Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Vorwürfe gegen Hundehilfe Hinterland
Landkreis Hinterland Vorwürfe gegen Hundehilfe Hinterland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 09.08.2019
Ein glückliches Rudel: Katrin und Michael Stroh haben die drei Welpen aufgepeppelt. Ihre eigenen Huskys sind Familienersatz für die Kleinen. Quelle: Nadine Weigel
Biedenkopf

Das Telefon von Marita Müller steht nicht mehr still. Die Vorsitzende des kleinen Tierschutzvereins Hundehilfe Hinterland wird beleidigt, beschimpft und bedroht. Veruntreuung von Spendengeldern und Sachspenden werden dem Verein vorgeworfen und auch, dass Pflegestellen auf den Kosten sitzenbleiben.

„Die letzten Nächte habe ich nicht geschlafen. Unserem ganzen Vorstand geht es schlecht. Wir wollen doch nur, dass es den Hunden gut geht“, sagt Marita Müller. Sie ist müde, sie ist ausgelaugt, mit den Nerven am Ende. Anfang Juli hatte sie die halb verhungerte Husky-Hündin Laika, deren drei Welpen und den Vaterrüden gerettet. Nach einem Hinweis aus der Familie des Besitzers handelte der Tierschutzverein sofort (die OP berichtete).

Zwei Pflegestellen kümmerten sich aufopfernd um die Tiere, der erwachsene Rüde ging zurück zur Züchterin nach Rösrath bei Köln. Mit den Besitzern, genauer mit der Ehefrau, wurde ein Übernahmevertrag geschlossen. Nachdem die Fotos der Hunde im Internet veröffentlicht wurden gingen Geld- und Sachspenden bei der Hundehilfe ein. Alles wurde dokumentiert, die Tiere regelmäßig beim Tierarzt vorgestellt.

Neben der Anteilnahme für die Hunde gab es auch Hetze und Drohungen gegen den ehemaligen Eigentümer. Der hat per Anwalt nun mitteilen lassen, dass er die Hündin nebst Welpen und sämtliche Geldspenden haben möchte. Bis zu 15.000 Euro seien eingegangen, sagt er im OP-Gespräch. Woher er diese Zahl weiß, wollte er nicht sagen.

Hundehilfe veröffentlichte eine Stellungnahme im Internet

Nur, dass er vermute, dass sich der Verein das Geld in die eigene Tasche stecken würde. Und genau das verbreitet sich wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien. Am Wochenende veröffentlichte die Hundehilfe eine Stellungnahme im Internet. „Es ist noch nicht mal annähernd so viel Geld eingegangen. Aber so viel, dass wir die Hunde so lange versorgen, bis sie gesund sind“, sagt Marita Müller.

Und das kann noch dauern. Die Folgeschäden durch die Inzestverpaarung – der Vater ist der Bruder von Laika – sind noch nicht abzusehen. Außerdem sollen alle Tiere kastriert werden. Doch mit den Vorwürfen durch den ehemaligen Eigentümer nicht genug. Die neue Pflegestelle, bei der Laika seit Ende Juli untergebracht ist, ist für die Hundehilfe nicht mehr erreichbar. Dabei handelt es sich um die Züchterin aus Rösrath.

„Und ich habe noch gedacht, dass Laika nichts besseres passieren kann,“ sagt Marita Müller kopfschüttelnd. Denn nach der Information, dass Laika kastriert werden soll und sich bereits Interessenten gemeldet hätten, brach der Kontakt völlig ab, Lügen wurden verbreitet. Die Pflegestelle müsste sich selbst um Futter kümmern und sogar die Tierarztkosten selbst tragen.

„Das stimmt nicht! Mit der Hündin wurden Medikamente für drei Monate mit übergeben. Außerdem besagt der Pflegestellen-Vertrag, dass alle Kosten vom Verein getragen werden. Ich habe persönlich mit dem Tierarzt dort vor Ort telefoniert und ihm die Kostenzusage für sämtliche Untersuchungen gegeben. Bis jetzt gibt es nur eine Rechnung“, erklärt die Tierschützerin.

"Es gab nie Probleme mit dem Verein"

Auch die Vorwürfe, es gäbe kein Futter, kann sie entkräftigen. „Bis die Futterspenden in Rösrath ankommen, sollte die Pflegestelle Futter kaufen. Das Geld wird selbstverständlich erstattet. Aber auch hier ist bisher keine Rechnung eingegangen.“

Im OP-Gespräch beteuerte der ehemalige Eigentümer unter anderem, dass er „tonnenweise“ Futter zu Hause gehabt hätte, die Hunde immer gefüttert worden wären. Und auch, dass die Hunde immer unter tierärztlicher Aufsicht standen. Er könne das sogar mit Rechnungen belegen. Auf OP-Nachfrage bestätigte das der Tierarzt allerdings nicht. „In meiner Praxis sind die Welpen das erste Mal von der Hundehilfe Hinterland vorgestellt worden“, sagt Dr. Wilfried Flaig aus Dautphetal.

Er erinnere sich noch genau an den desolaten Zustand der Hunde. „Sie zeigten ein klassisches Bild der Sarcoptes Milbe. Und zwar ein extremes. Das war kein frischer Zustand“, so der Tierarzt. Für Katrin und Michael Stroh sind die Vorwürfe gegen die Hundehilfe haarsträubend. Das Ehepaar hat die drei Welpen von Laika aufgenommen und gibt sie nun auch nicht mehr her.

Trouble, Floki und Sansa werden bleiben und das Husky-Rudel der Familie ergänzen. „Es gab nie Probleme mit dem Verein. Alle Kosten wurden problemlos übernommen und auch die Futterspenden sind bei uns angekommen“, bestätigt Michael Stroh beim OP-Besuch.

Hündin soll zurückgeholt werden

Das Futter, das tägliche Bad gegen die Milben und der liebevolle Familienanschluss haben Wunder bei den Welpen bewirkt. Sie sind aufgeweckt, haben wieder Haar, laufen, rennen, springen, entdecken die Welt. „Es hat Wochen gedauert, bis der Gestank von Urin und Kot endlich weg war“, berichtet Katrin Stroh.

„Sie sind den ganzen Tag draußen und genießen die Sonne“, ergänzt sie noch. Jeder hätte seinen eigenen Charakter und jedes zweibeinige Familienmitglied hat sich in einen der Vierbeiner verliebt. „Und deswegen bleiben sie jetzt alle. Punkt“, sagt Katrin Stroh und ihr Mann Michael nickt.

Was aus Laika wird, das weiß Marita Müller nicht. Sie hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet und mehrere Anzeigen bei der Polizei gegen die Hetzer aus dem Internet gestellt. Die Hündin soll auf jeden Fall zurückgeholt werden. „Wir haben einen Übernahmevertrag, den die Ehefrau unterzeichnet hat. Darin bestätigt sie, dass sie Eigentümerin ist. Und sie steht auch im Impfausweis, der ein amtliches Dokument ist. Das ist für uns erst einmal bindend“, betont Marita Müller noch einmal.

Dass das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder so durch den Dreck gezogen wird, setzt ihr ordentlich zu. Seit 20 Jahren hilft sie Tieren, hat wohl schon 1.500 Vierbeiner gerettet und vermittelt. An Tagen wie diesen denkt sie ans Aufhören. Aber dann wäre Laika wohl gestorben.

von Katja Peters