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Hinterland Nachweis: Wolf bei Wiesenbach
Landkreis Hinterland Nachweis: Wolf bei Wiesenbach
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10:59 29.05.2022
Gibt es im Hinterland mehrere Wölfe oder nur den einen, der bei Wiesenbach nachgewiesen wurde?
Gibt es im Hinterland mehrere Wölfe oder nur den einen, der bei Wiesenbach nachgewiesen wurde? Quelle: Patrick Pleul
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Wiesenbach

Nahe des Breidenbacher Ortsteils ist ein Wolf nachgewiesen worden. Nach Ansicht der hessischen Wolfsbeauftragten Susanne Jokisch vom Wolfszentrum handelt es sich vermutlich um ein Tier, das durch die Region gewandert ist. Ein heimischer Tierarzt ist anderer Meinung.

Am 9. April war bei Wiesenbach eine Kotprobe genommen worden, die von der Wildtiergenetik des Senckenberg-Instituts ausgewertet wurde. Die Analyse ergab den Wolfsnachweis. Gefunden wurden die Kotspuren von einer Pferdebesitzerin. Im vergangenen Jahr war eines ihrer Fohlen gerissen worden – möglicherweise von einem Wolf.

„Seitdem hat sie immer die Augen offengehalten“, sagt Tierarzt Dr. Michael Weiler. Er ist im privaten Netzwerk „Wolf-Monitor Hessen“ aktiv und schickte die Probe an das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), wo das Wolfszentrum ansässig ist.

Jokisch bestätigte auf Nachfrage, dass durch die Analyse ein Wolf nachgewiesen wurde, und zwar mit dem in Deutschland häufigen Haplotyp (genetische Gruppe) HW01. Die Probe soll nun detaillierter untersucht werden. Dann ist klar, ob es sich um ein bekanntes Tier handelt.

Michael Weiler hatte schon aufgrund der Kotspuren – Fachleute sprechen von Losung – vermutet, dass es sich um einen Wolf handele. Darauf hätten unter anderem Fellreste hingedeutet.

Seiner Ansicht nach steht der Nachweis im direkten Zusammenhang mit dem Riss einer Ziege am ersten Mai-Wochenende nahe Achenbach. Dort hatte keine Probe entnommen werden können, weil der Kadaver fehlte. Es gab aber Fotos: „Das war vom Fraßbild her eindeutig“, sagt der Tierarzt, der auch Wolfsbeauftragter des hessischen Pferdesportverbandes ist. Er geht davon aus, dass sich in der Region mehrere Wölfe aufhalten. Darauf deuteten Sichtungen und Bilder von Wildkameras hin, über die seit zwei Jahren immer wieder berichtet würden. Er sei nun gespannt auf die genauere Untersuchung. Handele es sich um ein weibliches Tier, sei davon auszugehen, dass die Wölfin nicht mehr weiterziehe. Nicht ausgeschlossen sei, dass die Tiere in den weitläufigen Waldgebieten in Richtung Wittgensteiner Land lebten.

Erster Wolf in diesem Jahr

Die Wolfsbeauftragte Susanne Jokisch wertet das anders. Sie vermutet, dass die Kotspur von einem durchziehenden Wolf stammt. Das sei „eine mittlerweile übliche Begebenheit. Vermutlich werden nicht alle Individuen durch das hessische Wolfsmonitoring erfasst, denn die Tiere haben oft nur begrenzte Aufenthaltszeiten in Hessen, da sie auf ihren Wanderungen in kurzer Zeit große Strecken zurücklegen können“, erklärte sie gegenüber der Presse. Etwa 70 Kilometer würden die Tiere pro Nacht schaffen.

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist laut Jokisch bisher kein territorialer Wolf nachgewiesen. Als sesshaft gilt ein Wolf, wenn er mindestens über sechs Monate in einem Gebiet genetisch erfasst wurde, „weshalb zunächst bei dem in Rede stehenden Nachweis von einem durchziehenden Tier auszugehen ist“, sagt die Wolfsbeauftragte. Derzeit sind dem Wolfszentrum zehn erwachsene sesshafte Tiere per genetischem Nachweis bekannt.

Es ist der erste Wolfsnachweis in Marburg-Biedenkopf in diesem Jahr.

Von Mark Adel