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Hinterland Landwirte schaffen Bienenparadiese
Landkreis Hinterland Landwirte schaffen Bienenparadiese
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11:58 17.05.2020
Die Vorstandsmitglieder des Bienenzuchtvereins Gladenbach, Heinrich Ruprecht, Ralf Fett und Ulrich Schmidt, freuen sich, mit Landwirt Nils Becker einen Kooperationspartner für die Blühflächen gefunden zu haben. Quelle: Foto: Michael Tietz
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Weidenhausen

Imker und Landwirte machen sich in der Stadt Gladenbach gemeinsam für den Erhalt der Artenvielfalt stark. Sie legen Blühflächen an und schaffen damit reichlich Nahrung für Bienen und andere Insekten. Der Bienenzuchtverein Gladenbach und Umgebung stellt dafür nun 80 Kilogramm Saatgut zur Verfügung.

„Es ist gar nicht so schwer, etwas Gutes für den Naturschutz zu tun“, sagt Ralf Fett. Der Weidenhäuser ist Vorstandsmitglied des Bienenzuchtvereins Gladenbach und hat mit seinen Imker-Kollegen eine Aktion im Rahmen der Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ gestartet. Mithilfe von drei Landwirten aus Weidenhausen und Oberweidbach werden rund acht Hektar Blühflächen angelegt.

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Zehn Kilo Saatgut pro Hektar

Die Idee dazu entstand während der Jahreshauptversammlung des Vereins. Der orderte daraufhin über den Kreisbauernverband 80 Kilo Saatgut. Für eine ein Hektar große Blühweide werden etwa zehn Kilo der bunten Mischung benötigt. Um die Aussaat kümmerten sich jetzt Nils Becker und Claus Nitz aus Weidenhausen sowie Gerhard Strache aus Oberweidbach. „Das ist ein guter Anfang, Imker und Landwirte arbeiten hier Hand in Hand“, freut sich Ralf Fett über das Gemeinschaftsprojekt.

Die Gärten strahlen schon in vielen Farben, Obstbäume und der Raps auf den Feldern blühen. „Bienen und andere Insekten schöpfen jetzt aus dem Vollen, sie finden Nahrung im Überfluss“, erklärt Ralf Fett. Mit ihren Blühwiesen wollen die Initiatoren dazu beitragen, dass eine ausreichende Pollenversorgung bis zum Herbstanfang gewährleistet ist. Die heimischen Imker richten dabei ihr Augenmerk nicht nur auf die Honigbiene. Hummeln, Wildbienen und andere Insekten sollen ebenfalls möglichst lange von der zusätzlichen Blütenpracht profitieren. „Sie brauchen alle eine ausgewogene, vielfältige Ernährung – wie wir Menschen auch“, betont Ralf Fett.

Nach Angaben des Umweltministeriums leben in Hessen derzeit etwa 62 000 Bienenvölker, vor zwölf Jahren waren es nur 48 000. Schutz brauchen dringend die Wildbienen. Von ihnen gib es in Deutschland 560 Arten – und mehr als die Hälfte ist gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Seit 2017 macht das Umweltministerium deshalb mit Unterstützung von Imkern und Landwirten mit der Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ auf die Bedürfnisse von Wild-, Honigbienen und anderen Insekten aufmerksam. Im Vorjahr wurden dazu 1 600 Hektar zusätzliche Blühflächen angelegt – doppelt so viele wie 2018.

Brut- und Deckungsräume

Diese dienen aber nicht nur Bienen und weiteren Insekten als wichtige Nahrungsquelle. Sie bieten auch Lebensraum für andere Tiere. So profitieren Vögel von den Samen der Pflanzen und von den Insekten. Wildtiere finden in den Blühflächen Brut- und Deckungsräume. Die von den Landwirten verwendete einjährige Saatgutmischung enthält verschiedene Kleearten, Sonnenblume, Koriander, Dill, Fenchel, Saat-Esparsette (Schmetterlingsblütler), Schwarzkümmel, Ringelblume, Saatwicke und zwei Phacelia-Arten (Bienentrachtpflanze). Damit bestückt Landwirt Nils Becker jedes Jahr zehn Hektar – unter anderem in Weidenhausen, Römershausen, Erdhausen und Bad Endbach. Nun kommen dank der Unterstützung durch den Bienenzuchtverein weitere drei Hektar an Blühflächen hinzu. Im Regelfall sollte die Aussaat bis zum 30. April erfolgen. Der tägliche Blick aufs Wetterradar ist aber Pflicht. „Wenn du zu früh aussähst und sich dann noch einmal Nachtfrost einstellt, schadet das den Pflanzen“, erklärt Nils Becker. Falls die Temperaturen zu niedrig sind, könnten er und seine Kollegen mit einer Sondergenehmigung die Blühflächen auch noch bis Ende Mai anlegen. Im nächsten Jahr will der Bienenzuchtverein Gladenbach und Umgebung eine ähnliche Aktion starten. Dies sei mit dem Kreisbauernverband bereits abgesprochen, erklärt Ralf Fett. Dann möchten die Imker auch Saatgut für Hobbygärtner anbieten – so wie es jetzt bereits Weidenhausens Ortsvorsteher Markus Wege im kleinen Rahmen getan hat. Für die Saatmischung will der Verein dann auch einen Förderantrag beim Land Hessen stellen.

Infoschild wird aufgestellt

Ein Informationsschild mit der Überschrift „Hessens Landwirtschaft blüht für Bienen – Landwirte und Imker sind Partner“ hat der Verein bereits erhalten.

Dies kann nun an einer der neuen Blühflächen aufgestellt werden. „Wir sind gespannt, wie sich die Blühflächen entwickeln“, sagt Imker Ulrich Schmidt.

Von Michael Tietz

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