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Hinterland Neue Ideen für alte Brauerei
Landkreis Hinterland Neue Ideen für alte Brauerei
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16:00 05.11.2021
Die alte Brauerei in Wolzhausen soll ein Event- und Technologiezentrum werden. Diese Vorstellung hat zumindest Markus Hansel vom Ortsbeirat.
Die alte Brauerei in Wolzhausen soll ein Event- und Technologiezentrum werden. Diese Vorstellung hat zumindest Markus Hansel vom Ortsbeirat. Quelle: Archivfoto: Sascha Valentin
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Wolzhausen

Hat das alte Brauhaus in Wolzhausen überhaupt noch eine Zukunft? Wenn es nach Markus Hansel vom Ortsbeirat geht, auf jeden Fall. In der jüngsten Sitzung hat er seine Pläne für ein Event- und Technologiezentrum vorgestellt, das in den Gebäuden des Brauhauses untergebracht werden könnte.

Seine Kernidee ist eine Art Gründerzentrum, das jungen Unternehmern und Start-ups bei der Verwirklichung ihrer Geschäftsidee behilflich sein soll. Hansel weiß, wovon er redet. Vor zehn Jahren hat er sich selbstständig gemacht und „es ist ein schwerer Weg dahin“, betonte er.

In diesem Technologiezentrum könnten den Gründern nicht nur Räume zur Verfügung gestellt werden, sondern auch fachliche Hilfe geleistet werden – etwa durch Beratungen und Workshops. Ausreichend Platz wäre vorhanden, sagte Hansel. Immerhin umfasst das gesamte Areal vier Gebäude, darunter auch ein vierstöckiges, in dem „viele Räume zur Verfügung stehen würden“, so Hansel.

Die nächsten Zentren dieser Art gebe es in Marburg und Siegen, sodass in Breidenbach, das ziemlich genau in der Mitte zwischen beiden Städten liegt, durchaus Potenzial vorhanden sei. „Zumal es bei uns in der Gegend viele kreative Köpfe gibt, denen mit einem solchen Angebot geholfen werden könnte, sich selbst zu verwirklichen“, erklärte Hansel.

Umfassende Sanierung

Seine Idee ist damit aber nicht erschöpft. Neben dem Gründerzentrum könnten die ehemaligen Brauerei-Gebäude auch für verschiedene Events wie Kinovorführungen, Ausstellungen oder Konzerte genutzt werden. Selbst Dienstleistungen wie Ärztesprechstunden oder regelmäßige Friseurtermine hält Markus Hansel in den Räumen für möglich.

Voraussetzung für all das ist natürlich eine umfassende Sanierung – und da fangen die Probleme an, wie Bürgermeister Christoph Felkl (SPD) befürchtet. Grundsätzlich sei er von der Idee Hansels begeistert, sagte Felkl in der Sitzung. Ein Problem sei aber, dass Teile der Gebäude unter Denkmalschutz stehen, was eine Sanierung zusätzlich verteuert, da sie nach bestimmten Kriterien der Behörde ausgeführt werden muss. Deswegen seien ja auch die Pläne der mehrfach wechselnden Besitzer der vergangenen Jahre gescheitert, die alle mehr oder weniger mit dem Gedanken an ein Hotel gespielt haben. „Wir haben uns dann als Kommune aus den Planungen verabschiedet, als ein Gutachter einen erschlagenden Preis für eine Sanierung genannt hat“, betonte Felkl.

Auch die anderen Ortsbeiratsmitglieder stehen der Initiative Hansels grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, hegen aber auch Bedenken. So wies Jürgen Lenz etwa darauf hin, dass sich das Gebäude mitten im Wohngebiet befinde und bei allen Planungen auch die eventuellen Belastungen für die Anlieger bedacht werden müssten.

Der frühere Ortsvorsteher Fred Kremer gab zu bedenken, dass, sollte wirklich ein Komplex in diesem Umfang entstehen, es möglicherweise Probleme mit Parkplätzen im Umfeld gebe.

Allerdings habe die von Hansel skizzierte Entwicklung sicherlich auch ihren Reiz, sagte Lenz. Wenn es gelänge, die Brauerei tatsächlich so multifunktional zu nutzen, „dann müsste man vielleicht auch weiterdenken, ob nicht alle Veranstaltungen im Bürgerhaus auch dort stattfinden könnten“. Denn ein Event- und Technologiezentrum würde dauerhaft genutzt, während im Bürgerhaus nur sporadisch Veranstaltungen stattfinden. Damit könnte das Bürgerhaus unter Umständen überflüssig werden.

Christoph Felkl mahnte jedoch, dass es bis dahin ein weiter Weg wäre. Als erster Schritt müsste ohnehin der Kontakt zum derzeitigen Eigentümer gesucht und überprüft werden, ob der verkaufsbereit sei. Erst danach stelle sich die sicherlich entscheidende Frage nach der Finanzierung eines solchen Projekts, sagte Bürgermeister Felkl. Markus Hansel will seine Idee aber auf jeden Fall erst einmal weiter vorantreiben, betonte er.

Von Sascha Valentin