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Hinterland „Ich liebe Farbverläufe“
Landkreis Hinterland „Ich liebe Farbverläufe“
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18:59 31.10.2021
Premiere für die junge Künstlerin und ihre Förderin: Lara Weigand (links) freut sich auf ihre erste Ausstellung, für die Melanie Krämer-Kowallik am ersten November-Wochenende ihr Atelier in Römershausen zur Verfügung stellt.
Premiere für die junge Künstlerin und ihre Förderin: Lara Weigand (links) freut sich auf ihre erste Ausstellung, für die Melanie Krämer-Kowallik am ersten November-Wochenende ihr Atelier in Römershausen zur Verfügung stellt. Quelle: Michael Tietz
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Römershausen

Blau und violett stehen bei Lara Weigand ganz hoch im Kurs. Immer dann, wenn die 18-Jährige zu Leinwand und Pinsel greift. In diesen Tagen nutzt sie so gut wie jede freie Minute für ihre große Leidenschaft. „Denn für meine erste Ausstellung muss ich wohl noch ein bisschen in Produktion gehen“, erzählt die Schülerin aus Holzhausen mit einem Schmunzeln. Die Vernissage findet am 5. November in Römershausen statt.

Seit fünf Jahren begeistert sich Weigand fürs Malen. Einen bestimmten Anlass gab es eigentlich nicht. „Im Kunstunterricht in der Schule fing es an. Die Bilder sahen ganz nett aus, da habe ich einfach weitergemacht“, erinnert sie sich.

Anfangs entstanden vor allem Bleistiftzeichnungen. Buntstifte gehören dagegen nicht zu ihren bevorzugten Malutensilien. Mehr als 100 Skizzen umfasst mittlerweile ihre Sammlung. Vor drei Jahren entdeckte Weigand dann ihre Passion für Wasserfarben – ebenfalls eher zufällig. „Meine Mutter brachte eine Leinwand mit und sagte mir, dass ich mich daran einmal versuchen sollte“, erzählt die angehende Abiturientin.

Das tat sie dann auch sofort. Zunächst zeichnete sie mit einem Bleistift die Umrisse eines großen Baums auf die Leinwand. Mit drei verschiedenen Pinktönen und Deckweiß verpasste sie dann den Blättern ihren ganz eigenen Farbton. „Das Bild habe ich meiner Oma zum 80. Geburtstag geschenkt, es hängt jetzt in ihrem Wohnzimmer“, erzählt Weigand.

In einigen Tagen wird sie ihre Kunst auch in der Öffentlichkeit präsentieren. Dazu bedurfte es allerdings ein wenig Überzeugungsarbeit von ihrer Familie und von ihrer Förderin. Denn eine eigene Ausstellung stand für sie überhaupt nicht auf dem Plan. „Die Idee hat mich doch sehr überrascht. Aber ich bin froh und dankbar dafür, dass ich diese Chance bereits jetzt bekomme“, sagt die 18-Jährige.

Ihre Mutter brachte den Stein ins Rollen. Sie nahm an einem Nähkurs teil, den Melanie Krämer-Kowallik in ihrem Atelier „Einzigartig“ anbot. In der kleinen Runde erzählte sie dann vom Hobby ihrer Tochter und deren Begeisterung fürs Malen. Dies weckte wiederum die Neugier der Kursleiterin.

Als Krämer-Kowallik die ersten Werke von Lara Weigand sah, stand für sie fest: Dieses Talent möchte sie gerne unterstützen. „Lara malt wundervolle, ausgefallenen Bilder – diese müsste endlich auch einmal jemand sehen“, erzählt die Römershäuserin. Gesagt, getan: Kurze Zeit später war die Idee für die Ausstellung geboren. Dafür stellt Krämer-Kowallik am ersten November-Wochenende ihr Atelier zur Verfügung.

„Meine Mutter hat mich schließlich überzeugt, diesen Schritt schon jetzt zu wagen“, erzählt Weigand. Die Vorfreude sei sehr groß, aber auch ein bisschen Lampenfieber würde sich mittlerweile einstellen. „Natürlich bin ich sehr gespannt auf die Resonanz“, sagt die junge Künstlerin. Schließlich schmücken ihre Werke bisher nur ihr Zimmer oder hängen bei ihrer Oma. Die eigenen Bilder an einer „fremden“ Wand zu sehen, beachtet zu werden, Feedback zu bekommen – „das wird bestimmt aufregend“, sagt Lara Weigand.

Filme, TV-Serien, Bücher, Videospiele und Online-Plattformen liefern ihr die Inspiration für ihre kleinen und großen Werke. Damit diese entstehen können, braucht es Zeit. Davon hätte die junge Holzhäuserin derzeit gerne mehr für ihr Hobby. Aber die Schule geht vor.

Sie besucht die 13. Klasse der Lahntalschule in Biedenkopf, die Abiturprüfungen rücken näher. Viermal in der Woche stehen für sie elf Unterrichtsstunden auf dem Tagesplan. „Danach habe ich oft keine Lust mehr, noch irgendetwas zu machen“, erzählt sie. Aber spätestens freitags in der Kunst-AG der Schule kann sie dann ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Dort sind auch ­einige ihrer Werke entstanden, die sie nun in der Ausstellung zeigen möchte.

„Malen lässt mich über vieles nachdenken und hilft beim Verewigen von bestimmten Geschichten. Außerdem kann ich dabei meistens gut entspannen“, sagt die 18-Jährige. Wenn ihr eine Idee für ein Bild durch den Kopf schwirrt, macht sie es sich an ihrem Schreibtisch gemütlich, setzt sich den Kopfhörer auf und lässt zur Musik den Pinsel über die Leinwand gleiten.

Grün und Rosa meidet sie

Die Liederauswahl ist nebensächlich. Gerne darf es auch mal die etwas härtere musikalische Gangart sein. „Fürs Malen eignet sich Metal eigentlich ganz gut“, sagt Lara Weigand und lacht. Einen aggressiven Touch haben ihre Bilder aber keinesfalls, sie wirken vielmehr beruhigend.

Ihre Lieblingsfarben sind Blau und Violett. Dazu setzt sie gerne auch Rot, Orange und Gelb ein – zum Beispiel für einen schönen Sonnenuntergang. „Ich liebe Farbverläufe“, erzählt die junge Künstlerin. Für Kontraste und Akzente greift sie auf Schwarz und Deckweiß zurück. Grün und Rosa meidet sie dagegen. Diese würden sich mit anderen Farben nur schwer kombinieren lassen.

Neben ihrem (noch) geringen Erfahrungsschatz im Umgang mit Wasserfarben verschweigt Weigand auch ihre größte Schwäche nicht: „Ich habe oft zu wenig Geduld.“ Wenn sie mit dem Malen beginnt, möchte sie ihr Werk möglichst schnell auch fertigstellen. „Ich kann nicht längere Zeit auf ein unvollendetes Bild schauen, das gibt mir kein gutes Gefühl“, sagt sie. Mit Ausdauer und Ehrgeiz gelingt es ihr dann aber meistens, erfolgreich ihre Arbeit zu beenden. Nur wenige Leinwände landen am Ende in der Ecke neben ihrem Schreibtisch – in der Ablage für die „nicht so tollen“ Bilder.

Neuland ist die Ausstellung auch für Melanie Krämer-Kowallik. In die Rolle der Gastgeberin einer Vernissage mit Sektempfang und Häppchen ist sie bisher noch nicht geschlüpft. „Da tasten wir uns jetzt gemeinsam ran, aber das kann doch nur gut werden“, gibt sie sich optimistisch.

Eine junge Künstlerin zu unterstützen, ist für sie eine Selbstverständlichkeit und zugleich eine Herzensangelegenheit. „Es wäre doch schade, wenn jemand mit solch einem Talent nicht von anderen wahrgenommen wird“, sagt Krämer-Kowallik und verweist auf einen Abschnitt ihrer eigenen Lebensgeschichte.

Niemals hätte sie heute ihr Geschäft, wenn nicht vor acht Jahren ein guter Freund der Familie ihr seinen leer stehenden Laden angeboten hätte. „Du brauchst im Leben ein bisschen Glück und einen Menschen, der an dich glaubt“, sagt die Römershäuserin. Diesen Part übernehme sie gerne für Lara Weigand.

Und wie geht es für die junge Künstlerin nach ihrer ersten Ausstellung weiter? „Ich habe keine Ahnung – ich werde einfach weitermalen und schauen, wie es sich entwickelt“, gibt sich die 18-Jährige gelassen.

Möglicherweise veröffentlicht sie einige Werke auch auf einer Internet-Plattform. „Cool wäre es, wenn ich es mit meinen Bildern vielleicht einmal in die Ausstellung meines Kunstlehrers Georg Mertin schaffe“, sagt Lara Weigand. Zu ihrer Vernissage am 5. November will sie ihn auf jeden Fall einladen.

Zeitplan

Die Ausstellung wird am Freitag (5. November) um 17 Uhr im Atelier „Einzigartig“ in Römershausen, In der Heeb 6, eröffnet und steht allen Interessierten offen. Auch am Samstag (6. November) ist die Ausstellung von 11 bis 17 Uhr für alle geöffnet. „Und falls dann noch nicht alle ausgestellten Bilder verkauft sind, machen wir am Sonntag noch einmal um 11 Uhr auf“, sagt Gastgeberin Melanie Krämer-Kowallik.

Von Michael Tietz

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