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Hinterland Neue Kreisstraße in sieben Etappen
Landkreis Hinterland Neue Kreisstraße in sieben Etappen
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13:00 26.12.2021
Viel befahrene Zufahrt zu den Schulstandorten in Gladenbach: Die Kreuzung von Ferdinand-Köhler-Straße, Burgstraße und Mozartstraße erhält im Zuge des Ausbaus der K 117 ein neues Aussehen – ein Kreisel entsteht dort aber nicht.
Viel befahrene Zufahrt zu den Schulstandorten in Gladenbach: Die Kreuzung von Ferdinand-Köhler-Straße, Burgstraße und Mozartstraße erhält im Zuge des Ausbaus der K 117 ein neues Aussehen – ein Kreisel entsteht dort aber nicht. Quelle: Foto: Michael Tietz
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Gladenbach

Mit fast einem Jahr Verspätung packen der Landkreis Marburg-Biedenkopf und die Stadt Gladenbach das Bauprojekt an. Mehr als 1,6 Millionen Euro fließen in die Kreisstraße 117, die sich durch die Kernstadt bis nach Kehlnbach schlängelt. Fahrbahn, Gehwege und Versorgungsleitungen werden erneuert. Der Startschuss soll im Frühjahr erfolgen.

Ursprünglich wollte Hessen Mobil die Bagger schon in diesem Sommer anrollen lassen. Doch die Planungen für den Ausbau der gut zwei Kilometer langen K 117 brauchten mehr Zeit. Neben Kreis und Stadt sitzen die Zweckverbände Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) und Abwasserwerke (ZMA) sowie der Energieversorger EAM mit im Boot. Die Ausschreibung der Bauarbeiten ist angelaufen.

Die Kreisstraße ist eine wichtige Verkehrsader in Gladenbach. Sie führt zu den beiden Schulstandorten, zum Freizeitbad „Nautilust“ und zum Pflegezentrum der Arbeiterwohlfahrt. Besonders holprig ist der abschüssige Abschnitt Kehlnbacher Straße.

„Je nach Schadensbild wird die Fahrbahn zum Teil grundhaft erneuert, zum Teil werden die oberen Asphaltschichten saniert“, erklärt Bettina Amedick von Hessen Mobil. Außerdem werden die Kurvenradien optimiert. „Um zukünftig zu vermeiden, dass lange Fahrzeuge die Gehwege überfahren“, so die Pressesprecherin des Straßen- und Verkehrsmanagements.

Die größte bauliche Veränderung im Straßenkörper ist an der Einmündung zur Mozartstraße, der Zufahrt zur Großsporthalle, vorgesehen. Dort wird der Platz für Fußgänger vergrößert, der Straßenverlauf macht dann einen kleinen Schlenker. So soll verhindert werden, dass Fahrzeuge geradeaus von der Kehlnbacher Straße in die Burgstraße rauschen, wo sich ein Zebrastreifen befindet.

Die Fraktionen von SPD und Freien Wählern machten sich in der Stadtverordnetenversammlung dafür stark, den Kreuzungsbereich durch einen Kreisel zu ersetzen. Als Vorbild sollten die Anlagen am Rathaus und Freizeitbad dienen. Die Straßenbaubehörde riet davon allerdings ab. Begründung: An dem Knotenpunkt gebe es keine Miss­stände, die einen größeren Umbau rechtfertigten. Die Kosten für den Kreisel hätte die Stadt daher alleine schultern müssen.

Für den reinen Straßenausbau ist dagegen der Kreis zuständig. Der plant mit ­Gesamtkosten in Höhe von rund 1,14 Millionen Euro. Davon trägt das Land Hessen 800 000 Euro. Einen entsprechenden Zuschuss sagte Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir Ende November zu. Somit verbleiben für den Kreis etwas mehr als 300 000 Euro.

Auf die Anwohner kommen 75 Prozent der Kosten zu

Neben der maroden Fahrbahn weisen die Gehwege teilweise erhebliche Schäden auf. Dort bildeten sich über die Jahre Vertiefungen, außerdem bröckelt der Bordstein. Die Bürgersteige sind stellenweise schmaler als der Mindestrichtwert von 1,5 Metern.

Auf einer Länge von rund 700 Metern lässt die Stadt deshalb die Gehwege erneuern. Dies betrifft den Abschnitt vom Freizeitbad hinauf zum Awo-Pflegezentrum. Das Teilstück an der Einfahrt zur Schloßallee wird ausgespart – dort sind bereits neue Pflastersteine verlegt worden.

Damit Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen und sehbehinderte Menschen künftig leichter auf die andere Straßenseite kommen können, werden barrierefreie Übergänge mit abgesenktem Bord geschaffen.

Das Planungsbüro bezifferte den finanziellen Aufwand für die neuen Bürgersteige vor einem Jahr auf fast 600 000 Euro. Der genaue Betrag steht erst fest, wenn das Ergebnis der Ausschreibung vorliegt.

Dann sollen die Anlieger während einer Bürgerversammlung darüber informiert werden, was auf sie zukommt. Nach Auskunft von Bürgermeister Peter Kremer sollen sie 75 Prozent der Kosten für die Gehwege tragen, die Stadt trägt den Rest. Ein solches Abrechnungsmodell für einen Fußweg entlang einer Kreisstraße sei legitim, erklärt Kremer.

Er verweist auf eine ähnliche Finanzierungsvariante für eine Landesstraße in Lohra. Vor einem Jahr war noch die Rede davon, dass sich Anlieger und Stadt die Kosten je zur Hälfte teilen.

Das Land wollte sich mit 237 000 Euro an der Verbreiterung der Gehwege in der Ortsdurchfahrt und der Anlage von Querungshilfen für Fußgänger beteiligen. Dieser Zuschuss wird nach Auskunft des Bürgermeisters nun aber nicht in voller Höhe ausgezahlt, da die Stadt ihren Anteil an den Kosten reduziert hat.

Erste Baustelle am Nautilust-­Kreisverkehr

Im Zuge der Bauarbeiten soll der Felshang entlang der freien Strecke hinter dem Ortsausgang in Richtung Kehlnbach gesichert werden. Die Versorgungsunternehmen sind ebenfalls gefordert. Sie bringen die unterirdische Infrastruktur – Kanal, Wasser, Strom und Gas – in Schuss.

„Es ist geplant, die Bauarbeiten in sieben Abschnitte zu unterteilen“, erklärt Bettina Amedick. Los geht es am Kreisverkehr vor dem Freizeitbad „Nautilust“ in Richtung Kehlnbach. Auf der letzten Etappe widmen sich die Straßenbauer dann dem Teilstück der Ferdinand-Köhler-Straße vom Kreisel bis zur Bundesstraße 453.

In den ersten Bauphasen soll die innerörtliche Umleitung durch die Burgstraße erfolgen, im Bereich der Europaschule durch die Schloßallee und Ernst-Leinbach-Straße. Auch der Busverkehr soll zu Beginn über die Burgstraße laufen – mit einer Ersatzhaltestelle unterhalb des Rathauses in der Ringstraße, der derzeitigen Schulbushaltestelle.

Wer im weiteren Verlauf der Arbeiten Kehlnbach ansteuern will, muss den Umweg über Weidenhausen, am Sportplatz vorbei, wählen. Hessen Mobil hat die Sperrabschnitte und Umleitungen bereits mit den zuständigen Behörden und dem öffentlichen Nahverkehr abgestimmt.

„Nach derzeitigem Planungsstand ist der Baubeginn nach der Frostperiode im Frühjahr 2022 vorgesehen – wenn es die Witterung zulässt. Bis Ende 2023 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein“, erklärt Bettina Amedick. Die detaillierten Bauzeiten werden erst nach der Auftragserteilung abgestimmt.

Von Michael Tietz

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