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Hinterland Mehlknappheit treibt Kunden in die Mühle
Landkreis Hinterland Mehlknappheit treibt Kunden in die Mühle
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17:58 26.05.2020
Zunehmend finden heimische Müller auch private Abnehmer für ihr Mehl. Quelle: Foto: Jens Kalaene/dpa
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Hinterland

Die Nachfrage nach regionalen Produkten ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Immer mehr Verbraucher halten aktiv nach regionalen Angeboten Ausschau. Und dann geht es nicht nur um die Erdbeeren von heimischen Feldern. Der Shutdown jedoch hat sich bei den Direktvermarktern im Hinterland nur in Maßen bemerkbar gemacht – und dies offenbar auch nur, solange die strikten Regelungen galten. Wolfgang Hof von der Walzenmühle Nispel in Gladenbach hat die Auswirkungen der Beschränkungen zum Schutze vor Covid-19 deutlich bemerkt. „Ich vermahle am Tag etwa 30 Tonnen Getreide. Wir verkaufen eigentlich nur an Gewerbetreibende“, erläutert Hof das Geschäft. Die Walzenmühle vertreibt Mehl, Getreide, Futtermehle – in Mengen ab fünf Kilogramm. Seine Kunden seien hauptsächlich Bäckereien, erzählt Wolfgang Hof. Und der Umsatz der Bäckereibetriebe habe sich teils deutlich während der Krise reduziert, weil vielerorts ja deren angeschlossene Cafés schließen mussten. Folglich verzeichnete die Mühle einen Umsatzrückgang von 20 Prozent, so schätzt Hof.

Hingegen betreffe der Abrufverkauf für Privatleute eigentlich nur eine „kleine Klientel“, die in der Regel durch Mundpropaganda auf ihn aufmerksam werden. Doch in der jüngsten Zeit hätten sich viele Leute im kleinen Mühlenladen eingefunden, die „man im Leben noch nie gesehen hat“, staunt er. Und auch der Verkauf von Mehl an Privatleute sei um 200 bis 300 Prozent gestiegen.

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Hof glaubt, der Grund für die Steigerung sei, dass es im Zuge der Coronakrise teilweise kein Mehl mehr im Handel gegeben habe. Da hätten sich die Menschen dann wieder an die Mühle erinnert. „Aber dies ist bei weitem nicht unser Kerngeschäft. Das fängt nicht auf, was die Gewerbetreibenden uns weniger abgenommen haben. Außerdem merken wir, dass es wieder abflacht.“

In Friedensdorf steht das Fjordgestüt Fjellhorn. Hofeigene Produkte sind Wurst- und Fleischprodukte vom Rind. Er habe ebenfalls eine verstärkte Nachfrage nach seinen Produkten erfahren, erzählt Rüdiger Ruf. Generell bestehe sein Kundenkreis aber aus ihm bekannten Menschen: „Das sind Menschen, die unsere Tierhaltung kennen“. Nun gebe es allerdings nichts mehr zum Schlachten, denn von Juni bis August finde auf dem Hof keine Fleischverarbeitung statt.

Im Höfchen in Steffenberg hat Marianne Klein keine auffälligen Veränderungen im Kundenkreis während und nach dem Shutdown bemerkt. Im Frühjahr verkaufe man Kartoffeln und Getreide. Aber alles sei „ganz genau so wie sonst auch“.

„Es gab schon Leute, die sich die Sachen direkt geholt haben, weil sie keinen Kontakt zu anderen haben wollten“, sagt Volker Gründel vom Hof am Rahnsberg in Biedenkopf, wo saisonbedingt Wurst und andere Fleischprodukte vom Rind verkauft werden. Der Kreis seiner Kunden sei indes nicht mehr und nicht weniger geworden.

„Wir haben schon mehr Absatz gemacht“, erklärt dagegen Norman Kuhl von Kuhls Hof in Rodenhausen. Jedoch betreffe dieser die Bio- beziehungsweise Lebensmittelläden, die der Hof mit seinen Produkten – das sind Speisekartoffeln, Zwiebeln, Eier sowie Wurst- und Fleischprodukte vom Schwein oder Schaf – beliefere.

Der stärkere Umsatz ist aber nach Einschätzung von Norman Kuhl weniger auf die Coronakrise zurückzuführen, als auf die Tatsache, dass viele Menschen in letzter Zeit mehr auf regionale Lebensmittel setzen. Der Hofladen spiele hierbei keine Rolle, da er aufgrund der etwas abgelegenen Lage des Hofes selten besucht werde.

Von Birgit Schönig

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