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Hinterland Millionen fließen in Brandschutz
Landkreis Hinterland Millionen fließen in Brandschutz
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11:58 26.07.2021
Engagierte Einsatzkräfte aus der Stadt Gladenbach: Für ihre langjährigen Dienste in der Feuerwehr bekommen die Aktiven Anerkennungsprämien, Medaillen und Brandschutzehrenzeichen - der Bürgermeister und das Leitungsteam gratulieren den Jubilaren.
Engagierte Einsatzkräfte aus der Stadt Gladenbach: Für ihre langjährigen Dienste in der Feuerwehr bekommen die Aktiven Anerkennungsprämien, Medaillen und Brandschutzehrenzeichen - der Bürgermeister und das Leitungsteam gratulieren den Jubilaren. Quelle: Michael Tietz
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Gladenbach

Der Weg hin zu einer zukunftsfähigen Feuerwehr in der Stadt Gladenbach ist geebnet. Das unterstrich das wiedergewählte Leitungsteam der 14 Einsatzabteilungen während der gemeinsamen Jahreshauptversammlung. Zwei Faktoren für die positive Entwicklung stellten die Stadtbrandinspektoren heraus: Investitionen in Millionenhöhe in den Brandschutz und die hohe Einsatzbereitschaft der Aktiven.

Länger als erwartet dauerte die Sitzung im Haus des Gastes. Der Grund: Die 131 Stimmberechtigten aus den Feuerwehren mussten an diesem Abend dreimal in die Wahlkabinen gehen und ihre Kreuzchen für das neue Leitungsteam machen.

Da es für die drei zu besetzenden Ämter nur jeweils einen Kandidaten gab, wäre laut Satzung eine Abstimmung per Handzeichen möglich gewesen. Aus den Reihen der Kernstadt-Feuerwehr kam aber die legitime Forderung nach geheimen Wahlen auf. Somit verging eine Stunde, bis der Stadtbrandinspektor und seine beiden Stellvertreter im Amt bestätigt waren und sie von Bürgermeister Peter Kremer ihre Ernennungsurkunden erhielten.

Leiter der Feuerwehr der Stadt Gladenbach bleibt für die nächsten fünf Jahre Alexander Wagner. 99 Aktive sprachen sich für eine zweite Amtszeit des Weidenhäusers aus – 25 stimmten mit Nein, sieben enthielten sich. Ähnlich fiel das Votum für die beiden stellvertretenden Stadtbrandinspektoren aus: Jan Willms (Gladenbach) erreichte 108:16 Stimmen bei sechs Enthaltungen – Alexander Scheiwe (Weidenhausen) erhielt 102:23 Stimmen bei vier Enthaltungen.

Mit Blick auf das Wahlergebnis stellte Wagner schmunzelnd fest: „Man kann eben nicht nur Freunde haben. Ich habe jetzt fünf Jahre Zeit, daran zu arbeiten – ich werde mich bessern.“

Positiv fiel das Fazit des Leitungsteams für seine erste Amtszeit aus. „Wir konnten in den vergangenen vier Jahren sehr vieles bewegen, aufarbeiten und auch über den Plan beschaffen“, erklärte Wagner. Die vom Technischen Prüfdienst festgestellten Mängel an Fahrzeugen, Gebäuden und Ausrüstung seien nahezu alle abgearbeitet. Das Ziel lautet nun, den nächsten Prüfbericht auf ein Minimum an Beanstandungen zu reduzieren. „Verwaltung und Politik haben den Ernst der Lage verstanden – gemeinsam konnten wir Lösungen finden, wie wir die vielen Baustellen bewältigt bekommen“, erklärte der Stadtbrandinspektor. Dies unterstrich er mit einer Zahl: In den vergangenen vier Jahren stellte die Stadt 1,974 Millionen Euro für die Feuerwehr bereit. „Dies ist gut investiertes Geld in die Sicherheit der Bürger von Gladenbach“, sagte Wagner.

Ein großes Lob sprach er allen Aktiven in den Einsatzabteilungen aus. Sie seien den eingeschlagenen Weg weitergegangen und hätten sich auch in der Corona-Krise allen neuen Herausforderungen gestellt. „Erfreulicherweise zeigte die Beteiligung an Einsätzen, dass ihr alle hoch motiviert seid, um euer Bestmögliches zu geben und auch in Ausnahmesituationen an einem Strang zu ziehen“, betonte Wagner.

Seit einer Woche sind die 278 Einsatzkräfte bis auf wenige Ausnahmen vollständig geimpft. Somit kann der Regelbetrieb in den Feuerwehren wieder aufgenommen werden. „Die Feuerwehr der Stadt Gladenbach hat sich in eine richtige, zukunftsfähige Richtung bewegt“, stellte auch Jan Willms fest.

Die Investitionssumme von fast zwei Millionen Euro diente unter anderem für neun Einsatzfahrzeuge. Hinzu kamen viele neue Ausrüstungsgegenstände – wie ein Gerätesatz für die Absturzsicherung, hydraulische Rettungsgeräte, Navigationsgeräte für die überörtlich eingesetzten Fahrzeuge und Digitalfunk. Die persönliche Schutzausrüstung der Aktiven wurde ebenfalls verbessert.

Modernisiert wurden auch einige Gebäude. In die erweiterte Feuerwache Erdhausen flossen rund 600 000 Euro. Drei Abteilungen unter einem Dach heißt es künftig in Runzhausen. Dort entsteht ein gemeinsamer Standort für die Einsatzkräfte aus Bellnhausen, Runzhausen und Sinkershausen. Die Kosten für den geplanten Neubau liegen nach Auskunft des Bürgermeisters bei rund 2,8 Millionen Euro.

Neben Investitionen in die Hardware setzten Stadt und Feuerwehr auch kleinere Projekte und Neustrukturierungen um. Eine zweite Kindergruppe (Firekids) wurde gegründet, die hauptamtliche Stelle des Gerätewarts besetzt nun Christoph Heinrich.

In den Einsatzabteilungen engagieren sich derzeit 278 Frauen und Männer. Die Zahl der Aktiven liegt damit nach Auskunft von Alexander Scheiwe auf dem Level von 2017. In den vergangenen zweieinhalb Jahren fielen für die Helfer 236 Einsätze an. In der Kinderfeuerwehr sind aktuell 17 Mädchen und Jungen aktiv, in der Jugendfeuerwehr mischen 63 Nachwuchskräfte mit. Der Alters- und Ehrenabteilung gehören 126 Mitglieder an, die Musikabteilung in Weidenhausen zählt 35 Instrumentalisten.

Bürgermeister Peter Kremer sprach den Feuerwehrleuten ebenfalls ein dickes Lob für ihre Bereitschaft aus, sich für die Sicherheit der Bürger der Stadt Gladenbach einzusetzen: „Das ist nicht selbstverständlich – ihr macht einen ganz tollen Job.“ Kreisbrandmeister Daniel Thomé richtete einen Wunsch an den Bürgermeister, der auch Dienstherr der ehrenamtlichen Aktiven ist: „Die Werbung von Mitgliedern, von aktiven Menschenrettern, die noch nicht mit uns in Kontakt treten, muss Chefsache sein.“ Die Arbeit in der Gefahrenabwehr werde nicht weniger und immer herausfordernder – sie dürfe nicht auf noch weniger Schultern verteilt werden.

Von Michael Tietz

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