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Hinterland Lego-Rampen sollen Rollifahrern helfen
Landkreis Hinterland Lego-Rampen sollen Rollifahrern helfen
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15:58 16.05.2022
Leonie Becker und Paula Schreiner bauen Rampen aus Lego-Steinen, die Rollstuhlfahrern das Überqueren von Absätzen wie etwa Bordsteinen erleichtern sollen.
Leonie Becker und Paula Schreiner bauen Rampen aus Lego-Steinen, die Rollstuhlfahrern das Überqueren von Absätzen wie etwa Bordsteinen erleichtern sollen. Quelle: Sascha Valentin
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Gladenbach

Unter dem Stichwort „Rampenlicht“ hat die Gladenbacher Awo zusammen mit dem Kreisverband Marburg-Biedenkopf und dem Regionalverein Hinterland mit einer Aktion auf dem Marktplatz auf Barrieren im Alltag hingewiesen. Anlass war der internationale Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, an dem sich Menschen aus ganz Europa beteiligt haben.

„Einem selbst fällt das vielleicht gar nicht richtig auf, wie viele Barrieren es im Alltag gibt“, sagt Awo-Quartiersmanagerin Andrea Dörr-Silvestri und nannte als Beispiele die Bordsteine an Gehwegen. Wer jedoch im Rollstuhl sitze oder mit dem Rollator unterwegs sei, den stelle eine Bordsteinkante vor eine Herausforderung, die er oft alleine nicht zu bewältigen imstande sei, erklärte sie. Ihr Motto „Rampenlicht“ hat die Initiative übrigens aus zweierlei Gründen gewählt. „Zum einen wollen wir natürlich auf die Situation der betroffenen Menschen hinweisen, sie also sozusagen ins Rampenlicht holen“, betont Dörr-Silvestri.

Zum anderen verweise das Schlagwort auch auf die Aktion, die die beiden Pädagogikstudentinnen Leonie Becker und Paula Schreiner im Rahmen ihrer Projektprüfung initiiert haben: Sie haben dazu aufgerufen, der Awo Lego-Spielsteine zu spenden, aus denen sie Rampen bauen wollen, die in der Stadt zum Überwinden von Hindernissen eingesetzt werden können.

Weitere Steine im Awo-Quartierbüro abgeben

Als Vorbild dient ihnen Rita Ebel aus Hanau, die in den vergangenen Jahren als „Lego-Oma“ bekannt geworden ist. Sie hat schon mehrere solcher Rampen gebaut, die es ihr als Rollstuhlfahrerin erlauben, kleine Absätze bis zu 18 Zentimeter Höhe zu überwinden. Ganz so hoch sollen die Gladenbacher Lego-Rampen nicht werden. Becker und Schreiner peilen eine Höhe von zwölf Zentimetern an. „Denn für eine solche Rampe sind schon rund 2 500 Steine nötig“, erklärt Leonie Becker.

Diese Aktion soll allerdings auch nach dem Protesttag weiterlaufen. „Das heißt, wer Lego-Steine hat und damit etwas Gutes tun will, kann sie im Awo-Quartierbüro abgeben“, so die Studentin. Je mehr Steine abgegeben werden, desto mehr Rampen können gebaut werden. Andrea Dörr-Silvestri kann sich dabei auch Kooperationen, zum Beispiel mit den Kindergärten oder der Stadtjugendpflege, vorstellen.

Unterschriftensammlung gestartet

Neben dem Bau der Rampen wurde anlässlich des Protesttages auch eine Unterschriftensammlung gestartet, mit der die Stadt aufgefordert wird, einen Behindertenbeauftragten zu benennen. Dieser soll sich gezielt um die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung kümmern und Anregungen für Verbesserungen im Alltag geben. Dazu gehört zum Beispiel der Wunsch der Initiatoren, Teile des Gehwegs vom Zentrum junger Körperbehinderter in die Kernstadt abzusenken, damit der Weg von Rollstuhlfahrern besser genutzt werden kann.

Bei der Aktion auf dem Marktplatz konnten die Besucher übrigens selbst nachempfinden, wie es ist, sich mit einem Rollstuhl bewegen zu müssen. Dazu hatte der Verein zur Förderung der Integration Behinderter (fib) einen Rollstuhlparcours aufgebaut, in dem jeder einmal sein persönliches Geschick mit dem Rolli überprüfen konnte. Ebenso war das Team des Pflegestützpunktes Biedenkopf mit einem Stand vertreten und gab Tipps zur Unterstützung im Alltag oder Barrierefreiheit in den eigenen vier Wänden. Beschlossen wurde der Protesttag am Abend mit einem Konzert von Stefan Düppers in der katholischen Kirche.

Von Sascha Valentin