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Hinterland Marode Mauer in Bellnhausen stürzt in die Allna
Landkreis Hinterland Marode Mauer in Bellnhausen stürzt in die Allna
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12:00 21.04.2022
In der Allnastraße in Bellnhausen stehen seit eineinhalb Jahren Warnbaken und Absperrungen entlang der Uferwand. Am Ostermontag rutschten Teile der Natursteinmauer in die Allna.
In der Allnastraße in Bellnhausen stehen seit eineinhalb Jahren Warnbaken und Absperrungen entlang der Uferwand. Am Ostermontag rutschten Teile der Natursteinmauer in die Allna. Quelle: Michael Tietz
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Bellnhausen

„Hier ist Gefahr in Verzug!“ Diesen warnenden Hinweis gab Bellnhausens Ortsvorsteher Klaus-Jürgen Scheld schon mehrmals in den vergangenen Jahren. Die fällige Sanierung der bröckelnden Natursteinmauer samt Brücke an der Allna ließ aber auf sich warten. Am Ostermontag (18. April) ist ein Teil der Uferbefestigung in den Bach gestürzt. Personen kamen dabei nicht zu Schaden.

„Der Albtraum ist wahr geworden. Worauf seit Jahren hingewiesen wurde, ist nun geschehen“, schrieb Klaus-Jürgen Scheld am Montagabend in einer E-Mail an den Gladenbacher Magistrat und seine beiden Ortsbeiratskolleginnen. Am Nachmittag hatten sich an einem etwa drei Meter breiten Abschnitt der Mauer in der Allnastraße mehrere Steine gelöst und waren ins Bachbett gerutscht. Nach Angaben des Ortsvorstehers spielten kurz zuvor noch Kinder in dem Bereich.

Gewichtsbeschränkung wurde herabgesetzt

Vor eineinhalb Jahren stellte die Stadt bereits Warnbaken und Absperrungen entlang der Stützwand auf. Diese sollen verhindern, dass Fahrzeuge und Fußgänger dem maroden Mauerwerk zu nahe kommen und dieses dann nachgibt.

Außerdem wurde die Gewichtsbeschränkung für die Brücke von zunächst sechs auf dreieinhalb Tonnen herabgesetzt. Müll- und Heizölfahrzeuge sowie andere Lkw müssen deshalb einen Umweg ins untere Dorf nehmen – von der Runzhäuser Straße über einen Feldweg zur Allnastraße. Um die Belastung für die Brücke zu senken, gilt dort auch ein Tempolimit von zehn Stundenkilometern.

Problem bereits länger bekannt

Bekannt ist das Problem in Bellnhausen schon seit mehr als einem Jahrzehnt. Bei einer Ortsbesichtigung 2011 stellten die Teilnehmer fest, dass eine Reparatur dringend erforderlich ist. Der Ortsbeirat meldete daraufhin das Bauprojekt regelmäßig für den Haushalt der Stadt Gladenbach an. Denn immer wieder lockerten sich einzelne Steine. Abschnittsweise neigt sich die Mauer in Richtung Bachlauf, der Spalt zwischen Fahrbahn und Stützwand wurde breiter.

Im Juli 2018 stellte Klaus-Jürgen Scheld während einer Ortsbeiratssitzung ernüchternd fest: „Wir machen jedes Jahr darauf aufmerksam, dass die Mauer an der Allna dringend saniert werden muss. Das Einsturzrisiko wird von Jahr zu Jahr größer, aber getan hat noch niemand etwas.“ Während der Bürgerversammlung im Mai 2019 sprach der Ortsvorsteher von „Gefahr in Verzug“.

Im städtischen Haushaltsplan für 2020 tauchten dann auch 100 000 Euro für die Sanierung auf. Der Magistrat beauftragte zunächst ein Sachverständigenbüro damit, die Mauer und die Brücke in Augenschein zu nehmen. Geprüft werden sollte, wie standsicher und tragfähig das alte Gemäuer noch ist. Das Gutachten beinhaltete auch eine erste Kostenschätzung: Etwa eine Million Euro würde die Reparatur kosten.

„Wir können nicht mehr abwarten – sonst werden die Schäden so groß, dass unter Umständen auch Gefahr droht“, erklärte Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) im Januar 2021. Die Stadt stellte im Haushalt 900 000 Euro für die Arbeiten bereit.

Scheld hofft auf schnelle Sanierung

Bis der erste Planungsauftrag für das Bauvorhaben erteilt werden konnte, verging dann aber noch ein Jahr. „Das war nicht unser Verschulden“, stellte Erster Stadtrat Armin Becker (SPD) – er vertritt derzeit den Bürgermeister – am Dienstag auf Nachfrage klar. Die Ausschreibung für die Ingenieurleistungen erfolgte über die neue zentrale Vergabestelle beim Kreis. Und dieses Verfahren zog sich laut Armin Becker in die Länge.

Am 2. Februar vergab der Magistrat schließlich die ersten vier Planungsabschnitte an ein Fachbüro aus Marburg. Dieses erstellt nun unter anderem einen Entwurf, eine Kostenberechnung und den Antrag für die Baugenehmigung. „Derzeit können wir noch nicht sagen, wann die Pläne vorliegen. Wir hoffen aber, dass es schnell geht“, sagte Armin Becker. Das Ingenieurbüro sei über den Teilabsturz der Mauer informiert. Außerdem stellte die Stadt einen Förderantrag beim Land und vergab den Auftrag für die erforderliche Baugrunduntersuchung. Liegen alle Unterlagen vor, geht es an die Ausschreibung der Bauarbeiten.

Mitarbeiter des Gladenbacher Bauhofs sichern nach Auskunft von Armin Becker die kaputte Stützmauer zusätzlich ab und holen auch die Steine aus dem Bachbett.

Ortsvorsteher Klaus-Jürgen Scheld hofft, dass die Sanierung der Mauer und Brücke nun Fahrt aufnimmt: „Bevor noch mehr zusammenfällt oder ein Fahrzeug auf der Brücke einbricht und es doch noch zu Personenschäden kommt.“

Von Michael Tietz