue Pläne für das alte Badgelände
Landkreis Hinterland Neue Pläne für das alte Badgelände
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16:58 25.09.2021
So könnte das neue Seniorenwohnheim auf dem ehemaligen Wallauer Badgelände nach den Plänen der Architekten aussehen.
So könnte das neue Seniorenwohnheim auf dem ehemaligen Wallauer Badgelände nach den Plänen der Architekten aussehen. Quelle: Stadt Biedenkopf
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Wallau

Ein großes Pflegeheim könnte auf dem unteren Teil des alten Wallauer Badgeländes entstehen. Gleich neben dem Mehrgenerationenplatz, der bald gebaut werden soll. Die Pflegeheim-Pläne hat jetzt der Biedenkopfer Magistrat veröffentlicht. Die in Wallau starke UBL übt massive Kritik an dem Vorhaben. Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) betont aber, dass die Stadt dringend Pflegeplätze brauche.

Vor 15 Jahren wurde das Bad in Wallau geschlossen. Seither gab es viele Diskussion, wie das 10.000 Quadratmeter große Gelände genutzt werden soll. Das Parlament entschied schließlich, die Fläche zu teilen. Im oberen Bereich soll auf 4.150 Quadratmetern ein neuer Mehrgenerationenplatz entstehen. Nach langer Planung soll der Bau dieses Freizeitgeländes nun bald beginnen.

Bauland für Einfamilienhäuser

Auf dem unteren Teil des alten Badgeländes – etwa 4.300 Quadratmeter groß – sollte eigentlich Bauland für Einfamilienhäuser entstehen. Doch jetzt liegt für diese Fläche ein anderer Planentwurf auf dem Tisch: Die „Deutscher Gemeinschafts-Diakonieverband GmbH“ (DGD GmbH) will ein Pflegeheim bauen, und zwar als Ersatz für das bisher in Biedenkopf ansässige „Alten- und Pflegeheim Tannhäuser“.

Der Planentwurf sieht ein Gebäude mit Erdgeschoss und drei Etagen vor. Das Haus soll 75 Plätze bieten, wie Willi Feldkamp von der DGD erklärt. Das bisherige Pflegeheim „Tannhäuser“ hat laut Feldkamp nur 49 Plätze. Am neuen Standort in Wallau sind den Plänen zufolge Wohngruppen vorgesehen, zu denen jeweils etwa ein Dutzend Wohnungen gehören. Darüber hinaus sind ein Pflege- und ein Palliativbereich sowie Räume für Personal und Verwaltung geplant. Eine baurechtliche Hürde besteht darin, dass der geplante Pflegeheim-Neubau laut Magistrat nicht den Vorgaben des gültigen Bebauungsplans entspricht.

Umsetzung des Pflegeheim-Projekts

Erstens überschreite das Gebäude im Norden – also in Richtung des künftigen Mehrgenerationenplatzes – die Baugrenze. Zweitens entspreche es nicht der im Bebauungsplan vorgesehenen „offene Bauweise“. Drittens sieht der Bebauungsplan eine Dachneigung von mindestens 30 Grad vor; das Pflegeheim soll aber ein Flachdach erhalten. Und viertens sieht der Bebauungsplan eine Traufhöhe von 6,50 Meter vor; das geplante Pflegeheim soll aber bis zu 5,40 Meter höher werden.

Nach Einschätzung des Magistrats könnte das Pflegeheim-Projekt trotz dieser Abweichungen umgesetzt werden. Möglich wäre das, indem der Magistrat in den genannten Punkten „Befreiungen“ vom Bebauungsplan erteilt. Laut Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) ist das ein bei vielen Bauprojekten übliches Vorgehen. Auch die Bauaufsicht hält laut Stadt die Abweichungen vom Bebauungsplan im Falle des Pflegeheims für genehmigungsfähig.

Ein „Skandal“

Auf massiven Widerstand stoßen die Pläne hingegen bei der in Wallau starken UBL. In einem offenen Bürgerbrief kritisiert die UBL, dass ein „Schloss Schreckenstein“ unterhalb des neuen Mehrgenerationenplatzes entstehen solle. Der Ortsbeirat sei nicht beteiligt, Anlieger nicht informiert worden. Die UBL spricht von einem „Skandal“.

Der geplante Neubau sei so groß wie „zweieinhalb Großsporthallen quer“ und werde 15,42 Meter hoch. Die Bauträgerin bekomme das Gelände für „einen Appel und ’n Ei“, und zwar „ohne das Verfahren nach Recht und Gesetz sowie den üblichen Beteiligungsmaßnahmen durchzuführen“. Weniger scharfe Töne schlägt Wallaus Ortsvorsteher Jörg Sperling (UBL) im Gespräch mit der Presse an. Aber auch er zeigt sich „irritiert“. Er habe gewusst, dass es eine Anfrage vom „Tannhäuser“ an die Stadt gab, sagt Sperling.

Keine konkreten Antworten

Bisher habe die UBL auf Nachfragen im Parlament aber nie konkrete Antworten bekommen. Jetzt auf einmal lege die Stadt „ausgereifte Planungen“ vor. „Das ist ein gewaltiges Gebäude. Da muss man einfach fragen, ob das dahin passt“, sagt Sperling. Die Wallauer hätten sich damit abgefunden, dass unterhalb des neuen Mehrgenerationenplatzes Einfamilienhäuser entstehen. Konsens sei dabei gewesen, dass der Blick ins Tal erhalten bleibe.

„Wenn man jetzt so einen Klotz dahin baut, werden die Leute vom Mehrgenerationenplatz aus nur noch auf den Klotz gucken“, sagt Sperling. Das Freizeitgelände werde so von vorn herein entwertet. Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) zeigt Verständnis dafür, wenn Wallauer die Pläne kritisch sehen. „Was aber nicht geht, ist, dass die UBL hier die Stadtverwaltung oder mich als Bürgermeister persönlich angreift“, sagt Thiemig.

Zwei Punkte für Sitzung

Niemand habe „klammheimlich“ geplant; der Ortsbeirat sei nicht widerrechtlich übergangen worden; und die Stadt verscherbele das Baugrundstück nicht unter Wert, weist Thiemig die Vorwürfe der UBL zurück. „Hier wird etwas skandalisiert, was kein Skandal ist“, sagt Thiemig. Tatsächlich habe der Magistrat sich entschieden, die Öffentlichkeit zum frühestmöglichen Zeitpunkt einzubeziehen. Aktuell gebe es lediglich einen Planentwurf. „Uns liegt ja noch nicht mal ein Bauantrag vor“, sagt Thiemig und ergänzt: „Es ist bisher noch nichts entschieden.“

Das Parlament habe in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag (30. September) über zwei Punkte zu befinden. Einer ist als Grundstücksangelegenheit Wallau in der Tagesordnung vermerkt. Dann diskutiert und entscheidet das Parlament nicht öffentlich. „Ich kann öffentlich nicht über Euros reden“, sagt Thiemig mit Blick auf die Grundstücksverhandlungen. Aber über den Preis entscheide am Ende natürlich das Parlament, so der Bürgermeister.

Wie steht das Parlament zum Bauvorhaben?

Das zweite Thema in der Parlamentssitzung wird der Planentwurf für das Pflegeheim sein. Dabei gehe es zunächst darum, ob das Parlament den Entwurf „zustimmend zur Kenntnis“ nimmt. Hintergrund sei, dass die DGD GmbH frühzeitig wissen wolle, wie das Parlament generell zu dem Bauvorhaben stehe. Der Bürgermeister gibt dabei zu bedenken, dass der Bedarf an Pflegeplätzen im Stadtgebiet hoch sei. Zugleich sei es leider so, dass der jetzige Biedenkopfer Standort des Pflegeheims „Tannhäuser“ nicht auf Dauer weiterbetrieben werden könne.

„Die Stadt hat ein hohes Interesse, dass die Einrichtung im Stadtgebiet erhalten bleibt“, sagt Thiemig. Und das Wallauer Badgelände sei im Moment nun mal das einzige Grundstück im Stadtgebiet, auf dem ohne allzu großen zeitlichen Vorlauf ein Pflegeheim-Neubau realisiert werden könne. Zugleich betont Thiemig, dass eine Senioreneinrichtung in direkter Nachbarschaft auch belebend auf den künftigen Mehrgenerationenplatz wirken könne.

Von Susan Abbe

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