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Hinterland Alter Löwe glänzt wie neu
Landkreis Hinterland Alter Löwe glänzt wie neu
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00:18 26.06.2019
Bauhofleiter Norbert Burk (links) und seine Mitarbeiter Norbert Hammer (von rechts) und Karsten Präg zeigten Bürgermeister Joachim Thiemig den aufgearbeiteten Löwen. Nun thront er wieder auf dem Oberstadtbrunnen. Quelle: Susan Abbe
Biedenkopf

Am alten Marktplatz streckt der Löwe seine­ Zunge wieder nun in Richtung Landgrafenschloss.

Die Stadt hatte ihn im Herbst entfernt, samt der Säule, auf der er seit vielen Jahren thronte.

Ein Grund betraf die 1,20 Meter ­
hohe Sandsteinsäule: Einige der Elemente aus Sandstein waren zerbröselt und mussten dringend ersetzt werden.

Ein weiterer Grund hatte mit der Wasserversorgung zu tun. Bislang wurde das Wasser über ein ausgeklügeltes System aus dem Kottenbachtal herbeigeführt. Das aber funktionierte in jüngster Zeit mehr schlecht als recht.

Bürger dürfen kein Wasser mehr entnehmen

Das Hauptproblem war: „Die Zuleitung zum Brunnen war marode, irgendwann kam kaum noch Wasser an“, ­erklärt Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD). Das Wasser kam über eine alte etwa zwei Kilometer lange Leitung aus dem Kottenbachtal. Die zu erneuern wäre laut Bauamtsmitarbeiter Carsten Drobe aufwendig und teuer geworden. „Das wäre­ nicht wirtschaftlich gewesen. Deshalb haben wir uns für ein geschlossenes System als Lösung entschieden“, sagt Drobe.

Gemeint ist, dass künftig nicht mehr permanent Wasser in den Brunnen nachläuft. Das vorhandene Wasser wird nun mit einer Pumpe immer wieder umgewälzt. „Das Wasser wird aus dem Becken gesaugt und aus den Wasserspeiern wieder ins Becken befördert“, erklärt ­Drobe.

„Das Wasser, das verdunstet wird, natürlich nachgefüllt“, ergänzt Thiemig. Was künftig aber nicht mehr möglich sei, ist, dass Anwohner aus dem Brunnen Wasser zum Blumengießen entnehmen. „Dann wäre der Brunnen ganz schnell leer“, sagt der Bürgermeister. Das Becken wurde ausbetoniert und abgedichtet. Auch eine neue Entleerungsleitung und ein Stromanschluss, der für die Pumpe nötig ist, sind gelegt.

Unbekannte verschmierten Silikon

Dann strichen die Bauhofmitarbeiter das Brunnenbecken mit einer grauen Abdeckfarbe. Drei Anstriche waren nötig, die jeweils mehrere Tage lang trocknen mussten. „Die Farbe darf beim Trocknen nicht nass werden“, erklärt Bauhofleiter Norbert Burk. Deshalb habe der Brunnen unter einem Zelt gestanden. Um ihn vor Regen zu schützen.

Burk berichtete: Vor einigen Tagen hätten Unbekannte bereits das frische Silikon am Brunnen verschmiert. „Das mussten wir dann alles noch mal machen“, bedauert der Bauhofleiter. Auch der goldene Löwe musste warten, bis die Farbe im Becken getrocknet war. Die Steine, aus denen die Säule zusammengesetzt ist, wurden gesäubert. Und die zwei zerbröselten Säulensteine durch neue ersetzt.

Handarbeit beim Löwen

Besonders viel Mühe gaben­ sich die Leute im Bauhof mit dem Löwen. „Den Löwen konnten wir ja nicht einfach sandstrahlen. Da wäre er kaputtgegangen“, erklärt Burk. Mitarbeiter Manfred Donges schliff die Steinfigur deshalb mit Schmirgelpapier ab und malte­ sie akkurat mit kleinem Pinsel neu an. Das Fell glänzt wieder golden, die Zunge leuchtet rot, und das Schloss ist mit Details ausgemalt.

Froh ist Bauamtsmitarbeiter Drobe darüber, dass einen großen Teil der Arbeiten der Bauhof erledigen konnte. „So konnten wir bei den Kosten bei 16.000 Euro bleiben. Ohne den Bauhof wäre das Ganze sicher doppelt so teuer geworden“, sagt Drobe.

Einzelne Arbeiten wurden aber vergeben. Die Beton- und Pflasterarbeiten an das Bauunternehmen Thome, die Natursteinarbeiten an den Steinmetzbetrieb Blöcher und die Wasserinstallation an die Heizung-Sanitär Werner GmbH. Um die Elektroinstallation kümmerten sich die Stadtwerke.

Mitarbeiter des Bauhofes waren es nun, die im Beisein von Bürgermeister Thiemig den Löwen auf seinem angestammten Platz platzierten – und zwar so, dass er auch wirklich in die richtige Richtung blickt. Richtung Landgrafenschloss.

von Hartmut Bünger
 und Susan Abbe