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Hinterland Lohra bleibt „eine knifflige Aufgabe“
Landkreis Hinterland Lohra bleibt „eine knifflige Aufgabe“
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15:58 20.07.2021
Endstation Bahnhof Niederwalgern. Das Stichgleis der Aar-Salzbödebahn ist ab hier entwidmet, müsste neu geplant werden.
Endstation Bahnhof Niederwalgern. Das Stichgleis der Aar-Salzbödebahn ist ab hier entwidmet, müsste neu geplant werden. Quelle: Fain
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Lohra

„Wir liegen gut im Zeitplan“, sagt Marian Zachow über den Stand der Machbarkeitsstudie zum Reaktivieren der Aar-Salzbödebahn. Anfang 2022 soll die Studie vorliegen, jüngst erfolgte eine Streckenbegehung, bei der eine Kommission die „Knackpunkte“ besichtigte. Dabei entdeckten die Teilnehmer „keine wesentlichen neuen Probleme“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete, vor allem aber „keine unlösbaren“.

Generell handelt es sich dabei um die Übergänge der Schienen und damit der Fahrzeuge über Straßen, im Besonderen um die Situation in den Orten entlang der Strecke. So wäre im Neubaugebiet am Ortsrand von Niederwalgern wohl der Bau eines Lärm- und Sichtschutzes notwendig, im Gladenbacher Stadtteil Mornshausen wären es die besagten Bahnübergänge.

„Es bleibt eine knifflige Aufgabe“

Die meisten „Baustellen“ gibt es aber in der Gemeinde Lohra zu umschiffen. Das beginnt aus Richtung Niederwalgern kommend im Ortsteil Damm, wo ein Firmengelände tangiert wird, setzt sich am Ortseingang von Lohra an der Eselsmühle ähnlich fort und wird dann im Ortskern ganz massiv. Dort steht das neue Feuerwehrgerätehaus auf der ehemaligen Trasse und weiter in Richtung Gladenbach das neue Einkaufszentrum.

„Da müsste die Trasse verschwenkt werden“, sagt Zachow und denkt da zum Beispiel an den Wirtschaftsweg, der unterhalb des ehemaligen Bahndamms entlangführt. Unter diesem verläuft laut Zachow aber der Hauptverteilkanal der Gemeinde. Ob der überbaut werden kann, ist fraglich. „Es bleibt eine knifflige Aufgabe“, bezeichnet der Erste Kreisbeigeordnete die Situation.

So oder so ist eine komplette neue Planung und Genehmigung der Trasse erforderlich. Denn die ehemalige Strecke der Aar-Salzbödebahn ist nur bis Höhe des Bahnhofs Niederwalgern, vor dem ein Abzweig Richtung Hinterland führte, auf etwa 1,1 Kilometer Länge stillgelegt.

Der Rest ist entwidmet und bis Bad Endbach in vielen Teilen auch kein Bahngelände mehr. Immerhin sind die Viadukte in der Kurgemeinde laut Zachow „besser als erwartet“. In diesem Fall hätten sich die Angaben der Vorstudie bestätigt.

Auch neue Haltestellen würde es geben

Die reaktivierte Bahn könnte bis Hartenrod fahren und dort etwa 500 Meter vor dem Tunnel enden. „Darüber hinaus besteht keine Chance“, sagt Zachow. Fest steht auch, dass nicht die alten Bahnhöfe reaktiviert werden, sondern neue Haltepunkte entstünden, zum Beispiel Therme/Stadtmitte in Bad Endbach.

Insgesamt ist der Verkehrsdezernent des Landkreises sehr optimistisch und das nicht nur wegen des Zustandes der ehemaligen Trasse. In den vergangenen zwei Jahren seien die Chancen einer Reaktivierung gestiegen, sagt Zachow. Dies, weil die Bundesregierung die Bedingungen veränderte, ökologische Faktoren, der Ausstoß von Treibhausgasen oder die Siedlungsentwicklung stärker gewichtet werden und eine neue Dynamik beim Realisieren von Strecken entfachten.

Schon die Vorstudie ergab, dass es kein direktes Reaktivieren der alten Aar-Salzbödebahn geben wird, sondern eine neue Strecke zu konzipieren ist. Dieser neue Verlauf wäre aber nach der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung sehr „aufwendig und einengend“, weshalb dazu geraten wird, die Strecke nach der Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BOStrab) zu errichten.

Das wäre kostengünstiger, unter anderem weil Bahnübergänge genutzt werden könnten und auch andersartige Fahrzeuge als die der Bahn, zum Beispiel solche wie die Regio-Tram in Kassel, zum Einsatz kommen könnten.

Die Vorstudie geht von einem Potenzial von 2 200 Fahrgästen an einem Werktag aus. Dies sei ein konservativ ermittelter Wert, erklärte Zachow im vorigen Jahr, da sich die Zahl aus den Fahrgastzahlen der Buslinie 383 ergebe. Es werden aber mindestens 20 Prozent oder doppelt so viele Nutzer, sagte Zachow. Nach Erfahrungen aus Reaktivierungen anderer Bahnstrecken erwarte man mindestens 20 Prozent mehr oder sogar doppelt so viele Nutzer.

Von Gianfranco Fain

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