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Hinterland „Die Qualität von Les Misérables“
Landkreis Hinterland „Die Qualität von Les Misérables“
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18:00 02.09.2021
Harald Tauber fühlt sich auf der Musicalbühne wohl – aber auch Biedenkopf hat er kennen- und schätzengelernt.
Harald Tauber fühlt sich auf der Musicalbühne wohl – aber auch Biedenkopf hat er kennen- und schätzengelernt. Quelle: Mark Adel
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Biedenkopf

Harald Tauber kennt die großen Musicalbühnen, er ist ein Star in der Szene. Nun ist der gebürtige Österreicher in einer Hauptrolle beim „Stadtbrand“ zu sehen. Er sagt: Das Stück steht in der Tradition weltberühmter Musicals. Er hat sein Herz an den „Stadtbrand“ verloren – und ein bisschen auch an die Stadt.

Der Musicalstar und Tenor mit dem unverkennbar oberösterreichischen Dialekt ist zum ersten Mal im Hinterland, war aber schon mehrfach für die Biedenkopfer Schlossfestspiele angefragt – schon zu den Zeiten, als Birgit Simmler noch Kulturreferentin war und das Programm organisierte. Wegen anderer Engagements fehlte Tauber damals die Zeit. Paul Graham Brown, der „Der Stadtbrand“ geschrieben und komponiert hat und Regie führt, hat der Darsteller bereits von der Produktion „King Kong“ am Theater in Datteln gekannt. Auch er fragte an, „und jetzt hat es gepasst“.

Schlossfestspiele Biedenkopf, Musical „Der Stadtbrand“ Quelle: Thorsten Richter

Auch, weil Harald Tauber mittlerweile das Interesse an den ganz großen Musicalaufführungen verloren hat. Er hat sich in Kassel niedergelassen, arbeitet dort als festangestellter Musikpädagoge, hat eine Rockband und seinerseits ein eigenes Rockmusical geschrieben. Zu sehen und zu hören ist er zum Beispiel im Theater im Centrum.

Lange spielte er den Dieter Bohlen im Queen-Musical „We will rock you“ in Köln. Auch andere große Bühnen kennt er (siehe Kasten), spielte zum Beispiel in Stuttgart und Oberhausen in „Sister Act“ und an den Vereinigten Bühnen in Wien in „Tanz der Vampire“.

Und nun ist er in Biedenkopf, für ihn etwas Besonderes – weil Brown eine Größe in der Musicalszene ist und Harald Tauber das Stück als herausragend empfindet. Am Freitag ist „Der Stadtbrand“ zum ersten Mal zu sehen und zu hören. „Eine Welturaufführung ist das Interessanteste, was einem Darsteller passieren kann: etwas zu singen und zu spielen, was noch nie jemand zuvor gesungen und gespielt hat. Ein neues Stück auf die Bühne zu bringen, ist eine große Herausforderung.“

Gerade deshalb sei es nicht etwa eine kleine Produktion. „Es hat die Qualität eines großen Musicals wie Les Misérables.“ Wie das legendäre Schönberg-Werk spielt auch „Der Stadtbrand“ weit in der Vergangenheit, sei dabei aber auch aktuell, sagt Tauber: „Es hat Tiefe, es hat Emotionen, es geht um Vorurteile, Vorverurteilungen, vorgefasste Meinungen. Um Versöhnung. Es ist abwechslungsreich und schön. Und, wie gesagt, emotional.“ Brown habe eine Musik geschrieben „zum Hinhören. Nicht unbedingt zum Mitklatschen. Es hat die Qualität für eine große Aufführung, mit großem Orchester“, beschreibt Tauber.

Schlossfestspiele Biedenkopf, Musical „Der Stadtbrand“ Quelle: Thorsten Richter

In Biedenkopf stehen professionelle Musicaldarsteller wie Tauber zusammen mit Amateuren aus der Region auf der Bühne. Im Grunde sei es das Gleiche, wie ausschließlich mit Profis zu arbeiten. „Aber ich versuche, noch besser vorbereitet zu sein. Und ich gebe auch gerne Tipps und zeige kleine Tricks. Ich bin ja Gesangspädagoge.“ Tauber spielt einen jüdischen Geldverleiher, der seine Tochter verheiraten will. In diese Handlung fallen die dramatischen Ereignisse des Stadtbrands, der sich 1717 tatsächlich ereignet hat. „Die Rolle ist innerlich zerrissen. Das macht es spannend“, sagt der Darsteller, der am Montag 50 Jahre alt wird. „Es ist schön, dass Paul keine eindimensionalen Figuren geschrieben hat.“ Besonders groß ist Taubers Lob an die Stadt. Die sei den Darstellern in den Verträgen enorm entgegengekommen, falls die Aufführungen Corona-bedingt ausfallen müssen. „Das ist nicht selbstverständlich, das finde ich ganz, ganz groß.“ Es sei familiär, eine „wunderbare Gemeinschaft“, die Darsteller verstünden sich super. „Wir gehen regelmäßig nach den Proben auf ein Bierchen, wer Kraft und Lust hat.“ Die habe man nicht immer. „Es ist von der Kopfarbeit her sehr anstrengend. Wenn man große Emotionen spielt, ist man erschöpft.“

Tauber gehört zu denen, die sich dennoch nach einer Probe entspannen können. Und so hat er in Biedenkopf schon eine gewisse Bekanntheit erlangt: „Die Kneipenwirte grüßen mich inzwischen auf der Straße.“ Doch nicht nur wegen der gemütlichen Wirtshäuser hat er Gefallen an der Stadt gefunden. „Es ist wunderschön, ich fühle mich wirklich wohl.“ Und nein, es sei ihm nicht zu ländlich: „Ich bin in einem 500-Seelen-Dorf in Oberösterreich aufgewachsen.“ Während der Musicalsaison lebt er in einer Wohnung im Haus von Stefan Briel, einem der weiteren Darsteller. Beide waren sich auf Anhieb sympathisch, teilen einen Musikgeschmack. „Gleich der erste Abend war schon sehr, sehr lang.“

Für eine Jamsession war bislang noch keine Zeit. „Aber das wird kommen, ich habe die Gitarre dabei. Vielleicht setzen wir uns einfach mal auf den Marktplatz“, sagt Harald Tauber. Und verspricht: „Ich komme wieder.“ Für ein Projekt mit Briel, vielleicht für die Festspiele, eventuell sogar eine Stadtbrand-Fortsetzung? Gut möglich, sagt Tauber: „Ich hoffe, dass die Geschichte weitergehen wird.“

Die Musical-Aufführungen „Der Stadtbrand“ finden am 3., 4., 5., 11. und 12. September jeweils ab 20 Uhr im Palastzelt auf der Bleiche statt. Tickets in Kategorie I kosten 38 Euro, in Kategorie II 34 Euro.

Tickets sind auf www.reservix. de und an allen Reservix-Vorverkaufsstellen erhältlich, in Biedenkopf die Buchhandlung Stephani und die Tourist-Info, Telefon 0 64­ 61 / 9 50 10.

Von Mark Adel

02.09.2021
01.09.2021