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Hinterland Mit Herzblut in den Fulltimejob einsteigen
Landkreis Hinterland Mit Herzblut in den Fulltimejob einsteigen
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19:42 18.05.2021
Als Nachfolger in der Hausarztpraxis in Friedensdorf stehen (vorne) Jan Schwarz und Dr. Franziska Bartl fest. Sie beginnen zum Jahreswechsel die Praxis von Ulrike Griesel (hinten von links) und Hans Georg Schwarz zu übernehmen und freuen sich auf die weitere Zusammenarbeit mit Ute-Heidi Salzmann und Liane Hüller.
Als Nachfolger in der Hausarztpraxis in Friedensdorf stehen (vorne) Jan Schwarz und Dr. Franziska Bartl fest. Sie beginnen zum Jahreswechsel die Praxis von Ulrike Griesel (hinten von links) und Hans Georg Schwarz zu übernehmen und freuen sich auf die weitere Zusammenarbeit mit Ute-Heidi Salzmann und Liane Hüller. Quelle: Gianfranco Fain
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Friedensdorf

Das Fortbestehen der ältesten Arztpraxis in Friedensdorf ist gesichert, verkünden Ulrike Griesel und Hans Georg Schwarz. Was die beiden Mediziner umso mehr freut, ist die Tatsache, dass sie zwei Nachfolger gefunden haben, die die Hausarztpraxis auf dem Lande mit Herzblut und als Fulltimejob weiterführen wollen. Positiver Nebeneffekt: Die fünf Arbeitsplätze der Mitarbeiterinnen bleiben ebenfalls erhalten.

Somit müssen sich die rund 2 000 Patienten der Arztpraxis nicht umgewöhnen. Einige kennen die Nachfolger schon, weil Jan Schwarz seit August und Dr. Franziska Bartl seit Dezember in Friedensdorf mit praktizieren. Die aus Runzhausen stammende Bartl übernimmt zum Jahresende Griesels Anteil an der Gemeinschaftspraxis. Bis dahin absolviert die 34-Jährige die Prüfung zum Facharzt Allgemeinmedizin und beendet ihre Ausbildung – so der Plan.

Es war der Zufall, der die in Gladenbach praktizierende Dr. Franziska Bartl nach Friedensdorf brachte. Mit dem Auslaufen ihrer Stelle suchte sie in der Nähe eine Landarztpraxis und wurde in der Großgemeinde Dautphetal fündig. Der Mutter zweier Kinder bietet die Gemeinschaftspraxis die Möglichkeit, in Vollzeit aber trotzdem familiengerecht zu arbeiten. Dies, weil sie mehr Freizeit habe, als wenn sie in einer Klinik arbeiten würde.

Dass sie ein Medizinstudium absolviert, stand für die Runzhäuserin schon vor dem Abitur fest, brachte sie ihre Mutter als gelernte Krankenschwester doch früh mit Gesundheitsberufen in Berührung. So fand sie „einen ganz tollen Beruf“, der ihr „unheimlich viel Freude bereitet“. Im Gegensatz zum Klinikbetrieb bekomme sie als Hausärztin „viel zu sehen“, behandle Jung und Alt und begleite einige Familien das ganze Leben.

Sohn tritt in des Vaters ­berufliche Fußstapfen

„Wir haben sofort Nägel mit Köpfen gemacht“, berichtet Ulrike Griesel über das Erkennen einer sich selten ergebenden Chance. Denn in den 15 Jahren, in denen die 66-Jährige Medizinstudierende in der Praxis ausbildete, sei nie einer „hängen geblieben“. Die Hospitation gehört zur Ausbildung der Mediziner – weil „die jungen Ärzte die Tätigkeit in einer Hausarztpraxis gar nicht kennen“, sagt Hans Georg Schwarz.

Die kennt sein Sohn Jan zwar von klein auf, er kam aber über eine andere medizinische Sparte in den Beruf, nämlich den Rettungsdienst. An diesem fand er während seines Freiwilligen Sozialen Jahres Gefallen und absolvierte in Münster eine Ausbildung zum Rettungsassistenten. Im Laufe seiner dreijährigen Tätigkeit erweiterte er seine Kompetenzen und stieg schließlich ins Medizinstudium ein. Da es Ehefrau und Kind in Friedensdorf gut gefiel, zog der 36-Jährige zurück und stieg in die Praxis ein.

Blick in Nachbargemeinden stimmt betrüblich

Bis er den Anteil seines Vaters an der Gemeinschaftspraxis übernimmt, dauert es allerdings noch eine Weile. In etwa anderthalb Jahren ist auch Jan Schwarz ein Facharzt. „Dann bin ich 70“, sagt Hans Georg Schwarz, der sich bis dahin allmählich aus der Praxisarbeit zurückziehen wird. Er ist froh, dass mit dieser Nachfolgelösung Dautphetal medizinisch „weiterhin gut versorgt ist – weil wir uns kümmern“. Allerdings betrübt den passionierten Hausarzt der Blick über die Gemeindegrenzen. „Rundherum“ sehe es nicht so gut aus, zum Beispiel in Angelburg, Quotshausen oder Steffenberg insgesamt, wo Hausärzte auch nicht mehr allzu weit vom Rentenalter entfernt seien oder Praxen schon aufgegeben wurden.

Von Gianfranco Fain