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Hinterland „Mister Jeegels Hoob“ hört auf
Landkreis Hinterland „Mister Jeegels Hoob“ hört auf
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09:00 26.12.2021
Willi Arnold (rechts) hat den „Jeegels Hoob“ wie kein anderer in Hartenrod gelebt. Dafür hat ihm Vorsitzender Arndt Räuber nun gedankt.
Willi Arnold (rechts) hat den „Jeegels Hoob“ wie kein anderer in Hartenrod gelebt. Dafür hat ihm Vorsitzender Arndt Räuber nun gedankt. Quelle: Sascha Valentin
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Hartenrod

„Jeegels Hoob“ ist untrennbar mit dem Namen Willi Arnold verbunden. In seine Zeit als Ortsvorsteher fiel nicht nur der Bau des Dorfzentrums – er hat sich seitdem auch als Hausmeister darum gekümmert, dass im und um das Gebäude alles in Schuss ist. Mit 82 Jahren will „Mister Jeegels Hoob“ die Geschicke nun jedoch in jüngere Hände legen.

„Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich habe sehr lange daran überlegt“, gibt er zu. Auch seine Frau habe erst einmal ungläubig reagiert, als er ihr seine Entscheidung mitteilte. Kein Wunder, wie auch Arndt Räuber als Vorsitzender des Kultur- und Fördervereins findet: „Willi Arnold war und ist Jeegels Hoob. Er hat Jeegels Hoob gelebt.“

Das Hartenroder Dorfzentrum gehöre sicherlich zu den schönsten Dorfgemeinschaftshäusern der Gemeinde, ergänzt Räuber. „Und das ist zu einem großen Teil der Verdienst von Willi.“ Tatsächlich gibt er zu, dass es für ihn ein Hauptgrund war, Ortsvorsteher zu werden, dass Hartenrod 2001 ins Dorferneuerungsprogramm aufgenommen wurde. Darin habe er die Chance gesehen, etwas im Ort zu bewegen, sagt Willi Arnold.

„Ich habe schon mein ganzes Leben lang dem Ort gedient“, erinnert er sich. Schon damals, als er mit 16 Jahren mithalf, die Wasserleitung vom Waldweg bis hinter den Sportplatz zu verlegen.

Mit anzupacken, wenn Hilfe nötig war, hat Arnold früh gelernt, nachdem sein Vater im Krieg fiel, als er gerade einmal drei Jahre alt war. Arbeiten und nicht nachzugeben gehörte für ihn zum Leben dazu. Das hat er auch beim Bau des Dorfzentrums bewiesen, den er gegen manche Widrigkeiten durchgesetzt hat – auch gegen den Denkmalschutz, der eigentlich ein ganz anderes Konzept für die ehemalige Hofreite im Ortskern vorgesehen hatte. Darüber hinaus war er aber auch immer Motivator für die Menschen, wie Arndt Räuber sagt: „Willi hat es verstanden, den Leuten zu vermitteln, wie wichtig es ist, sich für das Dorf einzusetzen.“ Bei ihm konnte man stets blind darauf vertrauen, dass er das Dorfzentrum am Laufen halten würde – sogar schon vor dessen eigentlichem Bau.

Damals kalkulierte Bürgermeister Jochen Becker mit Kosten von rund 2 Millionen Euro, was auch für viele kritische Stimmen im Ort sorgte. Arnold gelang es, die Kosten auf knapp 1,3 Millionen Euro zu drücken, indem er unzählige Helfer zu enormen Eigenleistungen mobilisierte. „Es war gefühlt immer sein Haus und deswegen hat er sich so sehr darum gekümmert“, betont Räuber. Genau das mache es nun aber auch so schwer, einen Nachfolger zu finden.

Für Räuber steht fest: So sehr wie Willi Arnold wird sich in Zukunft niemand um „Jeegels Hoob“ kümmern können. „Stattdessen müssen wir Leute finden, die jeweils Teilaufgaben übernehmen“, betont er. In Rita Eckel und Andreas Burk haben sich schon in den vergangenen Jahren zwei Helfer hervorgetan, die Arnold nach dem Tod Helmut Brodts und Dieter Domkes tatkräftig unterstützt haben.

Auch Hermann Bamberger will Vorstand verlassen

„Wir müssen gerade auch den Jüngeren klarmachen, welches Kleinod wir hier haben und dass es auch gepflegt werden muss“, sagt Räuber. Ansonsten verblasse der Glanz von „Jeegels Hoob“.

Ganz raus ist Willi Arnold allerdings noch nicht. Der Übergang zu seinen Nachfolgern werde fließend gestaltet, betont Räuber. Außerdem hat der scheidende „Hausmeister“ dem Vorstand des Vereins schon die nächsten Aufgaben für das Dorfzentrum ins Buch geschrieben.

„Nächstes Jahr soll eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach installiert werden und die zweifach verglasten Fenster gegen dreifach verglaste ausgetauscht werden“, erklärt Arnold. Auf diese Weise werde nicht nur Energie gespart, sondern auch der Schallschutz verbessert.

Neben Willi Arnold wird mit dem kommenden Jahr ein weiteres Urgestein den Kultur- und Förderverein verlassen: Auch Hermann Bamberger, derzeit Stellvertretender Vorsitzender, wird dann nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung stehen, wie Arndt Räuber mitteilt.

Ab dem 1. Januar 2022 ist er dann zunächst Ansprechpartner, wenn es um die Vermietung des Hauses geht. Anfragen nimmt Räuber unter Telefon 0 17 29 80 57 48 entgegen.

Von Sascha Valentin

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